Enttäuschte Liebe und das Gedächtnis eines Elephanten

Es war einmal …

Es war einmal ein kleiner Nerd namens Harzzach, der sich verliebte. Das kam damals desöfteren vor. Ja, auch in Menschen aus Fleisch und Blut 😉

Diesmal jedoch, diesmal schlug sein Herz für eine höchst unerreichbare, junge englische Adelige, die in attraktivem Outfit durch verlassene Ruinen turnte und bösartiger Fauna animalischer wie menschlicher Gestalt zeigte, wo der Bartel den Most holt.

Ja, die Rede ist von Lara Croft! *mehhh, aaaaalt, laaaaangweilig*

Richtig! Nach all diesen unsäglichen Hypejahren, der Beinahe-Katastrophe von „Angel of Darkness“ und all den Abermilliarden von Merchandising- und Marketingbestrebungen ist der Reiz von Ms. Croft „ein wenig“ dahin. Und doch …

Und doch kommt es immer noch ein wenig, das alte Kribbeln, die Schmetterlinge im Bauch.

Vor allem, wenn man daran denkt, dass es bald „Tomb Raider Anniversary“ gibt, ein Remake des zehn Jahre alten Klassikers, der trotz seiner klischeehaften Darstellung einer jungen Dame mit einer der Schwerkraft trotzenden Oberweite mehr für die Gleichberechtigung in Computerspielen getan hat, als man sich damals vorstellen konnte.

Doch ich schweife ab …

Ja, damals! Damals war dieser spezielle kleine Nerd hier hin und weg. Tomb Raider war DIE Offenbarung, Tomb Raider war Gott, Tomb Raider war (zumindest für eine Weile) sein Ein und Alles. Leicht wie eine Feder sprang Lara auf Befehl von Vorsprung zu Vorsprung, zog sich anmutig über Klippen und Kanten. Aber züchtig und tugendsam wie sie war, natürlich niemals aus. Hach, schön war das damals. Denn Klein-Harzzach war bis über beide Ohren in eine leicht kantige Pixelfigur verknallt. Aber zu seiner Entschuldigung verweise ich nur auf einen alten griechischen Sack namens Pygmalion, der sich doch tatsächlich in eine Figur aus Elfenbein verliebte … der Trottel 😉

Wo war ich … ahja, damals. Ja, alles war gut. Alles war gut bis Klein-Harzzach aka Lara in den Tälern der Anden auf den T-Rex stieß. Diese Begegnung, für viele auch heute noch einer der größten Schockmomente der Spielegeschichte, war geradezu schicksalhaft für das weitere Verhältnis zwischen dem kleinen Pickel-Nerd und seiner angebeteten Dame. Denn auch wenn ich damals sehr viel fokusierter und ausdauernder an Spiele heranging und es mich nicht störte einen Abschnitt ein, zwei Dutzend mal zu spielen, bis er geschafft war …

Diesmal jedoch … ich habe es nie geschafft! Der T-Rex schaffte dafür mich. Oft, sehr oft. Zu oft! Tomb Raider war an dieser Stelle effektiv für mich zu Ende. Aus! Finito! Schluss! Fertig!

So aus dem Abstand von 10 Jahren kann man eigentlich nur noch lachend den Kopf darüber schütteln, aber damals war ich so derart stinkesauer und wütend und gleichzeitig traurig und betrübt und verzweifelt … als ob mir jemand, in den ich über beide Ohren verliebt war, wo man schon ein, zwei Dates hatte und alles sehr gut aussah … plötzlich aus dem heiteren Himmel einen Korb gibt. Danach war dann Schluss mit Tomb Raider. Weder Walkthrough, noch Cheats, noch Trainer konnten mich aus meinem Tief reissen. Und als Lara in ca. 20 Millionen Fortsetzungen die Welt eroberte, blieb ich missmutig und bockig in meinem Keller sitzen. Ich habe dies Core Design niemals verziehen! Tomb Raider? Niemals wieder! Niemals!

Schade, werte Lara! Auch wenn man Dich in Deinem Remake wieder hübsch zurecht gemacht hat und man die Boobie-Physics sittsam auf das absolute Mindestmaß beschränkt hat und die Tempel so hübsch aussehen wie nie zuvor. No, Madam Sir! Du hattest Deine Chance! Du hattest mein Herz. Nie wieder, meine Liebe, nie wieder!

Und so werde ich mich auch weiterhin wehmütigen Erinnerungen an vergangene Zeiten hingeben, den Hauptmenü-Song rauf und runter nudeln und an die wenigen schönen Momente denken, die wir miteinander hatten … schniiiief!

