Ungefragte Videos

Es gibt nichts besseres, gut, es gibt nicht viel besseres, um sich auf den Urlaub vorzubereiten, als im quasi menschenleeren Büro die Boxen aufzudrehen und Mick Gordons Soundtrack zum Doom-Remake zu lauschen …

Und das ist nicht einfach nur ein zwei Stunden langes Video mit Standbild, sondern ein Audio-Visualizer für jede Sekunde herrlichen Ambient-Metal!

Ambient-Metal, der beinahe nicht passiert wäre, glaubt man diversen Informationen zur Entstehung des Soundtracks, die durch das Internet schwirren. Das Bethesda-Marketing soll von Gordon irgendeine öde 08/15-Mainstream-Mucke verlangt haben und nur nach langwierigen internen Auseinandersetzungen durfte er die Metal-Wurzeln des Originals fortführen. Das mit den langwierigen internen Auseinandersetzungen glaube ich gerne, denn wie man am halbgaren, nahezu ausgestorbenen Multiplayer, dem vollständig nur für MP gedachten DLC und dem verquasten, dummen Dreck sehen konnte, den die Entwickler, angefeuert durch einen Marketing-Mitarbeiter, in Interviews im Vorfeld des Releases von sich geben durften … während Doom 4, oder Doom-Remake oder Doom 2016 im Singleplayer so glänzt wie schon lange kein Titel von id Software … da gab es offenbar wirklich heftige Differenzen zwischen den Vorstellungen der Entwickler und den Vorstellungen des Marketings.

Dem Bethesda-Marketing schiebe ich auch alle Verantwortung zu, warum ich persönlich das Spiel immer noch nicht habe (obwohl die Demo letztlich schwer überzeugt hat) und warum das Spiel im Netz weiterhin auf viel grundsätzliche Ablehnung stößt.

Denn es war abstoßend, was da letztes Jahr im Frühjahr/Sommer abgefackelt wurde. Ekelhaft und abstoßend! Gäbe es nicht das Word of Mouth, welches begeistert von einem äusserst überzeugenden Singeplayer-Teil sprach, ich hätte mir die Demo nicht gegeben, ich hätte meine eigene prinzipielle Ablehnung dieses Titels nicht aufgegeben.

Aber wir haben nochmal Glück gehabt und bald verschwinde ich hier auch! Muss Planescape Torment EE spielen 🙂

planescape-torment-ee

Frohe Ostern, hrhrhrhr!

Ungefragte Ratschläge: GODS Remastered

Abgesehen davon, dass ich eh immer alles besser weiß … manchmal weiß ich es tatsächlich besser. Wie im Falle des folgenden Projektes, wo man versucht dem Bitmap-Brothers-Klassiker “GODS” aus dem Jahr 1991 eine Frischzellenkur zu verpassen.

Prinzipiell habe ich gar nichts gegen Remakes und Remasters und Whatnots. Weil sie helfen alte Klassiker weiter im Bewusstsein nachfolgender Generationen zu halten und weil wir alten Säcke eh keinen Bock auf all den neuartigen, komischen Kram haben, mit dem sich heute kleine Zwuggel die Zeit vertreiben, nicht wahr?

Jetzt hat sich also jemand GODS vorgenommen und dafür, laut Beschreibung auf der oben verlinkten Steam-Greenlight-Seite, sich sogar die Unterstützung von Mike Montgomery, einem der Gründer des ehem. britischen Videospiel-Entwicklers gesichert.

Kann also nix schiefgehen, oder?

Nun, erm, also …

Meine erste Reaktion nach Anblick dieses Screenshots …

GODS_remake_01

… vor allem, wenn man ihn mit der gleichen Szene aus dem Original vergleicht …

GODS_remake_02

… heilloses Entsetzen!

