Retro-Impressionen: HoMM mani padme hum

An einem schönen Tag des Jahres 1997 begibt sich Harzzach gelangweilt in die Bahnhofsbuchhandlung seines Vertrauens, um der Dame an der Kasse wertlose Papierfetzen und einige Metallstückchen ins Gesicht zu schleudern. Auf dem Rückweg nimmt er dabei aber noch so ein komisches Magazin mit, dass die Vollversion eines Spieles namens „Heroes of Might and Magic“ enthalten soll. Might&Magic kennt Harzzach sehr wohl, hat er doch vor wenigen Wochen sich erfolgreich durch Might&Magic 5 gekloppt. „Uiiii“, denkt sich Harzzach so. Etwa noch ein M&M-Rollenspiel?

Zu Hause angelangt reißt Harzzach ungeduldig Folie und Verpackung von der CD und schiebt das Teil ins Laufwerk. Während der Installation studiert er aufmerksam den Werbetext der Heftrückseite. Soso, ein Strategiespiel ist das also! Harzzach wird sehr, sehr neugierig. Die Installation ist beendet. Harzzach startet das Spiel … und verlässt in den nächsten 24h kaum den Rechner. So begann Harzzachs Verehrung für eines der schönsten Strategiespiele der 90er. Knapp ein halbes Jahr später erinnert sich Harzzach, dass er doch auf irgendeiner Heft-CD so ein ähnliches Demo gesehen hatte. Harzzach wühlt sich durch diverse Staubflocken und Jewel-Cases und findet … eine Demo von Heroes of Might and Magic 2. Nach etwa drei Tagen permanenten Zockens beschließt Harzzach zum Fachgeschäft seines Vertrauens zu gehen und sich auf die Suche nach der Vollversion zu machen. Dummerweise ist dort noch eine letzte Schachtel zu haben und Harzzach schließt sich in den nächsten zwei Wochen in seiner kleinen Stube ein. Dass derweil etliche nicht unbeträchtlich wichtige Studien- und Diplomarbeiten der Fertigstellung harren, tangiert Harzzach’s Bewusstsein nur peripher. Es gibt schliesslich wichtigeres zu tun, das kurz darauf erscheinende Add-On schüttet noch mal kräftig Öl ins Feuer der Leidenschaft.

Und dann, knapp zwei Jahre später, steht Harzzach mit zitternden Knien vor der Kasse des Fachgeschäfts seines Vertrauens. Harzzach hält sich diesmal nicht mit der Demo auf. Harzzach WEISS, dass Heroes of Might and Magic 3 einfach gut sein muss und gibt dem Mann an der Kasse wieder so komische, bunt bedruckte Papierschnipsel. Doch diesmal hat Harzzach vorgesorgt, der Kühlschrank ist gut gefüllt, die Stromrechnung ist bezahlt und der Rechner auf Herz und Nieren geprüft. Zudem hat Harzzach Urlaub genommen, damit er ja nicht von so lächerlichen Dingen wie nervenden Kollegen oder unerträglichen Kunden abgehalten wird. Und Harzzach hatte Recht behalten. Evolution statt Revolution! HOMM 3 war der lebende Beweis, welch grandioses und innovatives Konzept mit dem ersten Teil dieser Serie auf den Markt gebracht wurde. Der Strategie-Rollenspiel-Mix war auch noch in der dritten Auflage unterhaltsamer und vergnüglicher als so manches gehypte Möchtegernspiel.

Anno Domini 2003. Während draußen die Blätter fallen und sich die Massen auf dem Glühweinmarkt vergnügen, schweift Harzzach’s Blick über die Suchergebnisse des Filesharing-Tools seines Vertrauens. „62.89.122.157“ und „12.215.163.126“ bieten „Heroes Chronicles: The Final Chapters“ zum Download an. Harzzach freut sich, bietet sich ihm so die Möglichkeit, endlich das siebte und letzte Add-On zu HOMM3 in die Finger zu bekommen. Kaltherzige und unverständige Managerseelen hatten die Auslieferung dieses Add-Ons gestoppt, weil sie zu geringe Verkäufe befürchteten. HA! Harzzach verflucht diese schmierigen Krämer noch bis in die siebente Generation und dankt dem unbekannten Wohltäter dafür, dass er dies letzte Werk den Gewölben der 3DO-Safes entnommen und der dankbaren Gemeinde zur Verfügung gestellt hat.

