Kontrastprogramm

Vorhin brachte der Postbote ein dickes, fettes und recht schweres Paket die Treppenstufen nach oben. Er brachte das Paket nach oben, ohne einfach eine Benachrichtigungskarte in den Briefkasten zu werfen. Guter Mann! Hab mich auch ganz artig bedankt …

Doch zurück zum Paket. Darin befanden sich keine Spiele, keine Software, rein überhaupt nichts digitales. Sondern ca. zwei Dutzend dicke, fette, schwere Bücher, deren Erwerb mir ein zu Weihnachten überreichter [insert bekannter Online-Händler]-Gutschein nahelegte. Ja, ich hätte natürlich auch tonnenweise Spiele kaufen können. Aber irgendwie … ich wüsste nicht für welche Spiele ich derzeit Geld ausgeben sollte. Was mir eine Ausgabe wert war, ist bereits gekauft worden. Zudem ich mir für den DS vorgenommen habe, erst dann ein neues Modul zu erwerben, wenn „Advance Wars“ und „Phantom Hourglass“ zu Ende gespielt sind. Und da ich nicht 24/7 den DS in der Hand habe, kann das dauern.

Als ich dann vor einigen Tagen den Gutschein in den Händen hielt und überlegte, wie ich ihn am besten einsetzen soll, da ist mir doch beim Betrachten der Regale im Wohnzimmer aufgefallen, dass ich schon verdammt lange kein Buch mehr gelesen habe. Selbst ein „Planescape Torment“ oder ein altes Infocom-Textadventure regen den Geist nicht so sehr an, wie ein gutes Buch. Spiele, vor allem Computerspiele sind was feines, kein Frage. Aber Abwechslung ist bekanntlich die beste Medizin für ein erfülltes Liebesleben. Und bevor ich anfange, mich nur wenige Sekunden nach Besiegen des Boss-Gegners schnarchend auf die Seite zu legen …

Ahhh, Bücher! Alleine die Vorstellung, dass ich all das Geld, das ich in den letzten Jahrzehnten für Spiele ausgegeben habe, stattdessen für Bücher … herrliche Vorstellung.


Theologische Bibliothek, Strahov, Prag © Curious Expeditions

Auch wenn ich meinen Lebensunterhalt jetzt und früher fast ausschliesslich mit rein virtuellen Produkten verdiene und verdient habe, ich die New Economy, den ersten großen Boom (und Knall) des Internets von innen heraus kennenlernen durfte und hier ein Blog betreibe, dessen Texte nur in Form von Einsen und Nullen durch „Tubes“ gequetscht werden, so bin ich im Grunde immer noch ein Kind des Analogen Zeitalters. Bücher strahlen etwas aus, was ein eBook-Reader niemals haben kann, auch wenn er noch so fortschrittlich und „haptisch“ designt wurde. Der Geruch nach Papier, das Blättern in alten, angegilbten Büchern ist durch nichts zu ersetzen und einzigartig. Romane, lange und gewundene Texte möchte zumindest ich nur in Papierform geniessen und anschliessend den Raum mit diesen Büchern schmücken. Kein eingerahmtes, ausgedrucktes Titelbild eines eBooks kann ein Bücherregal ersetzen. Eine ausgedruckte Liste aller rein digital erworbenen Spiele hat nur den Charme eines Einkaufszettels, den man allerhöchstens per Magnet an den Kühlschrank pappt.

Und schwupps, plötzlich bin ich bei einem anderen Lieblingsthema: Dem Verschwinden schöner, aufwendig gestalteter Spieleverpackungen! Aber jetzt ist genug, bevor ich mich noch endgültig als kulturpessimistischer und verknöcherter alter Sack oute 🙂

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5 Kommentare zu “Kontrastprogramm

