Classy

Normalerweise kann ich mit dem kulturellen Phänomen von Let’s Plays und schnappatmenden Jungspunden, die voller Energie und Leidenschaft und oft genug in direkt umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrem Wissen über Videospiele im Allgemeinen wie im Besonderen ihre Videos produzieren, nur wenig anfangen.

Sonderlich stören tut mich das aber auch nicht, weil … äh, wieso sollte es?

Von daher ignoriere ich der Einfachheit halber diesen Bereich unseres umfangreichen Hobbies. Bis auf die wenigen Ausnahmen, welche üblicherweise die Regel bestätigen. Keine Regel ohne Ausnahme und wenn eine Regel keine Ausnahme kennt, ist es logischerweise keine Regel 🙂

Eine dieser Ausnahmen ist Jim Fucking Sterling Son, Jim Sterling. Seines Zeichens lang gedienter Spiele-Journalist, Ex-Redaktionsleiter bei Destructoid, Freelancer für The Escapist und Kämpfer für eine bessere, schönere Spielewelt. Wider die Gier und Skrupellosigkeit der großen Majors, wider die Gier und schier unfassbare Inkompetenz kleingeistiger Küchentisch-Entwickler, für gute Spiele und faire Anbieter.

Jim Sterling befand sich seit über einem Jahr in juristischen Auseinandersetzungen mit einem Indie-Entwickler, der sein kümmerliches Brot damit verdient hatte billig zusammengeschluderte, abscheuliche Asset-Flips auf Steam einzustellen, deren Qualität in direkt umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Streitlust und Unfähigkeit mit Kritik umzugehen, einher ging. „Ging“, weil Valve alle Spiele dieses Entwicklers aus dem Katalog entfernt hatte, nachdem der Entwickler meinte über 100 Steam-User verklagen zu müssen, die sich erdreistet hatten selbigen Entwickler für seine abscheulichen, greuslichen Asset-Flips zu kritisieren.

Der Rechtsstreit Romine (so heisst der Entwickler) vs. Jim Stanton (das ist Herr Sterlings bürgerlicher Name) ist gestern aussergerichtlich beigelegt worden. Der Kläger nimmt alle Vorwürfe zurück und verpflichtet sich, diese Vorwürfe auch nicht mehr in einem anderen Kontext gegen den Angeklagten vorzubringen.

Das ist ein Grund zur Freude, weil es nicht angehen kann, dass schmierlappige, charakterlich unterentwickelte Entwickler meinen mit der juristischen Keule jedwede Kritik an ihren üblen Machwerken kleinhalten zu können.

Aber weil Jim Fucking Sterling Son das hat, was viele seiner Branchen-Kollegen nicht haben, nämlich Class & Style, zelebriert er in seiner Stellungnahme zum Ende der Rechtsstreitigkeit keinen Freudentanz inklusive Häme und Schadenfreude in Richtung des Klägers, sondern … ja, lest es selbst:

A Statement Regarding Romine v. Stanton’s Dismissal With Prejudice

Thank God for him!

Dieselstörmers oder Wie ich lernte Refund zu schätzen

Man kennt das vielleicht: Auch wenn sich entsprechendes Wissen auf rationaler Ebene längst festgesetzt hat, so braucht es manchmal eine Weile, bis dieses Wissen auch vom Rest der ÜBSEF-Konstante, des eigenen Wesenskernes verinnerlicht wurde.

Sei es das immer wieder lustige „Ja, meine Frau ist jetzt seit drei Monaten schwanger, in einem halben Jahr werde ich Vater.“ *kurze pause* *atem scharf einzieh* „Scheisse! In einem halben Jahr werde ich Vater!!!“ *aufjaul* oder diverse andere Veränderungen etablierter Lebensumstände, deren Folgen man erst nach einer Weile tatsächlich VERSTANDEN hat.

Weniger dramatisch und einschneidend (potentielle Nachwuchsglückwünsche also bitte wieder unauffällig entsorgen) erfolgte das letztlich beim Durchstöbern der Angebotsliste auf Steam. Es fanden sich ein paar nette Titel (über die es das eine oder andere später zu sagen gibt), die gemietet und gleich angespielt wurden.

Einer davon entpuppte sich als Rohrkrepierer. Was jetzt weniger am Spiel als vielmehr an mir, bzw. der Kombination aus Spiel und meinen Vorlieben bestand. „Dieselstörmers“ (den neuen Namen weigere ich mich aus Protest gegen besagten Hersteller von Textilien zu verwenden) würde ich nicht als schlechtes Spiel bezeichnen. Es ist nur nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Spiel und meine Wenigkeit entpuppen sich nach nur wenigen, immer mehr mit Frustration angefüllten Minuten (Wo gibt es hier Healthpacks? Was mache ich hier? Hallo? Warum sind da so viele Gegner? Hilfe! Warum ist das so bockelheftig?) als nicht miteinander kompatibel.Also so gar überhaupt nicht. Vollständig. Komplett aneinander vorbei, ohne auch nur den Hauch potentieller Berührungspunkte. Schneller und gründlicher das Beziehungsstadium „Hat sich nichts mehr zu sagen“ erreicht als bei einem eher unerquicklichen Blind Date.

Ein eklatanter Fehlkauf.

Früher™ hätte ich leise geflucht und mich maßlos geärgert. Weil halt Geld sinnlos rausgeballert und so. Mein Steam-Account enthält den einen oder anderen auf diese Weise entstandenen, verschämt ausgeblendeten Fehlgriff. Dass der Kunde aber seit letztem Jahr den Mietvertrag zwischen Steam und Kunde nach weniger als 2h Spielzeit anstandslos, bei voller Kostenrückerstattung aufheben kann, das ist mir bekannt. Das weiß ich. Da in meinem Kopf. Schwarz auf Weiß in plakatgroßen Lettern. ICH WEISS DAS!

