Mustererkennung – Sense8

Das filmische Werk der Wachowski-Geschwister ist ein stetes Auf und Ab. Auf das bahnbrechende und wegweisende “Matrix” folgten zwei nur noch hochnotpeinlich zu nennende Fortsetzungen. Auf das Ende der Matrix-Trilogie folgte mit “Speed Racer” die ultimative Anime/Manga-Realverfilmung. Grellbunt, so unrealistisch wie nur irgendwie möglich und geschnitten wie ein Blitzlichtgewitter, welches direkt an die Sehnerven gekoppelt wurde. Großartig!

Auf Speed Racer folgten mit “Cloud Atlas” und “Jupiter Ascending” zwei opulente, aber letztendlich deutlich gescheiterte Filme. Jupiter Ascending sogar mit bewusstem Anlauf, Kopf voran in eine Stahlbetonwand. 176 Millionen Dollar für die Umsetzung eines von Achtjährigen geschriebenen Drehbuches, welches Schauspieler wie Sean Bean oder den mehrfachen (!!!!) Award-Gewinner Eddie Redmayne nur noch stammelnd und krächzend durch die virtuellen Kulissen taumeln ließ. Auch hat es nicht geholfen, jedes Mal “Shut up, Meg!” zu denken, wenn Mila Kunis den Mund für grützedämliche Dialoge wie diesen aufmachen musste. Ohgottohgottohgottohgottohgott! Um Größenordnungen schlimmer als alles, was man in “The Matrix Revolutions” hat erdulden müssen.

Doch, folgt man dem Wachowski-Muster, müsste das nächste Werk eigentlich wieder etwas taugen …

Sense8”. Eine TV-Serie.

Acht Menschen, verteilt über den ganzen Erdball. Alle acht entdecken emotionale und gedankliche Verbindungen untereinander. Sie sind Sensates, Empfindungsfähige. Alle acht werden verfolgt, gejagt, mit dem Tod bedroht. Warum und wieso und weshalb und wohin das alles letztendlich führen kann oder soll, wird in den ersten 12 Folgen noch nicht beantwortet.

Sollen diese offenen Fragen beantwortet werden? Will man von Sense8 überhaupt noch eine zweite oder gar dritte Season sehen? Gut, diese Antwort kann sich natürlich jeder nur selbst geben. Ich komme hingegen zu dem Schluss, dass das Muster bestätigt wird.

Denn Sense8 ist für mich sehenswert, faszinierend, stimmt nachdenklich, regt zur Diskussion an. Sense8 ist, im Gegensatz zu z.B. Jupiter Ascending erstklassige SF, weil erstklassige SF keine fünfunddrölfzig Millionen Dollar für CGI-Effekte und Divisionen von Art Designern braucht, sondern nur gute und überzeugende Charaktere, eine gute und überzeugende Handlung und den Mut benötigt, eine Vision zu bieten. Das muss keine angenehme Vision sein. Aber eine überzeugende. Was wäre wenn? Wohin könnte die Reise gehen? Was können Menschen, was kann die Menschheit eines Tages sein? Man merkt der Serie gerade hier an, dass kein geringerer als J. Michael Straczynski, der Schöpfer von Babylon 5, mit am Drehbuch-Ruder ist.

Sense8 ist kein überladenes Spektakel, sondern wurde sehr bodenständig gefilmt. Keine grellen Effekte, überhaupt keine SF-typischen Effekte, oft genug nur kluge Wahl der Kamerawinkel, gute, alte Bühnenkunst und ein geschickter Schnitt, um die emotionale und gedankliche Verbindung zwischen den acht Sensates darzustellen.

Und wer beim Anschauen ständig einen “Lola rennt”-Vibe im Ohr hat, den wird es nicht wundern, wenn er hört, dass Tom Tykwer und Johnny Klimek für den Soundtrack zuständig waren. Tykwer hat auch in einigen Episoden die Regie geführt.

Die Handlung verläuft sehr gemächlich, weil sich für jede Figur und das gegenseitige Kennenlernen sehr viel Zeit genommen wird. Wer Fastfood für die Augen und die Seele braucht, sollte sich besser woanders umschauen. Sense8 braucht Geduld und Muße. Wer schnelle Antworten will, der braucht erst gar nicht anfangen. Ich musste selber eine mehrwöchige Pause einlegen, weil mein Kopf eigentlich ganz woanders war und mich dann fast zum Weiterschauen zwingen. Aber es hat sich letztendlich rentiert.