Oder kurz gesagt … Heroes of Might and Magic 3 rulez!

Selbst der Nachfolger konnte Harzzach nur wenige Tage vom rechten Pfad ablenken. Kein schlechtes Spiel. Keineswegs. Nette Ideen und so. Aber eben kein HoMM mehr. Irgendwie nicht so spassig. Irgendwie uncharmant. Denn wie der Produzent in einem Post Mortem-Interview später verriet, sagte seine Lebensgefährtin während des Beta-Testings: „Ihr habt mein HoMM getötet!“. Besser kann man es nicht ausdrücken. Auch der aktuell fünfte Teil, welcher ja nett aussieht und sich nett spielt und überhaupt … quatsch, was mache ich mir da vor … das ist nichts weiter als ein Etherlords 3. Zu groß sind die Ähnlichkeiten, zuviel hat Nival an Interface-Graphiken, Fonts und sogar Sounds recycelt. Ja, schon nett, aber kein HoMM.

Ich kann es nicht oft genug betonen: Heroes of Might and Magic 3 ist unerreicht geblieben. Dieses Spiel kann man nicht besser machen. Man kann es nur noch anders machen.

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5 Kommentare zu “Retro-Impressionen: HoMM mani padme hum

  1. Frank sagt:

    Ganz ehrlich? Ich konnte den Spielen nie was abgewinnen 😛 Habs oft genug versucht, aber über mehr als eine Stunde konnte mich kein Teil am PC halten. Ich mag Fantasysettings, ich mag Rundenstrategie, aber HoMM oder dessen Derivate sind total an mir vorbei gegangen…. 🙂

  2. Harzzach sagt:

    Wie? HoMM nicht gut finden? Ich glaub es geht los! Raus aus meinem Blog!!;-PMir gehts ja so mit Splinter Cell oder WoW. Nach nicht einmal einer Stunde knallen die Augenlider runter und ich muss entweder den Rechner verlassen oder am nächsten Morgen im Spiegel schöne Keyboard-Abdrücke auf der Stirn bewundern. Obwohl ich ja Thief geliebt habe und MMORPGS’s nicht prinzipiell ablehne.Eigener Geschmack, verteufelte Sache. Sollte man verbieten!

  3. Thomas sagt:

    Heroes of Might and Magic 3? Was ist denn das? Ich kann mich nicht erinnern irgendwann auch nur ein Spiel der Reihe installiert und versucht zu haben. Hmm..Wenn ich heute nach Gründen suche, 1997 war doch das Jahr von Chris Taylors „Total Annihilation“, da war nicht mehr viel Zeit für andere Strategie Games welche dann auch noch im trolligen Fantasy Outfit daherkommen und Rundenbasiert sind. So hab ich HoMM gar nicht wahr genommen zu der Zeit. Apropo Chris Taylor, sein TA Nachfolger der gerade released ist „Supreme Commander“ ist für mich der klassische Langweiler. Woran liegts? Zu alt, zu hohe Ansprüche, Erwartungen oder total falsche Erinnerungen an den damaligen Euphorismus? Keine Ahnung!

  4. Harzzach sagt:

    Hmmm, TA konnte ich nur auf intelektueller Ebene wertschätzen. Eindrucksvolle Technik, vielfältige taktische Möglichkeiten. Multiplayer hat mich bei diesen Spielen (sei es C&C oder Warcraft oder AoE) kaum interessiert. Ich fand aber auf der Gefühlsebene keinen Grund, mich länger als nur einige Stunden mit TA zu beschäftigen. Warum sollte ich die Kampagnen spielen? Das Setting wurde so unterkühlt, beiläufig und seelenlos präsentiert.Vielleicht erwartst Du von Spielen heute etwas anderes als früher, so dass die alten Rezepte nicht mehr wirken?PS: Zu SystemShock schreibe ich später auch mal was. Nur nette Dinge, Nur positives 😉

  5. Atreyu sagt:

    Auch mich hatte HOMM 3 extrem gepackt, obwohl ich gar kein Strategie-Fan bin, und wenn, dann eher StarCraft-Komfort-verwöhnt.Ich muss ehrlich zugeben, dass ich fast nie eine mitgelieferte Map gespielt hab, denn der Mapeditor im 3ten HOMM war sowas von grandios, dass ich nur eigene Maps gebaut und gespielt hab =)

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