Aber ich habe es noch immer nicht verinnerlicht, denn was tue ich nach 15 Minuten erfolglosen Versuchen mit Dieselstörmers anzubandeln? Leise fluchen und mich maßlos ärgern. Bis dann irgendwann die flache Hand gegen die Stirn klatscht. Neeee, musse ja gar nich fluchen und ärgern. Isse doch nix chlimm, weil kannse doch refunden!!!

Steam Support angeklickt, den letzten Mietvorgang angeklickt, auf Refund geklickt, auf Deinstallieren geklickt. Fall erledigt. Der Betrag wurde nach wenigen Stunden gutgeschrieben, alles war wieder grün. Supergrün. Manche Dinge brauchen eine Weile, bis man sie tatsächlich VERSTANDEN hat. Hätte nie gedacht, dass so eine lächerliche Sache wie ein neues Refund-System dazugehören 🙂

Übrigens, was habe ich mit der Kohle gemacht? Richtig, sie natürlich gleich in ein neues Spiel gesteckt, ich kleiner Schelm.

Unter dem Radar – Knights of Pen & Paper 2

Es gibt Momente, da tue ich mich sehr schwer mit meinem selbstgewählten Hobby. Ich klicke mich gelangweilt durch hübsche Kulissen und müde Augen verfolgen sattsam bekannte Tropes und Muster, bevor sie ganz von den Lidern verdeckt werden und das Großhirn sich anschickt in den Thetawellen-Bereich überzutreten. Je länger ich dieses Hobby betreibe, um so öfter treten solche Momente auf.

Was jetzt dramatischer klingt, als es in Wirklichkeit ist.

Solche Momente kommen zwangsläufig mit zunehmendem Alter. Ich kann nicht bewusst Dinge vergessen, nur um wieder voller Begeisterung einer Spielmechanik und/oder Story zu folgen, die ich ihn Wirklichkeit schon etliche hunderttausend Mal erlebt und erfahren habe.

Es ist „halt so“ und solange mir kein Men-In-Black’sches Blitzdingenskirchen zur Verfügung steht, gibt es auch nichts, was ich dagegen tun kann. Der Fluch der Erfahrung lässt sich nicht ungeschehen machen. Keine Gallonen selbstgebrannten Schnapses können auslöschen, was sich unlöschbar in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Also akzeptiere ich diesen Zustand.

Hilfreich bei der Akzeptanz des Unvermeidlichen (und vor allem bei der Vermeidung von allzu viel Zynismus) ist auch der Umstand, dass es weiterhin Momente gibt, in denen man plötzlich „Moment mal!“ sagen muss, weil man an einem Spiel hängenbleibt, welches man überhaupts goar net auf der Rechnung hatte. Wie ein Lichtstrahl in finsterer Nacht zerteilt so ein Titel die stets am Horizont dräuende Trübnis meines Spielealltages. Letztlich hat mich so ein Lichtstrahl erwischt, ohne dass ich ihm rechtzeitig genug ausweichen konnte. Damn! 🙂

Knights of Pen & Paper 2“ ist auf den ersten Blick eines dieser unzähligen Retro-Pixel-Spiele, die im Laufe der Jahre vor allem über Steam hereingebrochen sind. Sturgeons Law (90% von allem ist Mist) ist in vollem Effekt und mehr rat- als hilflos stapft man durch Myriaden von Titeln, die allesamt Alpha versprechen und oft genug doch nur Sigma halten können.

Den Vorgänger fand ich zwar von der Idee her ganz nett, doch die spielerische Umsetzung war eher, hmm, suboptimal. Mehr als ein paar Minuten hatte ich damit nicht verbracht und nur dem Umstand, dass ein Refund auf Steam seinerzeit ein ziemlicher Aufwand war und mir dieser Aufwand für ein Spiel, welches mich eh nur eine ganz kleine Handvoll Euro gekostet hatte, verdankte der Titel nicht die sofortige Löschung aus meinem Konto.

Von daher hat es auch eine Weile gedauert, bis ich mir den Nachfolger angeschaut …

… und prompt den nächsten Arbeitstag mit Augenringen, viel Kaffee und bleierner Müdigkeit durchlitten habe.

Die Prämisse bei Teil Zwei ist die gleiche. Man spielt eine Gruppe jugendlicher Pen & Paper-Nerds, die sich bei Cola und Chips im Keller trifft, um dem Rollenspielspaß zu frönen. Doch im Gegensatz zum ersten Teil ist die Sache hier rund und flott. Das ganze Spielkonzept wurde überholt, von hakeligen Unrundungen befreit, hier beschleunigt, dort ausgebaut und klarer herausgestellt. Nun flutscht Würfelrunde um Würfelrunde so geschmeidig über den Bildschirm, dass ich nicht aufhören konnte. Noch eine Runde, noch ein neuer Kampf, noch eine neue Örtlichkeit. Oh, mehr Loot. Oh, neue Zauber. Oh, neue Fähigkeiten für die Charaktere meiner Charaktere. Oh, neue Gimmicks, die ich mir in den Keller meiner Party-Simulation stellen kann.

Oh hier, Oh da.

Ohlala!

kopp2_01kopp2_02kopp2_03

Das macht … Spaß. So richtig Spaß. Mit einem Augenzwinkern wird das ganze Rollenspiel-Gemuffe und -gehabe veräppelt. Man lootet und levelt und wird von NPCs und dem Game Master verhöhnt, weil man schon wieder nicht der mühsam vorbereiteten Story folgt und doch nur größere Zahlen auf dem Charakterblatt sehen möchte.