Sense8 ist alles andere als ein Heroes-Klon (auch wenn es durchaus naheliegend ist dies zuerst zu vermuten) und hat auch sonst nichts mit anderen Superhelden-Filmen und Superhelden-Serien zu tun. Sense8 bedient sich in erster Linie bei diversen Vorbildern aus der SF-Literatur, vor allem bei “More Than Human” von Theodore Sturgeon. Sense8 ist kein Comic, Sense8 ist Science Fiction im besten Sinne. Wobei ich nichts gegen Comics habe, Heroes Season One vergöttere und nun sehnsüchtig auf die zweite Staffel von Daredevil warte. Es ist aber so angenehm, dass Sense8 das alles NICHT ist und NICHT dem aktuellen Superhelden-Trend folgt.

Ich kann die Serie nur weiterempfehlen. Für Leute, die wissen, dass es bei den Wachowskis nur ein Alles oder Nichts gibt. Entweder, Oder. Katastrophe oder Vision. Nichts dazwischen, nichts zum Nebenhergucken.

Sense8. Auf Netflix oder jedem gut bestückten Torrent-Portal.

PS: Wer sich einen Dreck für philosophisch-evolutionär-humanitäre Themen interessiert, der kann immerhin hin und wieder einen Blick auf die Titties und schönen Schenkel von Freema Agyeman werfen, dem hormonell unterversorgten Nerd auch als einer der Reisebegleitungen des Doktors bekannt. Und keine Sorge, auch für die LiebhaberInnen männlicher Adoniskörper ist gesorgt.

Pixelig Rim

pacific_rim_netflix

Nein, das hier ist kein Screenshot einer schludrigen CAM-Version von del Toros “Pacific Rim”.

Obiger Screenshot wurde dem Neuzugang zum deutschen Streaming-Angebot von Netflix entnommen. Das ist nicht einmal DVD-Qualität, das liegt in etwa auf dem Niveau eines eher mittelmäßigen CAM-Rips, wo jemand Schnelligkeit des Releases über Qualität gestellt hat.

Gut, das ist zugegebenermaßen ein ziemlich derber Ausreißer. In der Regel haben Spielfilme, die nicht in HD vorliegen, eine gute bis sehr gute DVD-Qualität. Wie das technisch gelöst wird, ob Netflix einfach das streamt, was die Rechteverwerter zur Verfügung stellen oder ob man selber Ausgangsmaterial komprimiert, ich weiß es nicht. DAS hier, das ist einfach nicht akzeptabel, gleichgültig wer letztendlich dafür verantwortlich ist.

Es spielt übrigens keine Rolle, ob ich den Stream mit Chrome/HTML5 oder Firefox/Silverlight anschaue.

So genug gekotzt. Nachher schauen wir lieber “Sense8” weiter, welches sich als typisches Wachowski-Produkt entpuppt. Entweder man ist verzückt oder man verabscheut es zutiefst :)

Irreführung

Als vor zwei Jahren der Rechtsnachfolger von Atari Inc. Konkurs anmeldete, haben im Zuge des Insolvenzverfahrens diverse Markenrechte den Besitzer gewechselt. Unter anderem ist “Battlezone” bei Rebellion gelandet. Rebellion haben aktuell zur E3 ein Remake von Battlezone angekündigt. Mein Puls jagte kurz nach oben. Wenige Sekunden später sank er wieder auf Normalwerte. Weil Rebellion nämlich das hier macht …

Battlezone_Remake

… ein Remake des Atari-Klassikers aus dem Jahr 1980. Meh!

Mit dem hier …

BZ_1

… hat das alles nichts zu tun. Ob Rebellion nur die Rechte am Atari-Spiel bekommen hat, Battlezone 1 und Battlezone 2 weiterhin zu Activision gehören, weil man sich damals lediglich die Namensrechte von Atari ausgeliehen hatte … man weiß es nicht. Zumindest ich weiß es nicht.