Es hatte schon seinen Grund, dass sich die Bitmap Brothers Bitmap Brothers genannt haben, waren sie doch damals Meister hochwertiger, aufwendiger Pixelkunst. Der Screenshot aus dem Remaster hingegen, Jesses Maria! Ob es daran liegt, dass hier jemand ohne viel Ahnung von der Materie Texturen erstellt hat oder ob man zeitlose Pixelkunst einfach nicht verbessern kann, ich weiß es nicht. Da hilft es auch nicht, wenn man im weiteren Textverlauf erfährt, dass die Remaster-Screenshots wohl aus der Mobile-Version des Remakes stammen und die PC-Version angeblich voll viel tollere Graphik bekommen soll.

Von daher, mein ungefragter Rat der Woche:

Wenn ich für einen PC-Port werben möchte, sollte ich das idealerweise mit finaler PC-Graphik oder wenigstens einem Mockup der angedachten PC-Graphik tun. Und nicht abscheuliche Bilder aus einer Smartphone-Version verwenden, wo der kleine Bildschirm so manche optische Grausamkeit gnädiger weise im allgemeinen Gewusel verschwinden lässt.

Da ist es dann auch nicht weiter tragisch, wenn man den Soundtrack vom Dutzendware-Anbieter “Sound of Games” aus Hammurch, Djörmänie neu zusammenstellen und abmischen lässt. Zumindest den legendären Titeltrack aus der Feder von John Foxx hat man nicht vollständig gemeuchelt:

Hier das AMIGA-Original:

Als ich heute morgen die Meldung las, dass es a) überhaupt einen Remaster von GODS gibt und b) dieser sich derzeit im Steam-Greenlight-Programm befindet, war meiner erster Reflex auf den Like-Button auf der Greenlight-Seite zu klicken. Doch nachdem ich mir das verlinkte Video und die Screenshots angeschaut habe, den Text dazu gelesen habe … ich weiß ja nicht so recht. Wirklich nicht.

Obwohl ich nix grundsätzlich etwas gegen Remakes und Remasters und Whatnots habe, so habe ich auf jeden Fall etwas gegen schlechte (!) Remakes, Remasters und Whatnots. Denn das hier, das riecht förmlich danach …

Smartphone-Graphiken, sie benutzen häßliche Smartphone-Graphiken um für die PC-Version dieses Projekts zu werben.

*facepalm*

Ich rechne daher nicht wirklich damit, dass der finale Look so sehr viel besser sein wird. Gut, immerhin soll man das Teil auch mit Originaloptik und Originalsounds spielen können.

Was ich mit einem Blick auf meine DOS-Bibliothek und dem Hinweis auf etliche Dutzend Abandonware-Seiten wohl wieder tun werde. Weil das auch heute noch ein richtig geiler Plattformer ist, der solche greulichen Quickbuck-Versuche nicht verdient hat.

Habe ich diesen Remaster nun für mich abgeschlossen? Nun, ich warte einfach ab, was Ende des Jahres erscheint. Vielleicht wird die PC-Version optisch besser geraten sein? Man kann mich nämlich gerne positiv überraschen, ich bin da gar nicht so. Ich rechne nur nicht ernsthaft damit 🙂

Zeitenwandel

Letztlich ist beim heimwärtlichen Commuten der Akku vom Reader ausgegangen, der beim Tolino 4 übrigens verdammt lange hält, weswegen ich auch das Laden vergessen hatte. Doch zurück zum Commuten.

Da saß ich also in der Strassenbahn und richtete meinen Blick nach langen Monaten wieder aus dem Fenster anstatt auf das Reader-Display. Und was erblickten meine müden Augen? Die örtliche Gamestop-Filiale, deren Existenz ich fast schon vergessen und verdrängt hatte. Da habe ich mir in meiner gedanklichen Langweile gedenkt: „Hey, Harzzi-Baby, weisst Du, wo Du schon seit Ewigkeiten nicht mehr warst?“, habe spontan an der nächsten Haltestelle den Wagen verlassen und bin die paar Schritte zurück zu Gamestop gelaufen.