Ein Komplexitätsmonster ist Knights of Pen &Paper 2 natürlich nicht, aber das macht auch seinen Reiz aus. Pro Char-Char gibt es vier aktive und zwei passive Fähigkeiten, auf die man Punkte verteilen darf. Manche klingen gut und bleiben gut. Andere entpuppen sich als Blender, die man im späteren Spielverlauf gegen Gold wieder in frei verteilbare Fähigkeitenpunkte auflösen kann. Sinnhaftes Experimentieren wird mit Erfolgserlebnissen belohnt und Goldmangel gibt es Dank ständigem Gegner-Respawn nicht. Charaktere können dabei nicht nur verschiedene Charakter-Klassen wählen (Krieger, Paladin, Priester und das übliche Gesocks), sondern die Charaktere selbst haben Grundeigenschaften, die manche Klassenkombinationen sinnvoller als andere erscheinen lassen. Die Brillenschlange, der Nerd eignet sich gut für Magie-basierte Charakter-Charaktere, während der Sportsfreund eine „dritte“ Hand bekommt, um sich entweder mit vielen Schilden quasi unangreifbar zu machen oder als Massenvernichtungswaffe drei Waffen gleichzeitig tragen kann.

Diese Simplizität macht Knights of Pen & Paper 2 auch ideal für RPG-Neulinge, weil man sich nur um wenig Dinge Gedanken machen muss und man nicht in Level-Sackgassen geraten kann. Mich erinnert das Spiel sehr stark an Final Fantasy Mystic Quest, welches sich explizit an Einsteiger richtete, aber auch genug „Charme“ für Genre-Veteranen bot. Nicht perfekt, nicht so wirklich ausgewogen und für einen Profi relativ leicht aushebelbar, aber wo steht geschrieben, dass man das Spiel so zocken muss, wie eigentlich geplant? So finden sich bei Steam, auf Reddit viele Diskussionsstränge, wo sich Numbercruncher und Alles-Analysierer darüber austauschen, wie weit man als einzelner Char-Char mit einem spezifischen Set an Fähigkeiten im Spiel eigentlich kommen kann. Der Casual klickt sich halt so zum (jetzt doch nicht sooooo einfachen Sieg), während der Profi sich Gedanken darüber macht, wie man das Spiel gamen kann, um entweder so schnell wie möglich ans Ende zu kommen oder wie schwer man es sich dabei machen kann.

Genau das zeichnet erstklassige Spiele aus. Sie bieten genug Beschäftigung für Einsteiger und genug Herausforderung für Leute, die zur Entspannung Dark Souls mit verbundenen Augen über ein Blas-Eingabegerät für Querschnittsgelähmte spielen.

Ich hänge irgendwo in der Mitte der jeweiligen Anspruchshaltungsextreme und bin betrübt, dass nach ca. sieben Stunden schon das Ende erreicht ist. Aber es gibt ja noch Story-DLC mit neuen Abenteuern und neuen Klassen und neuem Partykeller-Zeug für meine Char-Chars.

Knights of Pen & Paper 2

Feine Sache, das. Hat was.

The Man in the High Castle – Die Verfilmung des Verunverfilmbaren

Gute Bücher zeichnen sich dadurch aus, dass man sie nach dem ersten Durchlesen nochmal lesen möchte. Weil man das Gefühl hat, nicht alles verstanden zu haben. Weil man den Eindruck bekommen hat, dass zwischen den Zeilen noch mehr steht, als man zuerst wahrgenommen hat. Oder weil, obwohl man so rein gar nichts verstanden hat, die Gedanken sich weiterhin um das Buch und seinen Inhalt drehen und man ums Verrecken nicht davon loskommt.

“The Man in the High Castle” von Philip K. Dick ist so ein Buch. Zumindest für mich.

Zum ersten Mal gelesen habe ich es Anfang der 80er als kleiner Schüler. Verstanden habe ich nur, dass alternative, fiktive Geschichtsszenarien etwas total Geiles sind. Nicht verstanden habe ich den Großteil der Handlung. Was normal war. Philip K. Dick ist nicht gerade das, was man als bekömmliche Lektüre für einen Oberstufenschüler bezeichnen könnte.

Nach ein paar Jahren wiederholten Lesens (auch anderer Bücher von ihm) glaubte ich verstanden zu haben, dass es in Dicks Werk immer wieder um Wirklichkeit, unsere durch unsere Sinne und unseren Verstand gefilterte, subjektive Wahrnehmung von Wirklichkeit und dem geht, was unser Gehirn danach aus dieser Wahrnehmung macht: Eine subjektive Wirklichkeit, die nur für uns existiert und die kinderleicht von dem zu manipulieren ist, der den subjektiven Charakter menschlicher “Wirklichkeit” vollumfänglich verstanden hat.

Dennoch bleiben Fragen übrig. Weil ich nicht “wirklich” Ahnung vom chinesischen Orakel, dem I Ging habe, welches im Roman selbst und auch beim Schreiben des Romans eine große Rolle gespielt hat. Ich werde mich in den kommenden Jahren wohl intensiver damit auseinandersetzen müssen, um dem Buch seine letzten Geheimnisse entreißen zu können.

Warum ich das tun möchte? Nicht nur, weil “The Man in the High Castle” einer der besten Romane aller Zeiten ist, sondern weil ich nach all den Jahren weiterhin den Eindruck habe, dass es zwischen den Zeilen noch etwas für mich zu entdecken gibt.

