Im Schneesturm gefangen

Nein, das stimmt nicht so ganz. Ich bin kein hilfloses Opfer, welches durch einen plötzlich heraufziehenden Schneesturm an einer Flanke des steilen Berges festgenagelt wird. Ich habe ganz bewusst das Basislager verlassen, obwohl man mich oft genug gewarnt hatte, dass schlechtes Wetter aufzieht und es da oben nicht gut aussieht. War mir egal. Ich habe den Schneesturm gesucht. Und stehe jetzt mittendrin.

Warum tue ich das? Weil es unter anderem an der Zeit ist.

Es ist wieder Zeit für einige Monate World of Warcraft. Und weil Legion für PvE-Spieler, Questler und Lore-Liebhaber ein Traum ist!

Es ist nach dem letztjährigen Release von Legacy of the Void höchst (!) an der Zeit sich endlich (!) eingehend mit Starcraft 2 zu beschäftigen.

Und nach über 200h Grim Dawn und knapp 70h Titan Quest Anniversary Edition, dazwischen eingestreut ein wenig Torchlight 2 mit Mods und Van Helsing ist es an der Zeit sich eingehend mit Diablo 3 zu beschäftigen, welches mit dem originalen Release vor vier Jahren ja nicht mehr viel zu tun hat.

Es ist Schneesturm-Zeit, es ist Blizzard-Zeit!

Jetzt sitze ich also da, habe fünfunddrölfzig Milliarden Spiele auffer Halde und beschäftige mich derzeit nur mit Blizzard-Titeln. Dafür gibt es einen Grund. Einen ganz konkreten Grund. Nein, eigentlich deren zwei.

  1. Grund: Produktions- und Releasequalität

Auch wenn es durchaus opportun erscheinen mag auf Blizzard und die aktuellen Spiele dieser Firma einzudreschen und so mancher Schlag mehr als nur berechtigt ist … ja, Blizzard ist schon lange nicht mehr die Firma, die unangefochten über allem thront, was so im Videospielreich kreucht und fleucht … so ist die grundsätzliche Qualität, alleine nur die Produktions- und Releasequalität von Blizzard-Spielen weiterhin so hoch, dass ich mich fremdschämend für andere AAA-Majors in der Ecke verkrieche. Ich muss das leider stellvertretend übernehmen, weil sich in den dortigen Vorstandsetagen ja niemand für diese Firmenpolitik schämt.

Ob man sich bei Blizzard noch nicht traut den Kunden vollkommen schmerzfrei mit Shovelware abzuziehen oder ob man dort die Freiheit genießt nicht dazu gezwungen werden zu können, ich weiß es nicht. Spielt auch keine Rolle, weil das Ergebnis Spiele sind, die poliert und geleckt und technisch um Größenordnungen sauberer sind als alles, was der Rest der Major-Mischpoke regelmäßig auf den Markt wirft.

2. Grund: Blitzeblank optimiertes und perfekt gebügeltes Gameplay

Ja, man kann Blizzard zu Recht herbste Vercasualisierung vorwerfen. Vergleicht man WoW jetzt und dreizehn Jahre früher, so kann man als WoW-Veteran durchaus den Eindruck gewinnen vor einer selbstablaufenden Demo zu sitzen, so herausforderungslos stolpert man über Azeroth. Andererseits, ich bin nicht mehr der gleiche Mensch wie vor dreizehn Jahren. Vor dreizehn Jahren hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken zwei Wochen für Raid-Vorbereitung und dann ein ganzes Wochenende für die Schwarzfelstiefen geopfert. Als ich mit „Burning Crusade“ eingestiegen bin, habe ich ohne mit der Wimper zu zucken Ähnliches unternommen. Das heutige Ich würde dem damaligen Ich wohl nur den Stinkefinger zeigen! Das damalige Ich würde nur sagen, dass das heutige Ich selber Schuld sei🙂

Das heutige WoW passt perfekt zu meinem Leben, weil es sich meinem Leben anpasst und nicht umgekehrt ich mich den Zeiterfordernissen des Spieles anpassen muss. Deswegen spiele ich immer  wieder World of Warcraft. Weil es passt.