Es mag den einen oder anderen aber vielleicht freuen zu hören, dass alle beide dieser grenzgenialen FPS/RTS-Hybriden wunderbar unter aktuellen Windows-Betriebssystemen laufen, von einer aktiven Community technisch aktuell gehalten werden (BZ1 hat vor sechs Jahren sogar einen offiziellen Patch von einem der Ex-Entwickler bekommen) und HIER und HIER zu bekommen sind. Inklusive aller offiziellen Addons und mit jeder Menge neuer Usermaps und Missionen.

Und es gibt sogar nette Mods (http://www.moddb.com/mods/qf2-essence-to-a-thief).

BZ_2

Isses nicht hübsch?

Downloaden, installieren, spielen und sich an einem der besten User Interfaces erfreuen, die ich jemals in einem Videospiel erleben durfte.

Und ja, die Spiele an sich taugen auch was.

Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Entgegen früherer Ankündigungen habe ich doch irgendwann während der letzten fünf Jahre nachgegeben und mich näher mit “Ein Lied von Eis und Feuer” und der TV-Serie “Game of Thrones” beschäftigt. Nein, ich habe bislang keines der Bücher gelesen, nur hin und wieder ins Wiki der Buchvorlage geschaut und mich ansonsten nur auf die Serie beschränkt. Ich bin daher kein reiner TV-Zuschauer und natürlich auch kein altgedienter Leser.

Ich hänge so zwischen allen Stühlen (wo ich mich letztendlich immer am Wohlsten fühle) und habe somit einen guten Blick auf die Leser und Kenner der Buchvorlage, wie auch die Leute, die dieses Universum nur in der Form der TV-Serie kennen. Vor allem nach dem Staffelfinale von gestern Abend ist mir aufgefallen, was für z.T. enorme Unterschiede zwischen diesen Gruppen bestehen.

Nicht nur, dass den Lesern alle Ereignisse schon seit knapp zwanzig Jahren bekannt sind (“A Game of Thrones” erschien 1996), den Lesern steht auch wesentlich mehr Information zur Verfügung, bzw. hatten sie zwanzig Jahre Zeit sich entsprechendes historisches Hintergrundwissen anzueignen. Da wundert es niemanden, wenn die Unbefleckten in den Straßen von Meereen bei Überfällen der Söhne der Harpyie schwer in die Bredouille geraten und altgediente Veteranen vieler Schlachten im dichten Gemenge in den Gassen Opfer eines Dolchstoßes werden. Shit happens und wüstes Handgemenge in engen Gassen hat nichts mit einer “ordentlichen” Feldschlacht in disziplinierter Formation gemein. Leser wissen auch besser, warum in Königsmund die Truppen des Königs den religiösen Mob notgedrungen walten lassen (müssen). Die Leser reagieren auch ziemlich entspannt, wenn in einem Cliffhanger-Ende eine allseits geschätzte Figur ein fast schon cäsarianisches Ende erlebt.

Leser wissen, dass George R.R. Martin gerne Bücher und Kapitel mit solchen Cliffhangern enden lässt. Arya Stark und Tyrion Lannister schienen bereits ein besiegeltes Ende zu haben. Sie sind weiterhin Teil der Handlung. Ist der “Hund” tot? Das wissen wir nicht. Brienne lässt ihn blutend und schwer verletzt zurück. Er ist zäh. Er könnte noch leben. Denn für jeden faszinierenden Charakter, den Martin über die Klinge springen ließ, bleibt ein anderer am Leben. Die Leser wissen das und sie kennen auch jede Menge an Hinweisen, die Martin nicht ohne Grund in den Büchern platziert hat, wenn es um ganz bestimmte Figuren geht, deren offensichtliches Ende aktuell beweint und beschrien wird.

Die Zuschauer, oder Teile der Zuschauer befinden sich seit gestern Abend in Schock. NEIN!!! WARUM NUR? WARUM???? WIESO???? Twitter explodiert vor Entrüstung und Entsetzen, Fans drohen mit dem endgültigen Liebesentzug. Andere befürchten billige Handlungswendungen und Schockeffekte, wie sie in Comics üblich sind, wo auch kaum ein Superheld jemals wirklich tot bleibt.

Es ist spaßig. Es ist wirklich spaßig. Vor allem, wenn man weiß, dass die Leser schon seit einer ganzen Weile wissen, dass die Dinge nicht so offensichtlich sind, wie sie gestern dargestellt wurden. Leser spekulieren seit einer Weile sehr fundiert darüber was höchstwahrscheinlich passieren könnte. Den TV-Zuschauern hingegen fehlen elementare Informationen über bestimmte Figuren. Sie sehen nur Blut. Viel Blut. Und wieder einen Toten, den man nicht auf der Rechnung hatte. ARGHLLL! WARUM?????