Als bekannt wurde, dass Amazon “The Man in High Castle” als Zugpferd seines Videostreaming-Dienstes verfilmen wollte, war ich nicht nur skeptisch, sondern auch desinteressiert. Ein Buch über subjektive Realitäten, in dem das I Ging eine wichtige, wenn nicht sogar zentrale Rolle spielt, soll von weißgesichtigen Langnasen für ein mehrheitlich weißgesichtiges Langnasen-Publikum verfilmt werden? Hrmpf …

Die Premiere kam und ging, Amazon Prime kam und ging ebenfalls an mir vorbei und auch die Nachricht, dass eine zweite Season online gestellt wurde, hat mich nicht sonderlich motiviert. Selbst gute Kritiken, die anzudeuten schienen, dass die Serie zumindest kein kompletter Fehlgriff war, haben mich kaltgelassen. Keine vorurteilsbehaftete Ablehnung, mit der ich mir im Geiste meine eigene Realität bastele (Das KANN ja nix werden!), sondern lediglich Desinteresse. Bis ich vor ein paar Wochen ein Jucken im hinteren rechten Gehirnlappen verspürt habe. “Schau es Dir an!”, murmelten die wohlvertrauten Stimmen in meinem Kopf. “Los, schau es Dir doch einfach mal an!”.

Und weil ich immer tue, was mir die Stimmen in meinem Kopf befehlen, habe ich zuerst mein Amazon-Konto um den Prime-Service erweitert und als zweiten Schritt mir sofort einen Kalendertermin zur rechtzeitigen Kündigung gesetzt. Denn Prime Video überzeugt mich nicht. Um es höflich auszudrücken 🙂

Nach einer Bingewatching-Session der ersten Season kann ich auf die Schnelle zwei Dinge sagen:

  1. Das Buch bleibt weiterhin unverfilmbar.
  2. Auch wenn die TV-Serie, nicht sehr überraschend, die Themen “Subjektive Wirklichkeitswahrnehmung” und das “I Ging” nur sehr oberflächlich streifen (auch hier sehr höflich ausgedrückt), so ist sie dennoch des Anschauens wert.

TMITHC (Akronyme sind was Feines) kann trotz einiger Mängel durchaus alleine bestehen, was in erster Linie durch die Ausstattung, das Setdesign, die Liebe zum Detail und das politisch und gesellschaftlich vielfältig interpretierbare Geschehen getragen wird.

Wenig überzeugend sind leider eine ganze Reihe von Charakteren, die willkürlich durch die Handlung stolpern oder einfach nur blass und farblos bleiben. Die Mitglieder der amerikanischen Widerstandsbewegung kommen über simple Klischeezeichnungen samt greulichen, geschraubten Dialogen nicht hinaus, die Motivation der Hauptfiguren auf US-Seite bleibt arg sprunghaft und unterentwickelt. Zumindest ich kann keine Bindung zu diesen Figuren aufbauen, ihr persönliches Schicksal berührt mich nicht, auch wenn sie das tagtägliche Grauen einer Nazi-Herrschaft und die nur leicht weniger schlimme Herrschaft des japanischen Imperiums umgibt.

Sehr vielschichtig und differenziert sind hingegen die Vertreter der japanischen und deutschen Besatzer. Vor allem Rufus Sewell als US-stämmiger Offizier des deutschen Sicherheitsdienstes und Cary-Hiroyuki Tagawa als japanischer Handelsminister sind zwei Lichtblicke im eher trüben Mischmasch der Figuren und können nicht nur überzeugen, sondern auch begeistern.

Dass sich die Handlung zumindest der ersten Season eher auf das politische Geschehen dieses Szenarios konzentriert und der metaphysische Aspekt der Buchvorlage stark in den Hintergrund rückt, schadet nicht. Ganz im Gegenteil. Mir ist im Kontext dieser Serie ein solide und spannend inszenierter Polit-Thriller allemal lieber als ein wohlmeinender, aber letztendlich verkopfter und ungenießbarer Esoterikquark, der dem Buch nicht einmal ansatzweise gerecht werden kann.

Werde ich mir in der verbleibenden Testphase von Amazon Prime noch die zweite Season geben?

Nicht einfach zu beantworten. Wirklich nicht einfach zu beantworten.

Auf der einen Seite ist TMITHC trotz seiner Mängel richtig gutes Streaming-Futter. Man wünscht sich mehr Serien von dieser Produktionsqualität.

Auf der anderen Seite hat mich jede einzelne Folge immer depressiver gemacht. Nicht, weil manche Figuren nicht so gut “funktionieren” wie andere und auch nicht, weil man bei manchen Dialogen nur fremdschämend das Gesicht verziehen kann. Nein, das ist es nicht. So schlimm sind die Fehler von TMITHC nicht, als dass sie die Stärken der Serie überdecken könnten. Aber wenn es draußen dunkel, trübe und grau ist (je älter ich werde, desto mehr hasse ich den Winter) und bereits am Tage Fünf der Besetzung des Weißen Hauses durch einen narzisstischen Orang-Utan selbiger Orang-Utan alle Befürchtungen bestätigt, die man im Vorfeld haben konnte, weist TMITHC eine tagespolitische Aktualität auf, die nicht deprimierender sein könnte.

Es wird Zeit für Frühling und für die zweite Season von “The Expanse”. Damit meine subjektive Wahrnehmung der bezüglich meiner Person höchst indifferenten Wirklichkeit ein wenig sonniger erscheint.

Und ich darf vor lauter Trübsal nicht vergessen Prime rechtzeitig zu kündigen 🙂

Das Spielejahr 2016

Eigentlich … eigentlich war das bald ablaufende Jahr 2016 ein gutes Spielejahr aus meiner ganz subjektiven Perspektive. Ich steigere mich sogar zu der Behauptung, dass 2016 das mit Abstand beste Spielejahr ist/war, seit ich vor bald zehn Jahren dieses Blog begonnen habe.