Auch Diablo 3 hat eine Reise hinter sich. Abgesehen vom aufgelösten Auktionshaus und den damit verbundenen Auflösungen bestimmter Gameplay-Mechaniken, so hat sich das Spiel auch sonst massiv verändert. Es ist spürbar schneller und dynamischer geworden, man wird mit Loot nur so zugeschissen und mitunter muss man sogar ein wenig überlegen, welche passiven Skills besser zu den aktuell gewählten aktiven Skills passen könnten. „Hard“ ist immer noch viel zu einfach, die Story ist nicht besser geworden, die Charaktere interessieren weiterhin nicht und großartige Unterschiede in der Spielweise zwischen den Klassen muss man weiterhin mit der Lupe suchen. Die ebenfalls weiterhin minimalistische Talentauswahl hilft da nicht unbedingt. Aber die Dinge, die an Diablo 3 weiterhin nicht gut sind, sind nicht mehr so störend wie früher, weil das grundlegende Hack & Slash-Spiel mittlerweile so sauber und flüssig über den Bildschirm rollt, dass man über die Mängel von Diablo 3 sehr viel besser hinwegsehen kann.

Und man muss ganz wertneutral feststellen, dass sich andere Firmen diese Mühe nicht gegeben hätten. Da hätte man Diablo 3 als großen kommerziellen Erfolg mitgenommen und sich keine Gedanken darüber gemacht, dass das Spiel keine zwei Jahre nach Release vollkommen verwaist gewesen wäre, die dringend nötige Mitspielerdichte für Handel und Itemtausch nicht mehr gegeben wäre, DAS zentrale Feature des damaligen Diablo 3 nicht mehr funktioniert hätte. Weil es dann Diablo 4 gegeben hätte und kein müder Cent mehr für den Vorgänger investiert worden wäre.

Zu Starcraft 2 kann ich noch nicht viel sagen, ausser dass Wings of Liberty, der erste Teil, das wohl längste Tutorial aller Zeiten hat und dabei fast Final Fantasy 13 schlägt. Ich frage mich nach der gefühlten Hälfte der WoL-Kampagne, wann ich endlich alle Einheiten-Missionen abgeschlossen habe und ich auf die vollständige Schlagkraft der terranischen Militärtechnik zugreifen kann. Aber im Gegensatz zu FF13’s drögen, abwechslungslosen Rumgemähre, bis das eigentliche Spiel erst beginnt, macht WoL vom ersten Moment an Spaß. Keine große Herausforderung, aber es läuft einfach gut rein. Kurz mal ne Mission, ne neue Einheit und dann ist auch schon wieder Zeit ins Bett zu gehen. SC2, ein Spiel für Leute mit einem ausgefüllten Tag.

Ich stehe gerne im Schneesturm. Nicht aus blindem Fanatismus, weil ich alles toll finde, was Blizzard so treibt (die drei anderen Titel im Battle.net-Launcher rühre ich nicht einmal mit der Kneifzange an), sondern weil es derzeit passt. Die Spiele sind gute Unterhaltung und ich muss nicht kostbare Stunden an Fehlersuche und andere Ärgernisse mit Technik oder Gameplay vergeuden.

Es passt einfach.

 

Star Citizen – Die TV-Serie

Verzeiht bitte den clickbaitigen Titel, aber es geht hier leider nicht darum, dass Chris Roberts vor lauter “Ich weiß nicht wohin mit all dem Backer-Geld!” nun eine TV-Serie im Star Citizen-Universum produziert und selbst dreht. Eigentlich geht es um eine ganz andere TV-Serie, die mich aber vor allem durch ihr Produktionsdesign und einige Story-Elemente massiv an Freelancer, Starlancer, Privateer und vor allem optisch an Star Citizen erinnert.

The Expanse

Basierend auf einer Romanserie von James Corey wurde mit großem Aufwand und unter Beteiligung erfahrener Produzenten wie z.B. Naren Shankar (CSI, Star Trek Voyager & DS9) eine Hard-SF-Serie auf die Beine gestellt, die zu Anfang des Jahres fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf SyFy ausgestrahlt wurde, nun in Deutschland via Netflix zu sehen ist und zu Beginn des nächstes Jahr mit Season 2 fortgesetzt wird. Was gut ist. Denn ich würde es hassen, wenn hochwertig und anspruchsvolle produzierte SF mal wieder gecancelt wird, weil angesichts des hohen Budgets nicht genug Zuschauer gefunden werden können.

Doch zurück zu Chris Roberts.

Nein, hier hat niemand von niemandem “geklaut”. Wir alle stehen nur auf Schultern von Riesen und was uns heute an Plot-Elementen und Art Design-Entwürfen zur Verfügung steht, ist ja nicht einfach so aus dem heiteren Himmel erschienen. Auch hat niemand hier etwas “zuerst” gebracht. Ich möchte nur darlegen, warum ich bei The Expanse ständig an Star Citizen denken musste.