Es war eine Zeitreise zurück in die 90er, als man SELBSTVERSTÄNDLICH Spieleverpackungen aus Karton oder Plastik aus dem Regal geholt und damit zur Kasse gelaufen ist. Weil … dohh, wie soll man denn sonst Spiele kaufen?

Wahnsinn! Spieleverpackungen, die in Regalen stehen.

Ich gestehe in der ersten Minute tatsächlich etwas verwirrt gewesen zu sein. Was denn auch das aufmerksame Verkaufspersonal bemerkt hat und mich umgehend ansprach.

Meine zweite Reaktion war ein Gedanke, den ich zum Glück nicht aussprach: „Mein Kind, was willst Du, die Du meine Tochter sein könntest, von mir? Willst DU mir etwa etwas über Spiele erzählen? Weisst Du nicht, wen Du vor Dir hast, hmmm?“

Als höflicher und eigentlich recht umgänglicher Mensch habe ich diesen Gedanken natürlich nicht ausgesprochen. Die Floskel „Danke, ich schau mich nur mal um!“ kam mir aber auch nicht über die Lippen.

„Ich war schon lange nicht mehr in einem physikalischen Spieleladen!“, habe ich dann gesagt. „Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal ein Spiel auf einem physischem Datenträger gekauft habe. Ich weiß daher auch nicht genau, was ich hier eigentlich möchte.“.

Die junge Dame, noch nicht gebeugt und geknechtet von der Last vieler Lebensjahre, hat deswegen sehr pfiffig reagieren können und meinte kurzentschlossen, dass sie mich einfach rumführt, vielleicht finde ich ja etwas, damit sich mein Besuch rentiert. Nun … warum nicht? Wann hatte ich das letzte Mal eine persönliche Führung durch einen Videospieleladen? Genau, noch nie 🙂

Von der kleinen Ecke, wo 3DS und DS-Module hingen, ging es über die XBOX-, die Playstation-Abschnitte zu einem größeren Berg von Switch-Verpackungen. Angeblich alles schon verkauft, ich müsse vorbestellen (natürlich muss ich vorbestellen, weil man mir nur so zusätzliche Dienstleistungen aufschwatzen kann).

Es folgte eine sehr kümmerliche Auswahl von PC-Spielen. Nichts, aber auch gar nichts aus dieser Ecke hätte ich haben wollen. So wie ich schon aus den vorherigen Abschnitten nichts haben wollte.

Doch dann, dann kamen wir beim Merchandising vorbei. Nicht, dass ich nicht wüsste, dass es solchen Krempel haufenweise gibt, aber diese ca. handspannengroße Figur aus „Bloodborne“, neben Kerrigan (?) und noch ein paar anderen Ultrabrutal-Metzelgeschnetzel-Figuren, die sah schon recht eindrucksvoll aus. Vielleicht im Wohnzimmer neben die Collectors Edition-Kartons? Nahhh, quatsch! Auch die niedlichen Anime-Damen, die es in diversen Posen und Kostümen zu bestaunen gab, würden nicht gerade auf Gegenliebe stoßen. Zudem würde mir, ab der ersten Sekunde nach dem Aufstellen solcher Figuren zu Hause, schon selber die Frage durch den Kopf schiessen, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Die nette Verkäuferin, meine Seelenpein wahrnehmend, goß noch Öl ins Feuer, in dem sie zuckersüß verlautbarte, dass man ja noch mehr Figuren bestellen und liefern könnte und manche Figuren schon sehr selten seien und man bei Interesse doch schnell zugreifen solle.

Ha! Teufelin!! Nicht mir mir, übler Dämon und Seelenverführer!

Standhaft bleibend bedankte ich mich bei ihr, wünschte ihr noch einen schönen Abend und verließ den Laden, mit Sicherheit verfolgt von einem entnervten Kopfschütteln und diversen mentalen Stinkefingern.