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8 Kommentare zu “Enttäuschte Liebe und das Gedächtnis eines Elephanten

  1. stefan sagt:

    ..wenn man eine voodoo-karte neben einer speziellen brille besass, konnte man das spiel in „echtem“ 3d spielen….

  2. Andre sagt:

    Cheaten gibt auch nicht das gleiche gute Gefühl wie richtig durchspielen und es bleibt immer ein fader Nachgeschmack zurück. Der richtig sozialisierte Mensch fühlt sich als Schummler. Dann lieber aufhören.

  3. Harzzach sagt:

    Andre: Kommt darauf an … bei HL1 habe ich zum Schluss gegen Nihilant gecheated und kam mir keineswegs „schlechter“ oder als „Schummler“ vor. Ich habe manche Starcraft-Mission auch erstmal einige Male mit Cheatcodes gespielt, um bestimmte Taktiken auszuprobieren. Die letzte Protoss-Mission habe ich zB. nur mit Cheats gespielt, weil es mir schlichtweg zu hektisch wurde. Hat den Reiz des Spieles oder das Genießen des Endes keineswegs geschmälert. Im Gegenteil, den Abschluss der Story nicht erleben zu können, weil mir das Spiel hier zu schwer war … das hat mich angekotzt :)Und bei TR war das wirklich nur enttäuschte Liebe. Ich war schlichtweg PISSED!

  4. Frank sagt:

    Tomb Raider? Noch so eine Serie die total an mir vorbei gegangen ist. Natürlich habe ich damals den ersten Teil gespielt (im Software-Modus da „nur“ Matrox Mystique 4 MB :)) ), aber die ganze Spielmechanik sagte mir nicht zu; die grausige Steuerung tat ihr übriges. An dem Punkt hab ich dann gemerkt, dass ich generell keine Action Adventures mit starkem Fokus auf Hüpfereien mag. Egal ob nun Tomb Raider, Soul Reaver, die neuen Prince of Persia, alles Titel die mir so dermaßen am Allerwertesten vorbei gingen… :)Dazu kam dann dass auf Dauer, wie du schon so schön schriebst, das Gehype dezent auf die Nerven ging. Das Einzige was die Serie mir persönlich wirklich näher gebracht hat ist die 3rd Person Perspektive. Die mag ich nämlich sehr, egal ob Max Payne, Splinter Cell oder momentan Gears of War, ich mag diese Perspektive mitlerweile fast lieber als die alt hergebrachte Egoansicht.

  5. Harzzach sagt:

    Hehe, die TR-Steuerung :)Bei jedem anderen Spiel hätte mich dies ruckzuck in den Wahnsinn getrieben, aber hier … Liebe macht blind! Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich in irgendwelche Abgründe hinabgestürzt bin, weil die gute Lara trotz korrekter Position und rechtzeitigem Druck auf die Sprungtaste TROTZDEM einfach gerade aus gelaufen ist. Ein Phänomen, dass ich übrigens bei der TR-Legend-Demo letztes Jahr wieder erleben durfte. Diesmal dieser unsägliche Greifhaken, der nur ab und an, so aus purer Laune heraus zu funktionieren schien.

  6. jge sagt:

    Ist ja traurig zu lesen. Wo man den T-Rex doch sogar mit den normalen Patronen fertigmachen konnte (wie ichs getan hab, um Munition zu sparen, damals — noch nicht begriffen habend, dass die eh an jeder Ecke liegt): es gab da einen Felsvorsprung, etwa auf Kopfhöhe, worauf man sich zurückziehen konnte, und der T-Rex kam nicht hin. nach einer Weile verlor er das Interesse, man musste runter, um ihn anzulocken, und konnte dann, kam er angehoppelt, wieder rauf, um munter das Magazin zu leeren (ach, das wurde ja nicht leer). War gar nicht schwer 🙂

  7. stefan sagt:

    noch schlechter war doch wohl das kameraverhalten bei engen absprüngen..man konnte machen was man wollte, aber die frau mit den grossen brüsten stellte sich immer vor die spielersicht. so musste man des öfteren blind springen..

  8. Harzzach sagt:

    jge: Ich habe das danach in einem Walkthrough auch so gelesen. Soll gar nicht sooo schwer gewesen sein. Ich wollte aber nicht mehr …stefan: ja, die Kameraführung … so schön 3D damals auch war, aber wenn es um Jum&Run, um Plattformer geht, ziehe ich ein altes 2D-Commander Keen, Rayman oder ein Monster Bash jedem 3D-Vertreter vor. Denn da SEHE ich den entscheidenten Pixel klar und deutlich. Bei 3D-Spielen ist mir zuviel Try&Error dabei, zuviel Raterei wo denn jetzt der richtige Absprungpunkt sein möge.

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