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Beginnen wir mit dem Setting:

  • Die Menschen haben sich über viele Generationen hinweg im Sonnensystem ausgebreitet.
  • Fortgeschrittene Triebwerkstechnik reduziert die System-Reisezeit auf Tage und Wochen.
  • Der irdische Mond und der Mars sind kolonisiert worden. Mars wird mit enormem Aufwand terraformiert.
  • Die Marsbevölkerung hat einen eigenen Staat gebildet, der mit der Erd-UN einen kalten Krieg um die Vormachtsstellung und vor allem die Rohstoffe im Asteroidengürtel austrägt. Zwar sind die Erd-Streitkräfte zahlenmäßig überlegen, was das Mars-Militär durch technischen Vorsprung und die fokussierte, auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtete, kontrollierte Mentalität der Mars-Gesellschaft wieder ausgleicht.
  • Der Asteroidengürtel ist seit etlichen Generationen Heimat der sog. “Belter”, die dort für Erd- und Mars-Konzerne unter beklagenswerten Bedingungen Rohstoffe abbauen. Auf der Erde und vor allem auf dem Mars gibt es zwar keine gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Diskriminierungen mehr, auf der Erde herrscht ein kleines Paradies aus Grundversorgung und Laissez-Fair, doch sowohl der Luxus der Erde als auch die Umwandlung des Mars in eine grüne Welt basieren auf steter Ausbeutung des Asteroidengürtel und der Belter.
  • Die Belter haben eine eigene Sprache, auf Grund der fehlenden Schwerkraft sind Belter hochgeschossene, schlaksige Gestalten, die sich schon deswegen deutlich von Earthern und Mickeys unterscheiden.
  • Um der Ausbeutung und den massiv schlechteren Lebensbedingungen (Lebenserwartung auf der Erde mehr als 120, im Belt um die 60) entgegenzutreten, haben sich Belter in einer Organisation, die OPA, zusammengeschlossen. Für die Belter sind es Freiheitskämpfer. Für Erde und Mars logischerweise Terroristenabschaum, mit dem man notfalls zusammenarbeitet, um dem Gegner im übergeordneten Kalten Krieg eines auswischen zu können.
  • In dieses gefährliche Spiel wird nun der berüchtigte letzte Tropfen gebracht, der das Fass (wahrscheinlich) zum Überlaufen bringen wird. Es wird auf den äusseren Planeten etwas entdeckt, was demjenigen, der es besitzt und kontrolliert, die endgültige Dominanz über das Sonnensystem verspricht.

Hier steckt jede Menge Starlancer/Freelancer und Privateer drin. Eine fragile politische Situation wird durch einen McGuffin destabilisiert, was jede Menge an Aktionen auslöst. Aus dem Kalten Krieg droht ein heißer zu werden.

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Fahren wir fort mit dem Produktionsdesign:

  • Ich kann ein Schiff aus Star Citizen nehmen, es in eine CGI-Sequenz von The Expanse einbauen und niemand würde sagen, dass das da nicht reingehört. Was wohl nicht daran liegt, dass sich die Designer von „The Expanse“ bei den Designern von Cloud Imperium Games bedient haben, sondern dass beide der gleichen Logik folgen: Wenn es solche Schiffe geben würde, müssten sie logischerweise so oder so aussehen, damit sie von Menschen zu diesem oder jenem Zweck eingesetzt werden können.
  • Schiffe sehen nicht einfach nur cool aus, sondern cool und “realistisch”.
  • Auch wenn das Schiffsinnere bei „The Expanse“ nicht mit den grandiosen Sets eines Star Trek mithalten kann, so teilt die Serie auch hier das nüchterne, zweckmäßige Industrial Design von Star Citizen, gepaart mit einer Aufmerksamkeit für viele, kleine Details, die alle nur einem Zweck dienen: Mach es so realistisch wie nur irgendwie möglich.
  • Es gibt keine Laser- und Phaserwaffen. Kein buntes StarWars-PewPew. Realismus regiert. Es gibt kinetische Waffen. Schnellfeuergeschütze, Torpedos. Raketen und massive Railguns für die großen Schlachtschiffe. Es werden halbwegs überzeugende Taktiken gezeigt, die beschreiben, wann man in dieser Welt welches Waffensystem, welche Sensoren und welche ECM-Maßnahmen zu welchem Zweck einsetzt. In einem Spiel würde man von “vielschichtigem Gameplay” reden. In einer Serie trägt dies mit zur Glaubhaftigkeit bei.
  • Close Combat wird natürlich auch mit kinetischen Waffen ausgetragen. Das Design der Handfeuerwaffen und Anzüge erinnern mich SEHR stark an den Ego-Shooter-Teil von Star Citizen. Oder jedes CoD mit SF-Setting, um ehrlich zu sein. Wo es ja auch nicht um Fantasy-SF a la Star Wars geht, sondern um nitty-gritty Military-Pseudorealismus. Ach ja, Zero-G-Gefechte gibt es auch in „The Expanse“. Werden so inszeniert, wie sich Menschen in der Zukunft höchstwahrscheinlich Löcher in den Körper ballern werden. Und wie man es bei Chris Roberts gesehen hat.