Ich weiß nicht wirklich, was ich glaubte dort anzutreffen. Spiele? Spiele gab es dort schon, aber halt nur der übliche Massenmarkt-Mainstream-Rotz, den man an Eltern und junge Leute verkauft, die zwischen Schule und Fußball-Training was Zocken wollen. Was ja in Ordnung ist, wenn man die eigene Baggage ruhigstellen muss und zwischen Schule und Fußball-Training nur sinnlos die Wand anstarren kann. NATÜRLICH gab es dort keine Spiele mehr für meinen absonderlichen, eingebildeten, pseudo-elitären Hipster-Geschmack. Ich bin in solchen Läden kein Kunde mehr, gleichgültig wie viele Kerrigan-Figurinen man ins Schaufenster stellen wird. Ich bin nicht mehr Spiele-Käufer, sondern Lizenz-Käufer. Ich erwerbe Nutzungslizenzen, keine Spiele mehr.

Von daher war das insofern ein faszinierendes Erlebnis, weil mir immer noch nicht klar ist … bin ich hier das Relikt oder ist es Gamestop?

Abgehakt – Update

Am Wochenende habe ich endlich Final Fantasy 13 beendet. Vor zwei Jahren gekauft, irgendwann angefressen liegengelassen. Jetzt wieder aufgegriffen.

Mit Hilfe eines Trainers.

Weil ich keinen Bock mehr hatte Crystallarium Points zu grinden, damit meine Party wenigstens den Hauch einer Chance gegen diverse Bosse hat, deren Schwierigkeitsgrad aka Unfairness sich noch derber von den Trashmobs des restlichen Spieles unterscheidet als sonst innerhalb dieser Serie.

Wenn die Bosse nicht total stupide einfach zu besiegen sind, während man mit der einen Hand telefoniert und mit der anderen Hand am Controller eine, manchmal noch eine zweite Taste drückt. Wie ich das unter anderem mit dem da unten getan habe … ohne vorher zu grinden. Das Gespräch war gut, der Kampf irgendwann zu Ende.

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Balancing ist nicht wirklich eine Stärke von FF13.

Gut, bis auf das Art Design und den Soundtrack hat FF13 keine anderen Stärken, verdammt viele Schwächen und jede Menge nicht zu Ende gedachter Gameplay-Features, die gedankenlos im ganzen Spiel verstreut sind.

Aber selbst mit dem Trainer hat das keinen Spaß gemacht. Weil die Storypräsentation unter aller Kanone ist. Weil mir die Charaktere am Arsch vorbeigehen. Weil ich nicht wirklich wissen wollte, warum und wieso das alles überhaupt.

Ja, FF13 IST das mit Abstand schlechteste Spiel dieser Serie.

Ein anderer Grund zur Trainer-Verwendung ist der Umstand, dass Walkthroughs für dieses Spiel größtenteils nutzlos sind. Weil es nicht wirklich hilfreich ist, wenn man EXAKT das tut, was in Walkthroughs steht, nur um doch ständig ins Gras zu beißen. Wenn in Foren sich teilweise widersprechende Strategien und Vorgehensweisen stehen, die aber nicht falsch sein müssen. Denn es ist letztendlich vollkommen WURSCHT, welchen Char man mit welcher Paradigm-Kombination und Ausrüstung antreten lässt. Das lächerliche Crafting braucht man auch nicht.

Um in FF13 zu gewinnen, braucht man nur Sturheit. Um stunden-, tage- und wochenlang stupide vor sich zu grinden, CPs zu sammeln, damit bei den Charakteren die Basis-Werte in die Höhe zu jagen. Mit etlichen hundert HP mehr lassen sich ehemalige One-Hit-Kill-Attacken der Bosse locker-lässig aussitzen, während man seine Standardattacken fährt und sich gelegentlich heilt. Hmmm, war das in der Serie eigentlich je anders?

Das ist keine Kunst, das erfordert kein Können, das erfordert nur stures Ausharren. Deswegen … Trainer!