Ist das gemein von den TV-Produzenten? Ja! Nein? Nein. Es steht jedem Zuschauer frei sich die Bücher zu besorgen. Da steht verdammt viel drin. Um Größenordnungen mehr als in der TV-Serie jemals erwähnt und gezeigt wurde. Details, die aufmerksamen (!) Lesern verraten, das die Dinge nicht so offensichtlich sein könnten, wie sie erscheinen.

Sicher, man kann darauf antworten, dass man keine Spoiler haben möchte. Was ich respektiere.

Und dass die Aufregung und Hysterie Teil des Sehvergnügens ist. Was ich ebenfalls respektiere. Und mir dann erlaube solche Leute zu beglückwünschen, scheint deren Leben doch so frei von Sorgen und Nöten, dass man sich künstlich über das Wohlergehen von Charakteren einer Geschichte echauffieren muss, weil das eigene Leben sonst zu langweilig ist.

Wie auch immer … es ist unterhaltsam. Das Meta-Geschehen um die TV-Serie “Game of Thrones” mittlerweile mehr als die eigentliche Handlung :)

Excitement

Die Electronic Entertainment Expo war in den 90ern einer der Höhepunkte meines Hobbies. Eine Ankündigung nach der anderen versetzte mich in einen Rauschzustand, dessen Auslöser oft genug ein einsamer Screenshot und ein paar lauwarme Zeilen in einem Magazin waren. Denn damals war ich noch jung und dumm und habe neue Spiele aufgesaugt, wie ein Erstickender Luft in die Lungen zieht, wenn er wieder selbige bekommt. Nicht ganz unbeteiligt daran war der Umstand, dass in dieser Zeit so ziemlich alle Genres erfunden und ausdefiniert wurden, welche bis heute die Grundlage für nahezu das komplette Angebot aller Videospiele darstellt. Es war das Goldene Zeitalter der Videospiele. Und ich war jung und dumm und hatte nicht den Schimmer davon, mich in eben einem solchen zu befinden.

Als ich vor knapp zehn Jahren drauf und dran war mein Lieblingshobby an den Nagel zu hängen, war die E3 nur eine Versammlung dreister Lügner und Marktschreier, denen man keinen Millimeter über den Weg trauen durfte und ich ein zynischer, zu tiefst frustrierter Ex-Kunde dieser Lügner und Halsabschneider. E3? Pffft … Scheissendreck!

Zehn Jahre später und die E3 ist weiterhin eine Versammlung dreister Lügner und Halsabschneider, denen man keinen Millimeter über den Weg trauen darf. Dennoch habe ich mir eben erlaubt ein wenig erfreut zu sein und mit breitem Grinsen zu vernehmen, dass Devolver Digital und Flying Hog nächstes Jahr Shadow Warrior 2 veröffentlichen wollen.

Weil der Vorgänger nämlich allererste Sahne war, man offenbar keine firlefanzigen Scheissendrecks-Features einbaut, die in guten Shootern nichts zu suchen haben und Devolver bislang eine solide Geschäfts- und Veröffentlichungspolitik zu betreiben scheint, wo sich zwischen notwendigem Marketing und anschließendem Realitätsabgleich beim Release nur geringe Diskrepanzen feststellen lassen. Sprich, bei Devolver laufen natürlich auch die üblichen Lügner und Halsabschneider herum, aber noch enthält man sich der Dreistigkeit, die für “Only wis ze Power of ze Klaut”-EA, “Gefakte Screenshots? Wir? Niemals!!!”-Ubisoft und den Rest der ganzen Bagage mittlerweile Standardvorgehensweise ist.

Ja, ich bin erfreut, SEHR erfreut, dass es von Shadow Warrior einen zweiten Teil geben wird. So erfreut, wie ich das schon lange nicht mehr in Bezug auf ein neues Spiel war, schon gar nicht in Bezug zu einer E3-Meldung.