  1. Rolandist sagt:

    Ich lese gerne und viel. Und ich liebe Bücher. Allerdings würde ich liebend gerne einen vernünftigen EBook Reader besitzen (wenn sowas überhaupt möglich ist). Der Grund ist einfach. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, mehrer Bücher gleichzeitig zu lesen. Und das geht schnell ins Gewicht. Von der Fachliteratur die man gerne immer um sich hat will ich gar nicht erst reden.Am besten wäre es, Die Verlage würde in das Buch ein PDF reinkleben, so daß ich das Buch sowohl „analog“ als auch auf dem PDA bzw. Book Reader nutzen kann.Davon werde ich aber wahrscheinlich nur träumen können.Zu den Spielverpackungen: Das passt wunderbar in den „DarkstarOne“ und „Kopierschutz“ Fred. Denn die Hersteller sind an den schlechten Verkaufszahlen auch deswegen selbst Schuld, weil Sie den Käufern immer weniger bieten. Man darf ja inzwischen fast schon froh sein, wenn der Verpackung ein winzigkleines Handbuch beiliegt.Wenn ich da an früher denke wo Microsoft dem Flugsimulator Handbuch und Kartenmaterial beigelegt hat was teilweise für die echte Flugausbildung genutzt werden konnte……

  2. Frank sagt:

    Ich hatte mal vor längerem überlegt mir so ein „digitales Buch“ (also ne Art PDF-Reader mit Display) zu kaufen… habs dann aber wieder sein lassen, weil ich mir nicht vorstellen konnte mit so einem Ding abends im Bett zu liegen :)Im Grunde kann ich dir mit dem Kontrastprogramm absolut nur zustimmen. Ich als Kind des digitalen Zeitalters (24 Jahre), habe nach wie vor Spass daran ein Buch zu lesen. Ich meine jetzt Romane, keine Sachbücher, die lese ich meist nur gezwungenermaßen :). Was ich immer fantastisch finde ist sich mit Kumpels auszutauschen. Da es keine vorgeschriebene Optik gibt, stellt sich jeder die Orte/Personen ein wenig anders vor 🙂 Hab auch noch einen ganzen „to-read-Stapel“ hier rumliegen… Leider finde ich die Muße in Ruhe ein Buch zu lesen mehr oder weniger nur in der dunklen Jahreszeit, Gehts euch da ähnlich? Bzw. habt ihr evtl. noch Empfehlungen Richtung SF oder Fantasy, die meinen Stapel noch vergrößern könnten?GrußFrank

  3. Ein Franzose sagt:

    Also ich lese seit 4-5 Jahren fast nur noch ebooks auf meinem fast schon alten Palm Zire71. Mir geht’s wie roland, ich lese mehrere Buecher gleichzeitig und kann mir nicht vorstellen die alle mit mir rumzuschleppen, zusammen mit der Wikipedia und dem NES-emulator… Schon recht praktisch…

  4. Harzzach sagt:

    Ich hatte eine Weile einen Palm und dann einen Pocket PC. War nett. Vor allem der Pocket PC mit seinem großen Farbdisplay.Genutzt habe ich die beiden Geräte hauptsächlich, um die Firmen-Produkte darauf zu testen, Termine zu managen, Notizen festzuhalten und hin und wieder eine Mail zu schreiben. Gespielt habe ich auf dem Palm „Sim City“ und auf dem Pocket PC irgendein Tetris. NATÜRLICH hatte ich auch PDFs geladen. Fachliteratur und ein, zwei Romane … es ging nicht!Zum Lesen kurzer Texte, für rein digitale Tätigkeiten, für Spiele ist das in Ordnung. Aber ich kann nur dann genug Konzentration zum Lesen längerer Texte (ab 20-30 Seiten aufwärts) aufbringen, wenn ich den Text in Papier- bzw. Buchform vorliegen habe. Trotz Lesezeichenfunktion und Notiz-Schnickschnack navigiere ich mit Papierseiten sehr viel direkter und schneller. Und eine Textsuche benötige ich nicht, wenn ich „nur“ lesen möchte.Zudem … ein eBook-Reader mag durchaus seine praktischen Vorteile haben. Gegen die Wohnwertsteigerung, die ein schönes Bücheregal erfüllt, kann er aber nicht anstinken 🙂

  5. Tim sagt:

    @Frankbzgl. Buchempfehlung. Falls du das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin noch nicht kennst: lesen! LESEN! (Dann leiden, weil leider noch unvollendet und der gute Mann sich viiiiiel Zeit für seine Bücher nimmt.)

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