Aber egal. Jetzt kann ich dieses Spiel endlich vom Pile of Shame nehmen und ins „Abgehakt“-Regal stellen. Nicht aus Spaß und mit Freude, sondern wegen Trotz und LeckMichDochAmArsch-Haltung.

Ok! *seufz*

One down, a LOT more to go 🙂

Update: So, nach ca. vier Stunden mit FFXIII-2 kann ich nur eines sagen … warum zur Hölle nicht gleich so? Das ist nicht mehr eine dezent interaktive Graphik-Demo, sondern ein vollwertiges FF-Spiel mit allem Drum und Dran, was man von einem FF-Spiel der Hauptserie erwartet. Schneller Einstieg, es geht ruckzuck zur Sache, man quatscht wieder haufenweise NPCs an, man erkundet, man erfüllt Nebenquests. Das macht aus dem Spiel zwar bei weitem kein The Witcher, aber es ist so unglaublich viel besser als der Vorgänger. Und Dank eines exzellenten Soundtracks macht sogar das unvermeidliche Grinden Spaß, weil man den begleitenden Ohrwurm im positiven Sinne nicht aus dem Gehörgang bekommt.

Classy

Normalerweise kann ich mit dem kulturellen Phänomen von Let’s Plays und schnappatmenden Jungspunden, die voller Energie und Leidenschaft und oft genug in direkt umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrem Wissen über Videospiele im Allgemeinen wie im Besonderen ihre Videos produzieren, nur wenig anfangen.

Sonderlich stören tut mich das aber auch nicht, weil … äh, wieso sollte es?

Von daher ignoriere ich der Einfachheit halber diesen Bereich unseres umfangreichen Hobbies. Bis auf die wenigen Ausnahmen, welche üblicherweise die Regel bestätigen. Keine Regel ohne Ausnahme und wenn eine Regel keine Ausnahme kennt, ist es logischerweise keine Regel 🙂

Eine dieser Ausnahmen ist Jim Fucking Sterling Son, Jim Sterling. Seines Zeichens lang gedienter Spiele-Journalist, Ex-Redaktionsleiter bei Destructoid, Freelancer für The Escapist und Kämpfer für eine bessere, schönere Spielewelt. Wider die Gier und Skrupellosigkeit der großen Majors, wider die Gier und schier unfassbare Inkompetenz kleingeistiger Küchentisch-Entwickler, für gute Spiele und faire Anbieter.

Jim Sterling befand sich seit über einem Jahr in juristischen Auseinandersetzungen mit einem Indie-Entwickler, der sein kümmerliches Brot damit verdient hatte billig zusammengeschluderte, abscheuliche Asset-Flips auf Steam einzustellen, deren Qualität in direkt umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Streitlust und Unfähigkeit mit Kritik umzugehen, einher ging. „Ging“, weil Valve alle Spiele dieses Entwicklers aus dem Katalog entfernt hatte, nachdem der Entwickler meinte über 100 Steam-User verklagen zu müssen, die sich erdreistet hatten selbigen Entwickler für seine abscheulichen, greuslichen Asset-Flips zu kritisieren.

Der Rechtsstreit Romine (so heisst der Entwickler) vs. Jim Stanton (das ist Herr Sterlings bürgerlicher Name) ist gestern aussergerichtlich beigelegt worden. Der Kläger nimmt alle Vorwürfe zurück und verpflichtet sich, diese Vorwürfe auch nicht mehr in einem anderen Kontext gegen den Angeklagten vorzubringen.

Das ist ein Grund zur Freude, weil es nicht angehen kann, dass schmierlappige, charakterlich unterentwickelte Entwickler meinen mit der juristischen Keule jedwede Kritik an ihren üblen Machwerken kleinhalten zu können.

