Pariah – Wenn ein Name zum Programm wird

Das schöne am Betreiben eines eigenen Blogs ist der Umstand, dass man in seiner Themenauswahl niemand vor sich sitzen hat, der Chefred-mäßig entweder sagt: „Schreib mal was dazu!“ oder „Was soll das? Sowas will doch niemand lesen!“ oder „Uiuiui, Paris Hilton hat einen Pups gelassen. Schnellschnell, Meldung ganz vorne anteasern. Das wird total geil klicken!“. Nein, das alles ist bei einem eigenen Blog nicht der Fall. Hier ist man selber Herr im Hause.

Und deswegen nehme ich mir die Freiheit heraus hin und wieder auch Spiele aus der Versenkung zu holen, die dort meiner Meinung nach unverdient gelandet sind. Spiele, die nicht schlecht sind, sondern die meist Opfer einer unglücklichen Releaseplanung oder eines spontanen Wechsels des Kundengeschmacks geworden sind. Sogenannte Underdogs.

Einen Underdog par excellence stellt „Pariah“ dar. Pariah floppte ziemlich grandios. Keine der sprichwörtlichen Säue wollte etwas von diesem Spiel wissen. Doch warum? War es so schlecht?


Nein, ganz im Gegenteil. Pariah ist ein solider und gut gemachter, leicht verdaulicher Shooter für den PC und die XBOX. Er hat eine interessante Story, einige nette Gameplayfeatures wie zB. aufrüstbare Waffen, Fahrzeugbenutzung und zerstörbare Gebäude. Er wird von der Unreal2-Engine graphisch adäquat und sehr ansehnlich dargestellt. Zudem gibt es noch einen kinderleicht zu bedienenden Level-Editor, der sogar Konsolenbesitzern das Anfertigen eigener Level ermöglicht. Warum also wollte niemand etwas von Pariah wissen?

Der Grund ist relativ schnell und klar ersichtlich. Erschienen im Frühjahr 2005 bestand der Wortschatz der versammelten Shooter-Gemeinde nämlich nur aus zwei Begriffen: Doom 3 und Half-Life 2! Obwohl schon im Vorjahr erschienen, dominierten diese beiden Spiele das Publikum so sehr, dass jeder Shooter, der danach kam, unter der ins gigantomanische gesteigerten Erwartungshaltung der Gamer fast schon automatisch scheitern musste. Jeder Shooter, der nach HL2 und Doom3 kam, musste enorme Verbesserungen aufweisen, um in den Augen eines mit einem Schlag überanspruchsvollen Publikums bestehen zu können. Quake 4 ist zB. ein anderes Opfer dieser Zeit, da es schlichtweg mit „Doom 3 mit Squads“ in eine Ecke gestellt und somit weitgehenst ignoriert wurde.

Pariah kam einfach ein halbes Jahr zu spät. Es hatte nicht das tolle Pixelshader-Wasser von Half-Life 2. Es hatte nicht so tolle Schattenwürfe wie bei Doom 3. Pariah war „nur“ ein solider und unterhaltsamer Shooter, der „nur“ gut aussah. Doch das war mittlerweile zu wenig in den Augen einer verwöhnten Kundschaft. Pariah wurde zum Ausgestossenen, zu einem „Pariah“ unter den Shootern dieser Zeit. Ein derber, heftiger Flop war die Folge.


Fehlerfrei ist Pariah natürlich nicht. Vor allem was die Bewegungsabläufe, das breite Autoaim (man muss sich schon anstrengen, um vorbei zuschiessen) und das Gegnerverhalten betrifft, kann es seine Multiplattform-Herkunft nicht verleugnen. Als PC-Nerd kann man da schon mal ein wenig verächtlich auf das simplifizierte Gameplay schauen.

Ich bin selber erst letztes Jahr über Pariah gestolpert, hatte selber das „Pariah, war das nicht so ein komisches Shooterspiel?“ im Kopf. Pustekuchen! Nicht perfekt, keine Genrerevolution, aber dafür ein unterhaltsamer, unkomplizierter Shooter, wie ich ihn gegenüber anderen, eher taktikbasierten Genrevertretern bevorzuge.

Schade, dass Pariah so derart untergegangen ist. Schade, dass Digital Extremes, die verantwortlich für Unreal und diverse Unreal Tournament-Spiele waren, so ins Abseits der Aufmerksamkeit geraten sind und plötzlich mit dem Label „billiger Budgetware-Entwickler“ versehen wurden. Schade!

Andererseits … hätte ich dann heute auch nichts zu schreiben gehabt. Muss man alles positiv sehen 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Review.

8 Kommentare zu “Pariah – Wenn ein Name zum Programm wird

  1. Orin sagt:

    Ich hatte mir Pariah kurz nach erscheinen aus der Videothek geholt und fand es als Shooter echt nicht schlecht, nur etwas sehr kurz. Ich glaube nach etwa 8-9 Stunden war ich durch (ohne Cheats). Aber die 2,60€ (4 Tage ausleihen und nur 2 bezahlen) war’s wert.

  2. Joe sagt:

    Was Doom 3 bei mir erfolgreich gemacht hat, war die Verfügbarkeit der Linux-Version. Ein Windows-Shooter muß bei mir eine gewisse Hürde überwinden, weil das Starten halt etwas umständlich ist.Da ist dann Hausmannskost wie Pariah natürlich völlig chancenlos.

  3. Hyder sagt:

    Bevor ich unter Wine spiele, spiel ich ehrlich gesagt lieber gar nicht 🙂

  4. Big Jim sagt:

    Zum Wortschatz der Shooter-Gemeinde anno 2004/2005 zählte sicher auch noch Far Cry.

  5. Harzzach sagt:

    Stimmt! Ich als FarCry-NichtMöger vergesse das ständig 😉

  6. Anonymous sagt:

    Ich war auch von Pariah positiv überrascht, nachdem ich vorher nur Schlechtes gehört hatte. Ein gutes Spiel ist es aber nicht, halt ein netter, durchschnittlicher Shooter für zwischendurch. Ich denke bei Reviewern und Spielern Pariah hat einen Teil der Enttäuschung abbekommen, der eigentlich Unreal2 hätte treffen sollen (nur damals war der Unreal2-Hype so groß dass sich kaum jemand eingestehen wollte, dass das Spiel doch richtig schlecht war).Insgesamt fand ich Pariah aber auch nicht so übel. War zwar leider mal wieder extrem linear und einschränkend vom Gameplay (das dauert wohl noch etwas, bis man endlich davon mal wieder wegkommt), die Fahrzeugsteuerung war suboptimal und die Kämpfe monoton, weil es nur 2 oder 3 Sorten Gegner gab. Außerdem war die Story wirklich schlecht rübergebracht, aber trotzdem immerhin irgendwie interessant (eine verworren rübergebrachte Story ist ja noch keine schlechte). Aber insgesamt war es die 7,90 Euro, für die ich es mir dann schließlich gekauft hatte, auf jeden Fall wert und ich hatte Spaß damit.

  7. Hyder sagt:

    Ich habs gestern für 6 Euro inkl. Versand geordert nachdem ich die Demo durchgespielt hab. Die Grens ausm Granatwerfer finden ihr Ziel ja tatsächlich fast von alleine hehe

  8. Anonymous sagt:

    Hätte mir Pariah wohl geholt, wenn es einen Quicksave gehabt hätte.

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