Deswegen muss ich ständig an Star Citizen denken. Nicht, weil das auch so aussieht, sondern weil beim Produktionsdesign die gleichen Überlegungen angestellt wurden und weil den Produktionsverantwortlichen der Blick für Details wichtig ist.

Wer mehr erfahren will:
http://magazine.artstation.com/2016/02/scenes-concept-art-expanse/

Und die Serie an sich? Taucht se was?

Ja. Taucht was.

Das Casting ist a bisserl Hit & Miss. Die Hauptfigur ist in meinen Augen ein bisschen ein blasser Schönlings-Bubi und das mit einem Holzhammer und schweren, kaum verständlichen Dialekt vorgetragene Geschauspielere der UN-Inspektorin bekomme ich an einem guten Tag auch noch hin, um es mal großkotzig zu sagen. Ansonsten passt das aber ganz gut. Einige bekannte Gesichter, viel Frischfleisch. Das Casting erinnert mich stark an britische SF-Serien und –Filme. Wirkt überhaupt nicht wie eine US-Produktion. Viel Mut zu ungewöhnlicheren Gesichtern.

Dialoge können ein wenig mühselig werden, weil vor allem der unübersetzte (!) Dialekt der Belter gutes Zuhören oder wahlweise das Zuschalten von Untertiteln erforderlich macht, um den Kontext zu erfahren, in dem diverse Begriffe und Sätze fallen. Aber gerade durch das Nicht-Übersetzen wirkt das Setting sehr glaubhaft. Die Belter sind eine andere Kultur, die sich von Generation zu Generation immer mehr von ihren irdischen Wurzeln löst, weil die Erde fern ist und die Erde nur durch Ausbeutung und Diskriminierung wahrgenommen wird.

Produktionswerte sind erstklassig und wie bereits gesagt, der Blick fürs Detail hebt diese Serie weit über den Durchschnitt. Vor allem Freunde des mobilen Internets werden auf ihre Kosten kommen, denn was hier an Daten und Informationen glaubhaft (!) durch die Gegend gewischt wird, ohne gleich ins unrealistische Extrem eines “Minority Reports” zu verfallen, das ist der feuchte Traum eines jeden UI-Designers. Auch hier zeigt sich die allem zu Grunde liegende Design-Philosophie. Wenn man X annimmt, wie müsste X dann aussehen, falls es X eines Tages tatsächlich geben würde?

Die politischen und gesellschaftlichen Anspielungen auf die gefährliche Logik von Machtpolitik, die Auswirkungen von Ausbeutung und Sklaverei, der Dualismus von Freiheitskampf und Terrorismus, sind gut in die Handlung eingebettet und wirken nicht aufgesetzt.

Man muss aber Geduld haben. Die ersten vier Folgen dienen eigentlich nur der Vorbereitung für die eigentliche Handlung. Was einerseits langatmig erscheinen mag, aber andererseits den Zuschauer ausführlich in dieses Setting einführt. Gerade hier merkt man deutlich den Unterschied von „The Expanse“ als sog. Straight-to-series-Produktion zur traditionellen Serienproduktion mit Pilotfolgen, wo erzählerische Sorgfalt den kommerziellen Erfordernissen von Fokusgruppen-Analysen weichen muss. „The Expanse“ wurde, wie bei Streaming-Anbietern mittlerweile üblich, en bloc als ganze Season geordert und nicht extra abgewartet, wie die Reaktionen auf eine einzige Pilotepisode ausfallen.

Ich freue mich auf Season 2.

Alternativ könnte ich natürlich auch die Romane lesen, aber da habe ich noch rechtzeitig genug erfahren, dass der Autor, wie auch im Falle von George R.R. Martin, die Serie noch gar nicht fertiggestellt hat.

Zeit und Mühe rentieren sich meiner bescheidenen Meinung nach, wenn man Battlestar Galactica (Re-Imagined) immer noch vermisst und sich fragt, warum es denn so schwierig ist anspruchsvolle SF im Serien-Format zu bringen. Nun, schwierig ist das eigentlich nicht, es macht nur kaum jemand, weil man Geld auch mit weniger Arbeit und weniger Mühe machen kann🙂

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In Deutschland via Netflix oder P2P.