Aber weil Jim Fucking Sterling Son das hat, was viele seiner Branchen-Kollegen nicht haben, nämlich Class & Style, zelebriert er in seiner Stellungnahme zum Ende der Rechtsstreitigkeit keinen Freudentanz inklusive Häme und Schadenfreude in Richtung des Klägers, sondern … ja, lest es selbst:

A Statement Regarding Romine v. Stanton’s Dismissal With Prejudice

Thank God for him!

Dieselstörmers oder Wie ich lernte Refund zu schätzen

Man kennt das vielleicht: Auch wenn sich entsprechendes Wissen auf rationaler Ebene längst festgesetzt hat, so braucht es manchmal eine Weile, bis dieses Wissen auch vom Rest der ÜBSEF-Konstante, des eigenen Wesenskernes verinnerlicht wurde.

Sei es das immer wieder lustige „Ja, meine Frau ist jetzt seit drei Monaten schwanger, in einem halben Jahr werde ich Vater.“ *kurze pause* *atem scharf einzieh* „Scheisse! In einem halben Jahr werde ich Vater!!!“ *aufjaul* oder diverse andere Veränderungen etablierter Lebensumstände, deren Folgen man erst nach einer Weile tatsächlich VERSTANDEN hat.

Weniger dramatisch und einschneidend (potentielle Nachwuchsglückwünsche also bitte wieder unauffällig entsorgen) erfolgte das letztlich beim Durchstöbern der Angebotsliste auf Steam. Es fanden sich ein paar nette Titel (über die es das eine oder andere später zu sagen gibt), die gemietet und gleich angespielt wurden.

Einer davon entpuppte sich als Rohrkrepierer. Was jetzt weniger am Spiel als vielmehr an mir, bzw. der Kombination aus Spiel und meinen Vorlieben bestand. „Dieselstörmers“ (den neuen Namen weigere ich mich aus Protest gegen besagten Hersteller von Textilien zu verwenden) würde ich nicht als schlechtes Spiel bezeichnen. Es ist nur nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Spiel und meine Wenigkeit entpuppen sich nach nur wenigen, immer mehr mit Frustration angefüllten Minuten (Wo gibt es hier Healthpacks? Was mache ich hier? Hallo? Warum sind da so viele Gegner? Hilfe! Warum ist das so bockelheftig?) als nicht miteinander kompatibel.Also so gar überhaupt nicht. Vollständig. Komplett aneinander vorbei, ohne auch nur den Hauch potentieller Berührungspunkte. Schneller und gründlicher das Beziehungsstadium „Hat sich nichts mehr zu sagen“ erreicht als bei einem eher unerquicklichen Blind Date.

Ein eklatanter Fehlkauf.

Früher™ hätte ich leise geflucht und mich maßlos geärgert. Weil halt Geld sinnlos rausgeballert und so. Mein Steam-Account enthält den einen oder anderen auf diese Weise entstandenen, verschämt ausgeblendeten Fehlgriff. Dass der Kunde aber seit letztem Jahr den Mietvertrag zwischen Steam und Kunde nach weniger als 2h Spielzeit anstandslos, bei voller Kostenrückerstattung aufheben kann, das ist mir bekannt. Das weiß ich. Da in meinem Kopf. Schwarz auf Weiß in plakatgroßen Lettern. ICH WEISS DAS!

Aber ich habe es noch immer nicht verinnerlicht, denn was tue ich nach 15 Minuten erfolglosen Versuchen mit Dieselstörmers anzubandeln? Leise fluchen und mich maßlos ärgern. Bis dann irgendwann die flache Hand gegen die Stirn klatscht. Neeee, musse ja gar nich fluchen und ärgern. Isse doch nix chlimm, weil kannse doch refunden!!!

Steam Support angeklickt, den letzten Mietvorgang angeklickt, auf Refund geklickt, auf Deinstallieren geklickt. Fall erledigt. Der Betrag wurde nach wenigen Stunden gutgeschrieben, alles war wieder grün. Supergrün. Manche Dinge brauchen eine Weile, bis man sie tatsächlich VERSTANDEN hat. Hätte nie gedacht, dass so eine lächerliche Sache wie ein neues Refund-System dazugehören 🙂

Übrigens, was habe ich mit der Kohle gemacht? Richtig, sie natürlich gleich in ein neues Spiel gesteckt, ich kleiner Schelm.