Warum eigentlich? 2016 hat erneut, mal wieder, wenig überraschend jede Menge übles Zeugs in der Spielebranche stattgefunden. Die Majors treiben es immer wüster und haben mittlerweile kein Problem damit Vollpreisspiele nachträglich oder gleich zum Release mit Mikrotransaktionen und Ingame-Shops vollzustopfen, weil die Kundschaft offenbar damit kein Problem hat. Oder nicht genug, weil bevor man auf das neue Lieblingsspiel verzichtet, beisst man doch lieber die Zähne zusammen und lässt sich duldsam mit einem rostigen Nagelstock gesäßpenetrieren.Weil die Wundsalbe für danach, die kann man ja als Vorbesteller-Extra beim Erwerb des Season Pass bekommen, nicht?

Emotionale Abhängigkeit is a bitch und hat auch 2016 nichts von ihrer fatalen Wirkung verloren.

Warner Brothers haben 2016 EA und sogar Ubisoft den Rang als Shittiest Publisher abgelaufen. Zuerst lässt man willentlich auf die Kunden eine PC-Version von Arkham Knight los, für welche die Tags „unfertig“ und „miserabel portiert“ noch vie zu höflich wären. Dann, nach einem richtig fetten Shitstorm, zieht man das Teil endlich aus dem Verkauf, veröffentlicht es einige Monate später erneut … mit nur marginalen Verbesserungen. Die PC-Version ist wohl weiterhin auf technischer Ebene broken by design zu sein. Nichtsdestotrotz stürmt das Arkham Knight-Rerelease kurzeitig die Steam-Verkaufscharts, weil sogar die Herrenrasse an emotionaler Abhängigkeit, gallopierender Vergesslichkeit und einem ausgeprägten Blitzblendvorgaukelreinfall-Syndrom leidet. Von daher wundert es auch gar nicht, wenn Warner Brothers überhaupt keinen Bock hat die technisch höchst unzulängliche PC-Version von Mortal Combat X entsprechend zu fixen und lieber tonnenweise DLC dafür anbieten möchte. Weil … man kann es mit den Leuten ja machen, weil die Leute größtenteils dumme, lernresistente Hohlfritten sind, die man noch leichter am Nasenring durch die Gegend ziehen kann als ein kleines, verängstigtes Schaf.

Übrigens ein durchgängiges Leitmotiv für das bald abgelaufene Jahr … doch zurück in den Spielebereich, hehe.

Höchst faszinierend war eine Graphik, die Ende November von Mr. Steamspy aka Sergey Galyonkin veröffentlich wurde:

Holy crap, Batman! Dieses enorme Wachstum, die Flut an Sturgeon’schem Ausschuß nicht besorgniserregend zu finden, setzt entweder große Wissenslücken in grundlegenden volkswirtschaftlichen Prinzipien voraus (was nicht schlimm ist) oder bewusstes Ignorieren des Umstandes, DASS DAS DA, vor allem im Lichte der Weigerung seitens Valve endlich eine vernünftige Qualitätssicherung einzuführen, kein gutes Ende nehmen kann. Kein gutes Ende für Valve. Kein gutes Ende für gute (!) Indies, die über Steam den Großteil ihres Umsatzes bestreiten und angesichts dieser schier unfassbaren Masse immer weniger gefunden werden. Kein gutes Ende für Leute, die viel Geld in Mietsoftware gesteckt haben, ohne entsprechende DRM-freie Sicherungen anzulegen.

Im diesen Zusammenhang möchte ich eine der guten Sache erwähnen, die 2016 passiert sind:

  • GOG Connect:
    Mit dem Steam-Account verbinden lassen und PRESTO! verfügt man ganz offiziell und legal über DRM-freie Versionen ausgewählter Titel, die man bereits im Steam-Konto hatte.

Erwähnenswert finde ich im negativen Kontext noch die Releasepolitik von EA. Gut, nicht für mich und den Rest der Menschheit negativ, aber wäre ich ein Angestellter von Respawn, ich würde nach Neujahr anfangen mich nach einem neuen Job umzusehen. Weil, haha, Verschwörungstheorie, EA offenbar ganz bewusst Respawn ruinieren will, um dann aus der Insolvenzmasse die Rechte an Titanfall herauskaufen zu können. Sicher, man könnte auch sagen, dass bei EA Vollidioten arbeiten, die meinten, es sei eine schlaue Idee den Nachfolger des als MP-Shooter etablierten Titanfall direkt nach dem alle Schlagzeilen dominierenden MP-Shooter Battlefield 1 zu veröffentlichen. Der EBENFALLS bei EA erschienen ist. Aber ich will nicht annehmen müssen, dass bei EA die Führungsetage, die solche Grundsatzentscheidungen trifft, aus Vollidioten besteht. Der Vorstand solcher international agierender Konzerne mit jährlichen Umsätzen in Höhe einiger Milliarden Dollar besteht doch ganz bestimmt aus gewieften Geschäftsleuten, die jeden Tag mindestens drei diabolische Welteroberungspläne beschliessen, oder? Oder nicht? Nun, Ockham Rasiermesser lässt nur einen Schluss zu 🙂

Im Gegensatz zu früheren Jahren reibe ich mich an solchen negativen Geschichten aber nicht mehr auf. Ich habe gelernt mich entweder darüber königlich zu amüsieren oder es nach kurzem Kopfschütteln zu ignorieren, so es mich nicht betrifft. PAL, das Problem Anderer Leute, ist immer mehr zum Leitmotiv geworden. Was aber nur heisst, dass ich mich über ein gewisses Maß hinaus nicht mehr mit den Problemen anderer Leute belaste und sie zu meinen eigenen mache. Und nicht, dass ich gänzlich die Augen vor allem verschliesse, was nicht unmittelbar vor der eigenen Nasenspitze stattfindet.