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Hrhrhrhr …

Jetzt nur noch kein Fuck Up mit irgendeiner unvorhergesehen DRM-Kacke (denn Devolver sind nicht per se “Die Guten”, sondern nur ein Publisher, der noch keinen Bockmist gebaut hat :) ) und ich weiß schon, was mir nächstes Jahr den vollen Preis eines frischen Retail-Releases wert sein könnte.

Ich bin ein schwacher Mann

Hiermit, oh Brüder, gestehe ich im Rahmen des aktuell noch stattfindenden GOG Summer Sales meine bislang eisern aufrecht gehaltene Standhaftigkeit übelst verraten zu haben.

Ich bitte nicht um Verzeihung, nicht um Gnade oder Mitleid! Niemand hat mich gezwungen, ich habe es aus freien Stücken getan.

Heute abend werde ich die Gruft hinabsteigen, für meine Sünden büßen und mich der Chaos-Kreatur Pileof Sh’am’E hingeben, deren aufgedunsener Leib aus den verrottenden Überresten jungfräulicher Spiele entstanden ist und seit Jahr und Tag an den Toren meines Verstandes rüttelt. Sucht nicht nach mir. Und öffnet nicht, wenn jemand meines Aussehens um Einlaß bittet. Seid wachsam! Haltet Bolter und Flamer bereit! Exterminatus!!

To admit defeat is to blaspheme against the Emperor!

Meine letzten Worte sollen sein …

YTA310B17A2637

HTA310B17A2637

… nhyaaaghlll!

*kecker* *heul* *lach* *winsel*

Zwischenbericht 1 – Arcanum

Weil man Spiele wie Arcanum nicht so schnell runterrotzt wie vorausgegangene Titel und ich bei Spielen wie Arcanum auch mehr Durchhaltefähigkeit an den Tag lege, wird es bis zum nächsten Titel noch etwas dauern. Aus diesem Grund werde ich gerade bei längeren Sessions, gerade bei Rollenspielen, immer wieder Wasserstandberichte abgeben, damit die Pause zwischen zwei Beiträgen nicht zu lange wird.

Die Fan-Patches:

Im entsprechen Sub-Forum auf GOG.com gibt ein Sticky namens Arcanum Essential Mods/Patches. Dort findet man auch Hinweise auf noch mehr Patches und Mods, falls man dem Spiel neue Seiten abgewinnen will. Ich entscheide mich es bei den Essential zu belassen. Der aktuellste Fan-Patch, überarbeitete Stadtkarten und der Highres-Widescreen-Patch.

Die Technik:

Arcanum: Of Steamworks And Magick Obscura stammt aus dem Jahr 2001 und bediente sich kräftig bei der damals unter Win 98 und XP üblichen DirectDraw-API. DirectDraw ist mittlerweile aus aktuellen DirectX-Paketen verschwunden, die Aufwärtskompatibilität mit Windows-Versionen Vista und aufwärts ist nicht immer gegeben. Ebenso widerspenstig zeigen sich manche älteren Direct3D-Aufrufe speziell für die 2D-Darstellung. Und wie konnte es nicht anders sein, so meinte Arcanum auf meinem Windows 8.1-System herumzicken zu müssen. Selbst in der kleinsten Auflösung ruckelte und zuckelte der Bildschirmaufbau nur so dahin. Höhere Auflösungen gerieten nach nur wenigen Minuten fast unspielbar.

Nach dem ausgiebigen Studium der Community-Seite von GOG.com zu Arcanum bin ich zwar auf jede Menge Tipps gestoßen, von denen aber nur wenige hilfreich waren. Der Hinweis die Exe mit “-window” zu starten führte nur zu Crash und nichtssagender Fehlermeldung. Mit dem Startparameter “-no3D” verbesserte sich die Lage nur geringfügig und der Tipp die “ddraw.dll” zu löschen oder umzubenennen machte alles nur noch schlimmer.

