Ja, aber …

Gestern abend das Civ4-Addon angeschaut. Die Nacht war nicht so kurz, wie ich befürchtet habe. Ich scheine lernfähig zu sein …

Die Freude überwiegt deutlich, es bleiben aber so einige Kritikpunkte über, bei denen ich so langsam ungeduldig, bzw. etwas ärgerlich werde.

Doch zuerst das Positive.

Mit „Beyond the Sword“ wurde das Hauptspiel kräftig aufgebohrt. Einheiten bekamen neue Modelle und neue Animationen. Einheitenstapel werden optisch herausgestellt, in dem anstatt einer Einheit eben eine Gruppe von Einheiten zu sehen ist. Konzerne als „moderne“ Religionen fügen sich gut in das Gameplay ein. Kleinere Zufallsereignisse und Quests lockern das gewohnte Gameplay auf. Mir persönlich gefällt daran, dass man mit nur ein wenig Aufwand mehr aus Civilization eine Art Strategie/RPG-Hybrid machen könnte, wie es bereits in einem BtS-Mod gezeigt wird. Ich hätte nichts dagegen, wenn sich die Civilization-Reihe allmählich in diese Richtung weiterentwickeln würde. Aufforsten ermöglicht ein Aufwerten industriell oder anderweitig genutzter Felder, ohne dass die bisherigen Feld-Eigenschaften verloren gehen. Zwar immer noch kein vollwertiger Ersatz für das Teraformen aus Civ 2, aber immerhin.

Die Mods und Szenarios orientieren sich in der Thematik ein wenig am „Fantastic Worlds“-Addons für Civ 2. Ich hatte beim Austesten und ersten Durchschauen so manches Dejavu-Erlebnis. Ein Dejavu war auch wieder das übliche Backpfeiffenkassieren bei den ersten Partien, wobei ich beim optisch wunderwunderschönen Final-Frontier-Mod eher den Eindruck hatte, dass dieses zumindest spielerisch noch ein wenig, hmmm, „unausgereift“ ist. Unzuverlässig funktionierende Bautrupp-Äquivalente. Barbaren/Piraten so viele, dass sich die Galaxis verdunkelt, weil sie sich alle scheinbar nur auf mich stürzen, während der Gegner in Windeseile ein Sternsystem nach dem anderen kolonisiert. Ich glaube nicht, dass dies so richtig ist …

Grundsätzlich wäre es ganz hilfreich, wenn umfangreichere Mods zumindest anfänglich von einer Art Tutorial begleitet werden, in dem die Abweichungen vom Hauptprogramm kurz angerissen werden. Zumindest bei kommerziellen Mods, für die ich gutes Geld hinblättere. Es macht mir keinen Spass mehr, ratlos Runde um Runde zu absolvieren, ohne auch nur den blassesten Schimmer zu haben, was ich denn jetzt wieder falsch gemacht habe, nachdem Horden von Gegnern meine Städte/Kolonien zerpflücken.

Was mich aber so langsam zur Weißglut bringt, sind die ständigen Versprechungen seitens Firaxis, man würde mit jedem Patch, mit jedem Addon die IMHO ziemlich miserable KI-Diplomatie von Civ4 verbessern. Stattdessen wird es immer schlimmer. Während das auf niedrigen Schwierigkeitsstufen nicht so tragisch ist, weil dort die KI grundsätzlich recht passiv ist, so erkenne ich auf höheren Stufen keine Struktur im Verhalten des Gegners. Da schaffe ich es zwei Nachbarn gut bei Laune zu halten, während der dritte Nachbar einfach nicht will, aber trotz miesen Diplomatiewerten zumindest (noch) nicht angreift. Wenige Züge später greift mich einfach so, aus dem heiteren Himmel einer der „guten“ Nachbarn an. Ohne Vorwarnung. Ohne dass sich vorher das Verhältnis verschlechtert. Von einer Runde zur anderen. Während der dritte, der „misstrauische“ Nachbar mir plötzlich, ohne erkennbaren Grund, den Vasallenstatus anbietet.

Was? Wie? Soll das?

Wenn man höhere Schwierigkeitsstufen nur über zufälliges und erratisches Verhalten des Computergegners realisieren kann (oder will?), warum bietet man mir dann ein ausgeklügeltes Diplomatiemenü an? Nää, liebe Firaxis-Jungens, so nit! Ihr hattet da vor einer Weile ein schönes Spiel namens Alpha Centauri. Da hat das mit der Diplomatie tatsächlich richtig gut funktioniert. Weil der Gegner im Rahmen seiner Charaktervorgaben berechenbar war und gerade dadurch sehr viel überzeugender und realistischer erschien. Wenn der Gegner sich jedoch unberechenbar verhält, dann hat das nix mit besserer Diplomatie-KI zu tun, sondern ist lediglich eine einfache RAND-Funktion im Quellcode. Denkt mal drüber nach!