2016 ist für mich ein tolles Spielejahr, weil folgende Dinge passiert sind:

  • „Battletech“ von Harebrained Schemes:
    Ein erfolgreicher Kickstarter plus zusätzlich nach aktuellem Stand über 300k durch die weiterhin offen stehenden LateBacker-Zahlmöglichkeit plus eine phantastisches Alpha-Gameplay-Video lassen mein Herz höher schlagen. Und zwar nicht, weil ich als Battletech-Fanboy blind alles bejubele, was auf zwei myomermuskelbepackten Laufbeinen über das Schlachtfeld stapft, sondern weil der Entwickler mehrfach (!) in den letzten Jahren bewiesen hat, dass er lizensierte Settings respektiert und nicht nur ankündigen, sondern auch liefern kann.
  • „Shadow Warrior 2“ von Flying Wild Hog:
    Ein Shooter, so gänzlich und durch und durch nach meinem Herzen. Ich herze SW2. Sehr! Deswegen muss ich auch gar nicht viel dazu sagen. Nur lieben!
  • „Grim Dawn“ von Crate Entertainment:
    Innerhalb kürzester Zeit hat sich „Grim Dawn“ an die Spitze meiner persönlichen „Schau, wie Du Dein Leben an Videospiele vergeudest“-Chart gesetzt und dominiert dort alles, was ich im Laufe von über 8 Jahren jemals über den Steam-Client an Playtime „erzeugt“ habe. Satte 269 Stunden. Was einen Grund hat. Der Grund lautet: Grim Dawn ist für mich das derzeit beste Hack & Slay, was wo geben tut. Da stimmt (fast) alles. Der Perfektion ganz gefährlich nahe. Großartig.
  • Das Hack & Slay Genre von allen:
    Hacken und Schlachten. Looten und Leveln. Aber dieses Jahr so richtig viel davon. Weil dieses Genre quicklebendig ist und zum Glück nie Gefahr lief ein glattgebügelter Mainstream-Zombie zu werden, nie das Schicksal des Egoshooters teilte. Grim Dawn als neuer Titel. Titan Quest bekam mit der Anniversary Edition eine erneuerte und verbesserte Neuauflage. Ich habe mich wieder dem gepflegten Irrsinn eines Sacred 2 hingegeben. Torchlight 2 wurde einer größeren Modding-Kur unterworfen. Selbst ein Diablo 3 RoS hat endlich Gnade vor meinen Augen gefunden. Hacken und Schlachten. Mehr, MEHR!
  • Brutal Doom von Sergeant_Mark_IV:
    Ja, mehr von allem. Mehr Pixelblut, mehr Pixelgedärme, mehr Finishing Moves und mehr von einer endgeilen neuen Kampagne mit 30 Maps. Als „Brutal Doom“ in der rundumerneuerten Version 2.0 gleich zu Beginn des Jahres erschien, habe ich mich wochenlang mit nichts anderem beschäftigt. Die neue Kampagne, die alten Maps von id Software, neue User-Maps. Alles wurde mit „Brutal Doom“ versehen. Dann wurden Mods für den Mod ausprobiert. Neue Waffen mit NOCH FETTEREN Sounds. Neue Marine-Voiceovers. Neuer Soundtrack. Und seit ein paar Wochen gibt es immer wieder ein paar Minuten mit „Brutal Doom 64„, wo man dem PC-Nachbau der N64-Version eine modifizierte BrutalDoom-Behandlung unterzieht. Mod des Jahres! Nein, stop …
  • Enderal von Sure.AI:
    DAS HIER, DAS HIER IST MOD DES JAHRES 2016!!!! Andernorts werden solche Projekte mit Millionenaufwand produziert und entsprechend massenmarkt-mäßig verkauft. Sure.AI verschenkt solche Projekte als kostenlosen Mod. So wie Enderal, wo man auf der Basis von Skyrim wieder ein vollkommen eigenständiges Spiel mit den üblichen Containerschiffen voller Leidenschaft, Detailwahn und Herzblut erstellt hat. Und damit nicht genug, wurde jetzt ein DLC (ich traue mich kam dieses schmutzige Wort für dieses Werk der Liebe zu verwenden) zum Mod angekündigt, der mehr Umfang bieten soll als so manches Vollpreis-RPG.
  • WoW Legion von Blizzard:
    wut? Was macht das hier?
    Was das hier macht? Das macht Sinn hier! „Legion“ ist der Grund, warum ich derzeit wieder WoW spiele. „Legion“ zeigt, dass Blizzard WoW nicht kampflos in den nächsten Jahren ausdümpeln lässt. Mit einem irrsinnigem Aufwand wurden hier Tonnen von neuen Inhalten geschaffen, es wurde aus den Fehlern des Vorgängers gelernt. Vor allem ich als PvE-Spieler bin schwer begeistert. Es gibt viele richtig, RICHTIG gute Questreihen und wenn man glaubt, dass man das Ende der Storyprogressions-Level-Fahnenstange erreicht hat, fängt es bei „Legion“ erst so richtig mit PvE an. Grind gibt es nicht mehr. WoW war eh schon sehr frei vom typischen Galeerensklaven-Gameplay asiatischer MMOs, Legion ist der Höhepunkt dieser Entwicklung. Denn gerade durch den Umstand, dass es nach Erreichen des Maxlevels das PvE-Spiel erst richtig anfängt, löst man sich gedanklich immer mehr vom typischen „Ich muss noch 240 NPCs killen oder 719 Brote backen, damit ich den nächsten Level erreiche“. Man beschäftigt sich immer weniger mit der üblichen MMO-Zahlenmühle, sondern konzentriert sich mehr auf die Geschichte, die Landschaft, das Spiel selbst. Laune. Viel!
  • Crowdfunding von allen Bäckern und Backern:
    Crowdfunding wurde auch dieses Jahr totgesagt, zu Grabe getragen und erfreut sich bester Gesundheit. Crowdfunding ist nicht mehr dieses obskure Ding, unter dem sich niemand etwas vorstellen kann, sondern ein etabliertes und valides Finanzierungsmodell. Hier geht nix mehr weg, hier bricht nix mehr zusammen. Crowdfunding bleibt. Und sorgt jedes Jahr für die Realisierung einer ganzen Reihe von Projekten, die sonst nie das Licht der Welt erblicken könnten. Große Projekte, kleine Projekte. Gescheiterte Projekte, erfolgreich abgeschlossene Projekte. Gauner und seriöse Entwickler, Chaoten und Vollprofis buhlen um unser Geld. Welches wir selbstverständlich, als die aufgeklärten und vernünftigen Backer, die wir sind, nach intensiven Due Dilligence-Prüfungen natürlich nur in Projekte stecken, die unser Geld verdient haben ;-P
  • Tyranny von Obsidian:
    Und zum Schluß das dritte crowdfinanzierte (doch nicht so wirklich crowdfinanzierte) Projekt, welches mein Spielejahr 2016 zu einem guten Spielejahr gemacht hat. „Tyranny“ ist meines Erachtens eines der wenigen Spiele, die mir als Spieler die Ambivalenz des Bösen, die manchmal so leichte Austauschbarkeit mit dem Guten erstklassig nähergebracht hat. Das ist nicht einfach nur ein simples Hochzählen von Werten auf einer Gut/Böse-Skala. Das ist nicht einfach nur ein simples Abklicken von klar als „gut“ oder „böse“ markierten Dialogoptionen, so dass ich als Spieler möglichst NICHT denken muss. Tyranny ist kein Bioware-Spiel. Tyranny ist deswegen auch kein Spiel für den Feierabend. Es gibt nicht DEN bösen Pfad, nicht DEN guten Pfad. Es gibt nur den Pfad der eigenen Entscheidung. Und die Folgen, die meinen Entscheidungen folgen. Die manchmal nutzbringend ausfallen können. Die manchmal lästig sein können. Die manchmal auch ziemlich übel ausfallen können. Es gibt nicht DEN idealen Pfad, es gibt nur meinen Pfad. Tyranny ist eines der wenigen Rollenspiele, wo es tatsächlich Rolle spielt, welche Rolle ich spiele. Mehr davon. Auch wenn ich nur selten die Muße dazu habe, aber mehr davon, bitte. DAS ist Weiterentwicklung und Innovation. DAS ist interaktives Geschichtenerleben und -gestalten, wie es sein sollte.