Halfen tat nur die doppelt ausgeführte Rückwärtsrolle mit gestrecktem Bein, der Einsatz von WineD3D. WineD3D ist eigentlich die Direct3D-Bibliothek für WINE, die Software, die das Ausführen von Windows-Programmen unter unix-oiden Betriebssystemen ermöglicht. Zu diesem Zweck werden, soweit ich das als Nicht-Codefrickler verstanden habe, die Direct3D-Calls in OpenGL übersetzt und dann dort ausgeführt. Diese Bibliotheken wurden aber auch für Windows kompiliert, so dass man windows-spezifische Direct3D-Calls ebenfalls in OpenGL übersetzen und dort ausführen lassen kann. Weil der Direct3D-Standard ja nur dann ein Standard ist, wenn es Microsoft grade in den Kram passt. Einfach alle DLLs ins Programmverzeichnis entpackt und Arcanum flutscht nun sogar mit 1080p so flüssig dahin, als würden wir wieder das Jahr 2001 schreiben und ich hätte justament mein Windows98 mal wieder nach einem 3DFX-Treiber-Crash neu gestartet. Jahaaa, toll war das damals …

Das Nicht-an-die-Hand-Nehmen:

Nach etwa einer Stunde Spielzeit wurde mir leicht skeptisch zumute. War da nicht noch irgendwas? Habe ich nicht irgendwo irgendwas übersehen? Müssten da nicht ganz arg viel mehr Quests in meinem Journal sein? Warum bin ich immer noch Stufe 2?

Dann klicke ich, anstatt brav auf den Ausgang eines Gebäudes, bzw. direkt vor die Tür eines Gebäudes, damit sich meine Party auch brav durch die Türen nach draußen bewegt, diesmal gedankenverloren seitlich versetzt in die Landschaft. Fest damit rechnend, dass die Wegfindungsroutinen meine Jungs und Mädels zur Tür hinaus und um die Gebäudeecke herum führen würden, bin ich fast vom Stuhl gefallen als meine Party mit Karacho den Fensterladen des Geschäftes aufstieß, mit einer geschmeidigen Animation über das Fensterbrett setzte und in direkter Linie zum Zielort lief. Mein Denken verlief die ganze Zeit auf Schienen. Spielfiguren betreten Gebäude nur durch Türen. Türen sind entweder offen oder verschlossen. Wenn sie verschlossen sind, muss ich wieder umdrehen. Nö, muss ich nicht. Ich kann einfach schauen, ob es irgendwo ein unverschlossenes Fenster gibt und auf diese Weise einsteigen. Oder, oder, oder.

Ich hatte total verlernt, wie man diese greulichen Oldschool-Spiele zockt, welche unglaublichen Freiheiten sie einem bieten.

Nein, man drückt mir nicht bei jeder Gelegenheit sofort eine Quest aufs Auge. Manche Leute muss ich erst etwas nerven. Oder netter als sonst sein. Oder provozieren. Oder zuerst eine Quest für Person A machen, was mir wiederum die Quest von Person B unzugänglich macht, was wiederum Person C erweicht, mir einen Job zu geben, weil er Person B für ein Arschloch hält und sich freut, dass ich es ihm gezeigt habe.

Ich fange an das Handbuch zu lesen, weil ich keine Lust mehr habe planlos Fertigkeitspunkte zu vergeben, weil Arcanum nicht über dieses neumodische Tooltip-Feature verfügt. Ich lerne Features kennen, die ich bis dato übersehen habe, wie z.B. ungemein praktische Autolevel-Skripte.

Ich lerne wieder mit der Welt als Teil der Welt zu denken und nicht zu erwarten, dass mir alles zu Füßen liegt, nur weil ich vor fünf Minuten das Spiel gestartet habe. Da, ein Haus in der Pampa. Hier soll ein böser Priester wohnen, dessen Tötung mir ein Geist aufgetragen hat. Es ist aber alles verschlossen. Warum ist es verschlossen? Weil Nacht ist und der gute Mann schläft und vorher seine Wohnungstür und Fensterläden abgeschlossen hat, wie es jeder aufrechte böse Priester tut, der mit der Wahrscheinlichkeit rechnen muss nachts im Schlaf überfallen zu werden. Gut, dann überfalle ich ihn eben tagsüber und schlage draußen mein Lager auf. Und Presto! Mit Tagesanbruch sind Türen und Fenster nicht mehr verschlossen. Tschakka, Angriff!

Und so geht es dann weiter. Ich entdecke überall Details und Aufgaben und Lösungen, wo ich vorher achtlos auf der Suche nach dem gelben Ausrufezeichen vorbeigelaufen bin. Meine Fresse. Ich habe viel zu viel WoW gespielt! Ich habe verlernt selber zu denken, ich habe verlernt meine Augen und meinen Verstand zu gebrauchen.

Schon jetzt hat sich Arcanum mehr als rentiert.

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