Ich habe das Hauptspiel sehr, sehr gerne gespielt. Ich habe Warlords sehr gerne gespielt. Ich werde wahrscheinlich auch BtS gerne spielen und mich vor allem auf die neuen Mods und Szenarios stürzen. Es ist ein gutes Addon. Das Positive ist gegenüber dem Negativen deutlich in der Überzahl. Dennoch, die Diplomatie-KI bleibt weiterhin eine der größten Schwachpunkte von Civ 4 und macht vor allem ds Spielen in höheren Schwierigkeitsgraden eher zu einem Glücksspiel als zu einer Herausforderung für Strategen und gewiefte Imperatoren.

Übrigens, niemand, ich wiederhole, NIEMAND sollte sich den BlueMarble-Mod entgehen lassen. Nicht nur, dass die Terraintexturen sehr viel schöner gemacht wurden, so wird in der aktuellsten Version auch kräftig an Interface-Verschönerungen geschraubt. Nicht nur, dass viele Hintergründe ausgetauscht wurden, es wurde auch die Standard-Serifenschrift mit einer, für hohe Auflösungen sehr viel besser passende, serifenlosen Schrift ersetzt. Hier zB. der veränderte Startbildschirm für das BtS-Addon …

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6 Kommentare zu “Ja, aber …

  1. stefan sagt:

    ..und man bekommt noch nicht mal eine warnung durch die spionage..ansonsten versteht die ki aber nur militärische präsenz als friedensgrund.probier doch mal die ki von blake aus..die soll mehr auf dem kasten haben. -die rpg-mod wurde von der community übernommen.-next war ist noch interessant, obwohl ich es nicht mag, wenn es nix mehr zu civilisieren gibt;)-ich warte mit einem richtigen spiel noch bis es einen guten mod gibt(total realism?!)-klar, blue marble muss sein, aber das weiss wohl mittlerweile jeder..

  2. Selecta sagt:

    Danke für den BlueMarble Tip…. :-)Endlich ist CIV bei mir auf 1280×1024 lesbar… :-)Aber so wies ausschaut, sind wohl doch alle beim CIV zoggn… :-)*gehwiederdiewelterobern*

  3. Anonymous sagt:

    Habe heute auch mal den Blue Marble Mod ausprobiert. Zocke auch auf 1280×1024 und finde die Blue Marble Schrift erheblich schlechter. Da ist für mich der Original-Font wesentlich schöner anzuschauen. Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich Geschmäcker sein können….

  4. Harzzach sagt:

    Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich Geschmäcker sein können….Gar keine Frage :)Spielst Du das auf einem Röhrenmonitor oder einem LCD-Screen? Auf einem LCD-Bildschirm sieht eine Serifenschrift grundsätzlich besser aus, da sie sehr viel schärfer dargestellt werden kann. Meine gute alte 21-Zoll-Röhre hier kann vor allem bei hohen Auflösungen natürlich nicht mit der Bildschärfe eines LCDs mithalten.

  5. Sid Meiers Fan sagt:

    Die KI ist meiner Meinung nach sehr intelligent geworden. Spiele auf König und musste im letzten Spiel schon staunen:Nachdem ein Krieg gegen eine Civ mit Religion X ausbrach, hatte ich gleich mit allen anderen der Religion X ein Problem. Eine Civ fragte, ob ich nicht die Reli zu X wechseln möchte. Habe ich gemacht, 3 Runden später war wieder Frieden mit allen! Die KI setzt also Krieg gezielt zur Verbreitung der eigenen Religion ein.Der Inder (Gruppe X) nebenan hat sich mir dann später als Vasall angeboten, da der Atzeke ihn bedrohte. Krieg erklärt und schon hatte ich einen treuen Verbündeten.Die KI verhält sich ziemlich Bündnisorientiert und greift sehr gezielt an.Die Konzerne und Spione erweitern das Gameplay sehr elegant, man könnte tatsächlich von CIV-Evolution sprechen.Ich bin jedenfalls sehr begeistert vom Addon.

  6. Harzzach sagt:

    Ich bin jedenfalls sehr begeistert vom Addon.Ich ebenfalls. Das ganze üble, verregnete Wochenende nichts anderes gemacht. Dabei ist mir allmählich aufgefallen, dass der Zufallsfaktor geringer geworden ist. Ich habe sher viel stärker die Kontrolle über das Geschehen. Böse Überraschungen kommen seltener vor.Insofern muss ich mein Urteil über die Diplomatie-KI nach etlichen Spielstunden ein wenig korrigieren. Es ist spürbar besser geworden. Man braucht nicht mehr unbedingt eine beeindruckende Armee, um Eindruck zu schinden. Kulturelle Einflüsse und der richtige Einsatz von Reigionsformen, -arten und Missionaren können etliche Konflikte entschärfen. Insofern ist BtS wirklich ein Addon für „friedlichere“ Spieler geworden.Und wenn der Gegner zur Theokratie wechselt und keine Anstalten macht, sich von mir beeindrucken zu lassen, dann platziere ich einfach einige Spione in seine Städte und erhöhe so massiv die Wahrscheinlichkeit, dass diese zu mir überlaufen. So konnte ich gestern abend die sonst so unzugänglichen Japaner derart weichklopfen, dass die arme Sau von Tokugawa mir schliesslich mit nur noch drei Städten den Vasallenstatus anbot.Es braucht Zeit, die wahren Vorzüge von BtS zu entdecken …

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