Wenn ich noch ein wenig nachdenke, gibt es mit Sicherheit noch den einen oder anderen Punkt, der mir dieses Jahr angenehm aufgefallen ist. Das war ein gutes Spielejahr! Ein richtig gutes Spielejahr.

Abnehmer gesucht – Update

Wenn man in einem Preisausschreiben mitmacht, in dem mehrere Preise ausgeschrieben sind, man aber nicht auf den Hauptpreis scharf ist, sondern auf etwas von den hinteren Rängen und das Universum sich dabei kaputtlacht, als es dem werten Preisausschreibengewinnerzieher die Hand führt und mir den Hauptgewinn zuspricht … was macht man dann?

Sich ärgern?

Quatsch! Man hat in einem Preisausschreiben den Hauptpreis gewonnen!!

Die Annahme verweigern?

Quatsch! Man hat in einem Preisausschreiben den Hauptpreis gewonnen!!

Den Preisausschreibenveranstalter darauf hinweisen, dass man, wenn möglich, eigentlich gerne den Preis aus den hinteren Rängen haben möchte und der Hauptpreis an jemanden gehen sollte, der damit eher was anfangen kann?

Klar, kann man machen. Nützt halt nur nix, wenn man erst dann über den Gewinn informiert wird, nachdem das Paket bereits auf Reisen gegangen ist 🙂

In das Gelächter des Universums einstimmen und die Ironie der Situation wertschätzen?

Immer gut und nur zu empfehlen!

Das Paket von der Post abholen, auspacken und feststellen, dass man WIRKLICH nichts davon gebrauchen oder haben möchte?

Been there, done that!

Seine Blogleser fragen, ob sich unter ihnen jemand befindet, der den Hauptpreis SEHR GERNE haben möchte?

Hmmm, ok!

Also … wie sieht es aus werte Leser? Wen darf ich mit folgenden Gegenständen beschenken? Wer will das hier GANZ AUSDRÜCKLICH haben?

  • Mafia III Limited Edition, inklusive dem Mafia III Plattenspieler
  • Mafia III für PS4
  • Mafia III Poker-Karten
  • Zippo-Feuerzeug
  • T-Shirt
  • Kappe
  • und noch anderer, Mafia III-bezogener Kleinkram

geschenke

Alles, was ihr dafür tun müsst ist mir bitte eine Mail mit Eurer Versandanschrift an folgende Adresse senden:

seniorgamer.key@gmail.com

Zur Ziehung berücksichtigt werden alle Einsender, deren Mail bis zum 24.12.2016, 23:59:59 auf diesem Konto eingegangen sind. Die Ziehung erfolgt voraussichtlich am 2. Weihnachtsfeiertag oder am frühesten Datum, an dem mir wieder Internet zur Verfügung steht. Möge ich ein glückliches Händchen haben.

Wenn ich es schaffe, versende ich das Paket in der Woche zwischen Weihnachten und Silvester, auf jeden Fall aber in der ersten Januarwoche.