Unter dem Radar – Knights of Pen & Paper 2

Es gibt Momente, da tue ich mich sehr schwer mit meinem selbstgewählten Hobby. Ich klicke mich gelangweilt durch hübsche Kulissen und müde Augen verfolgen sattsam bekannte Tropes und Muster, bevor sie ganz von den Lidern verdeckt werden und das Großhirn sich anschickt in den Thetawellen-Bereich überzutreten. Je länger ich dieses Hobby betreibe, um so öfter treten solche Momente auf.

Was jetzt dramatischer klingt, als es in Wirklichkeit ist.

Solche Momente kommen zwangsläufig mit zunehmendem Alter. Ich kann nicht bewusst Dinge vergessen, nur um wieder voller Begeisterung einer Spielmechanik und/oder Story zu folgen, die ich ihn Wirklichkeit schon etliche hunderttausend Mal erlebt und erfahren habe.

Es ist „halt so“ und solange mir kein Men-In-Black’sches Blitzdingenskirchen zur Verfügung steht, gibt es auch nichts, was ich dagegen tun kann. Der Fluch der Erfahrung lässt sich nicht ungeschehen machen. Keine Gallonen selbstgebrannten Schnapses können auslöschen, was sich unlöschbar in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Also akzeptiere ich diesen Zustand.

Hilfreich bei der Akzeptanz des Unvermeidlichen (und vor allem bei der Vermeidung von allzu viel Zynismus) ist auch der Umstand, dass es weiterhin Momente gibt, in denen man plötzlich „Moment mal!“ sagen muss, weil man an einem Spiel hängenbleibt, welches man überhaupts goar net auf der Rechnung hatte. Wie ein Lichtstrahl in finsterer Nacht zerteilt so ein Titel die stets am Horizont dräuende Trübnis meines Spielealltages. Letztlich hat mich so ein Lichtstrahl erwischt, ohne dass ich ihm rechtzeitig genug ausweichen konnte. Damn! 🙂

Knights of Pen & Paper 2“ ist auf den ersten Blick eines dieser unzähligen Retro-Pixel-Spiele, die im Laufe der Jahre vor allem über Steam hereingebrochen sind. Sturgeons Law (90% von allem ist Mist) ist in vollem Effekt und mehr rat- als hilflos stapft man durch Myriaden von Titeln, die allesamt Alpha versprechen und oft genug doch nur Sigma halten können.

Den Vorgänger fand ich zwar von der Idee her ganz nett, doch die spielerische Umsetzung war eher, hmm, suboptimal. Mehr als ein paar Minuten hatte ich damit nicht verbracht und nur dem Umstand, dass ein Refund auf Steam seinerzeit ein ziemlicher Aufwand war und mir dieser Aufwand für ein Spiel, welches mich eh nur eine ganz kleine Handvoll Euro gekostet hatte, verdankte der Titel nicht die sofortige Löschung aus meinem Konto.

Von daher hat es auch eine Weile gedauert, bis ich mir den Nachfolger angeschaut …

… und prompt den nächsten Arbeitstag mit Augenringen, viel Kaffee und bleierner Müdigkeit durchlitten habe.

Die Prämisse bei Teil Zwei ist die gleiche. Man spielt eine Gruppe jugendlicher Pen & Paper-Nerds, die sich bei Cola und Chips im Keller trifft, um dem Rollenspielspaß zu frönen. Doch im Gegensatz zum ersten Teil ist die Sache hier rund und flott. Das ganze Spielkonzept wurde überholt, von hakeligen Unrundungen befreit, hier beschleunigt, dort ausgebaut und klarer herausgestellt. Nun flutscht Würfelrunde um Würfelrunde so geschmeidig über den Bildschirm, dass ich nicht aufhören konnte. Noch eine Runde, noch ein neuer Kampf, noch eine neue Örtlichkeit. Oh, mehr Loot. Oh, neue Zauber. Oh, neue Fähigkeiten für die Charaktere meiner Charaktere. Oh, neue Gimmicks, die ich mir in den Keller meiner Party-Simulation stellen kann.