PS: Scharf war ich übrigens das hier rausretouschierte  Civilization VI-Fanpaket … nun gut, dann beim nächsten Mal 🙂

PPS: Und wehe, ich finde das Paket später auf eBay. Ich weiß jetzt, wo Dein Haus wohnt! Ich finde Dich, reisse Dir den Arsch auf und lehre Dich Geschenke zu respektieren!

Update: Gewonnen! Er hat gewonnen und wurde bereits informiert. Herzlichen Glückwunsch! 🙂

Das Ende von Denuvo

Jahaa, schön reisserischer Titel! Clickbait!!

Nein, ehrlich. Denuvo, die Anbieter des gleichnamigen Kopierschutz/DRM-Systemes könnte tatsächlich am Ende sein.

Will man diesem Bericht von Arstechnica Glauben schenken, so wurde im letzten Update von Doom 4 Denuvo herausgepatcht. Doom 4 enthält jetzt nur noch das übliche Steam-DRM. Die Entwickler von „Inside“ haben Denuvo entfernt. Warum? Spontane Erkenntnisgewinnung in der Vorstands/Chefetage? Nein, wohl nicht.

Laut dem Bericht soll es angeblich eine Klausel im Vertrag zwischen Denuvo und Publisher/Entwickler geben, dass Denuvo den Kaufpreis zurückerstattet, sollte das System innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach Veröffentlichung geknackt werden. Nun, nach dem die Szene Denuvo grundsätzlich geknackt hat, fallen die Barrieren immer schneller. Man weiß jetzt, wo man nachzuschauen, auf was man zu achten, wo man herumschrauben muss. Die Klausel greift, Denuvo muss zahlen, das System wird nach der offiziellen Bestätigung seiner Nutzlosigkeit entfernt.

Und das bedeutet jetzt was? Keine neuen Spiele mehr mit Denuvo. Denuvo pleite? All hail crackers world wide? Keine Ahnung, kann ich nicht sagen. Vielleicht wird man bei Denuvo das System abändern, um wieder einen gewissen Vorsprung herausarbeiten zu können. Auf JEDEN FALL wird man wohl die Verträge ändern, so es solche Klauseln geben sollte.

Ich bin eher gespannt, ob Bethesda jetzt vermehrte Umsätze von Doom 4 verzeichnen wird. Ich bin gespannt, ob Denuvo künftig noch in den potentiellen Blockbuster-Veröffentlichungen der Majors auftauchen wird. Ich bin vor allem gespannt, welche Firma es dann wagen wird die Quadratur des Kreises zu meistern: Einen nur schwer knackbaren Kopierschutz für Consumer-Inhalte auf reiner Software-Basis zu schaffen. Was nach meiner Einschätzung aber grundsätzlich nicht möglich sein wird, da man hier zwei gegensätzliche Ziele vereinbaren muss.

Die Krux des PCs ist nämlich seine offene, mit abertausend Varianten versehene Hardware- und Softwareumgebung. Kein PC ist gleich, aber auf möglichst vielen PCs müssen die Inhalte abrufbar und im Falle von Spielen ausführbar sein. Ein in der Breite funktionierendes DRM-System kann daher zwangsläufig nicht so sicher sein, wie man das in einer Umgebung ähnlich Konsolen schaffen kann. Limitierte Vielfalt erhöht die Sicherheit. Wird sich dies auf dem PC je ändern? Nein. Der PC wird weiterhin ein unkontrollierbarer Dschungel bleiben, auch wenn Microsoft und andere Anbieter sich auf den Kopf stellen. Diese Katze kann nicht mehr in den Sack gesteckt werden, aus dem sie in den 80ern geflohen ist.

Aber könnten die Firmen nicht einfach einen Hardware-Dongle verwenden?

Klar, könnten sie. Das würde eine künstliche Einheitlichkeit schaffen, welche die Sicherheit eines DRM/Kopierschutz-Systemes massiv erhöhen würde. Unknackbar ist ein Hardware-Dongle natürlich nicht, wie man mittlerweile weiß, aber es würde erheblichen Mehraufwand bedeuten.

Und warum macht man es dann nicht?

Oh, ganz einfach. Erstens, Hardware-Dongles kosten zu viel und damit geschützte Consumer-Inhalte werden dadurch sehr unbequem zu konsumieren. Jedweder potentielle Vorteil, der sich durch solche strikten Systeme vielleicht ergeben könnte, wird durch handfeste und nachweisbare Nachteile negiert.

Zweitens, den Anbietern geht es ja nicht wirklich darum Inhalte zu schützen, sondern lediglich eine Schutzillusion für die Anleger und Geldgeber aufzubauen. Man möchte den Eindruck erwecken alles getan zu haben, um das Geschäftsmodell vor allen potentiellen Gefahren geschützt haben. Und Raubmordneonazikinderficker-Kopien gelten immer noch als potentielle Gefahrenquelle für das Geschäftsmodel der Rechteverwerter.

Denuvo wird gehen, ein anderer Anbieter wird kommen, die Anleger werden wieder verarscht, die Kunden ärgern sich, die Hacker cracken und in ein paar Jahren werde ich wieder einen ähnlichen Artikel schreiben.

Das Spiel beginnt von Vorne. Nichts ändert sich.

Zumindest nicht im AAA-Bereich, aber wer braucht die schon 🙂

PS: Nichts ändert sich auch bei Crytek, meinem Lieblingsentwickler. Gehälter werden nicht ausgezahlt, der Geschäftsführer ist angeblich seit Monaten nicht mehr im Büro anzutreffen, seine Brüder fuhrwerken willkürlich und planlos durch die Gegend. Ich glaube, das war’s dann jetzt endlich. Ich glaube nicht, dass da ein zweites Mal ein weißer Ritter vorbeischneit und den Yerlis den Arsch rettet, so wie das Amazon vor zwei Jahren mit der Lumberyard-Geschichte getan hat.