Oh hier, Oh da.

Ohlala!

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Das macht … Spaß. So richtig Spaß. Mit einem Augenzwinkern wird das ganze Rollenspiel-Gemuffe und -gehabe veräppelt. Man lootet und levelt und wird von NPCs und dem Game Master verhöhnt, weil man schon wieder nicht der mühsam vorbereiteten Story folgt und doch nur größere Zahlen auf dem Charakterblatt sehen möchte.

Ein Komplexitätsmonster ist Knights of Pen &Paper 2 natürlich nicht, aber das macht auch seinen Reiz aus. Pro Char-Char gibt es vier aktive und zwei passive Fähigkeiten, auf die man Punkte verteilen darf. Manche klingen gut und bleiben gut. Andere entpuppen sich als Blender, die man im späteren Spielverlauf gegen Gold wieder in frei verteilbare Fähigkeitenpunkte auflösen kann. Sinnhaftes Experimentieren wird mit Erfolgserlebnissen belohnt und Goldmangel gibt es Dank ständigem Gegner-Respawn nicht. Charaktere können dabei nicht nur verschiedene Charakter-Klassen wählen (Krieger, Paladin, Priester und das übliche Gesocks), sondern die Charaktere selbst haben Grundeigenschaften, die manche Klassenkombinationen sinnvoller als andere erscheinen lassen. Die Brillenschlange, der Nerd eignet sich gut für Magie-basierte Charakter-Charaktere, während der Sportsfreund eine „dritte“ Hand bekommt, um sich entweder mit vielen Schilden quasi unangreifbar zu machen oder als Massenvernichtungswaffe drei Waffen gleichzeitig tragen kann.

Diese Simplizität macht Knights of Pen & Paper 2 auch ideal für RPG-Neulinge, weil man sich nur um wenig Dinge Gedanken machen muss und man nicht in Level-Sackgassen geraten kann. Mich erinnert das Spiel sehr stark an Final Fantasy Mystic Quest, welches sich explizit an Einsteiger richtete, aber auch genug „Charme“ für Genre-Veteranen bot. Nicht perfekt, nicht so wirklich ausgewogen und für einen Profi relativ leicht aushebelbar, aber wo steht geschrieben, dass man das Spiel so zocken muss, wie eigentlich geplant? So finden sich bei Steam, auf Reddit viele Diskussionsstränge, wo sich Numbercruncher und Alles-Analysierer darüber austauschen, wie weit man als einzelner Char-Char mit einem spezifischen Set an Fähigkeiten im Spiel eigentlich kommen kann. Der Casual klickt sich halt so zum (jetzt doch nicht sooooo einfachen Sieg), während der Profi sich Gedanken darüber macht, wie man das Spiel gamen kann, um entweder so schnell wie möglich ans Ende zu kommen oder wie schwer man es sich dabei machen kann.

Genau das zeichnet erstklassige Spiele aus. Sie bieten genug Beschäftigung für Einsteiger und genug Herausforderung für Leute, die zur Entspannung Dark Souls mit verbundenen Augen über ein Blas-Eingabegerät für Querschnittsgelähmte spielen.

Ich hänge irgendwo in der Mitte der jeweiligen Anspruchshaltungsextreme und bin betrübt, dass nach ca. sieben Stunden schon das Ende erreicht ist. Aber es gibt ja noch Story-DLC mit neuen Abenteuern und neuen Klassen und neuem Partykeller-Zeug für meine Char-Chars.

Knights of Pen & Paper 2

Feine Sache, das. Hat was.