Es bleibt schwierig …

Idee für ein geiles Cosplay-Outfit?

Check!

Muße, Geld und Handfertigkeit für ein geiles Cosplay-Outfit?

Check!

Selber den nötigen Bodytype/die Visage für das ausgesuchte Cosplay-Outfit aufweisend oder ein passendes Modell für das Outfit finden können?

Check!

Beim von Videospielen überhaupt keinen Schimmer habenden Barista einen Kaffee bestellen?

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Check!

Eben auf Kotaku.com gefunden.

Mühselig einen lautstarken Feierabend-Lachanfall unterdrückend …

Sound-Update

Wenn man die Sache auf Kindergarten-Niveau betrachtet, haben DIE natürlich zuerst angefangen. Die Nachbarskinners da. Sie singt lautstark irgendwelche Popsternchen-Songs nach (immerhin die Elsa-Phase direkt überspringend) und rollert dabei durchs Wohnzimmer, während er (zwei Jahre jünger) gerade die wunderbare Welt des Aufstampfens und AufdenBodenklopfens entdeckt hat. Sprich, selbst die dicke Betondecke zwischen beiden Haushalten puffert nur noch wenig.

Zugegeben … als besonders schlimm empfinde ich das nicht. Sind halt Kinder und es geht mir da rein und dort wieder raus. Aber … hehehe …

Ich habe jetzt kein schlechtes Gewissen mehr abends ein wenig die Lautstärke hochzudrehen. Vor allem nicht, wenn ich Brutal Doom mit dem Weapons for Brutal Doom-Mod anwerfe.

Es kommt über das Video nicht besonders gut heraus, aber die eh schon eindrucksvollen Waffensounds von Brutal Doom wurden hier nochmal massiv verbessert. Es kracht und rummst, dass es nur so eine wahre Freude ist. Vor allem die verbesserte Minigun verwandelt große Gegnermengen inklusive Cyberdemon innerhalb wenigen Sekunden in Myriaden kleinster roter Blut- und Eingeweide-Sprites. Was gut ist, denn nach nur wenigen Sekunden Dauerfeuer schmilzt der Vorrat an Minigun-Ammo von 600 auf nur knapp ein Dutzend kümmerliche Patronen in der Gurtzuführung ab. Bis dahin sollte da niemand mehr stehen. Idealerweise.

Meine Fresse! Die Nachbarn müssen annehmen, dass ich gerade den Erdbeben-Generator angeworfen habe, so dröhnt und wummert es in die stille Nacht hinein. Ich höre das Spiel nicht mehr nur, ich spüre es.

Ja, ich bin mit der Klangqualität weiterhin sehr zufrieden. Höhen tippitoppi, Bässe satt, kristallklares Klangbild bei der Wiedergabe entsprechend hochwertiger Klangspuren in Spielen und Filmen. Auf Netflix die 5.1-Tonspur gewählt und ich habe sogar ein wenig Kinoflair um mich.

Logitech Z333. Guter, satter Lärm zu bezahlbaren Preisen.

Lehrgeld

Bedauere, höchstehrenwerte Shadow Warrior-Nichtmöger! Auch wenn SW2 natürlich nicht perfekt ist, es bietet mir weiterhin gar feine Unterhaltung. Obwohl ich schon merke, dass 100% handgemachte Level derzeit immer noch jeden Versuch prozeduraler Levelerstellung schlagen.

Nein, auch möchte ich nicht darüber berichten, wie ich diese Woche beinahe meinen Kampf gegen den Erwerb von Civilization 6 verloren habe. Natürlich werde ich Civilization 6 eines Tages spielen, aber doch nicht jetzt (abwarten, informieren, erst DANN kaufen) und schon gar nicht für 60 Euro. 60 € für Daten, die für Gestehungskosten von nahezu Null auf Knopfdruck unendlich dupliziert und für vernachlässigbare Kosten auf Knopfdruck ratzfatz weltweit verteilt werden können? Fick die Neupreise auf Steam!

Nein, heute will ich über eine prägende Spiele-Erfahrung berichten, die man nur als „Die Vertreibung aus dem Paradies“ bezeichnen kann. Der Beginn einer Entwicklung, die viele Jahre später dazu führte, dass ich selbst großen Versuchungen (zumindest im Spielebereich🙂 ) widerstehen kann.

Diese Erfahrung habe ich im Jahr 1994 gemacht. Vor 22 Jahren. Bald ein Vierteljahrhundert her. Wenn ich mir das bewusst mache, werde ich immer ein wenig gnädiger und nachsichtiger mit Menschen, die in steter Regelmäßigkeit willenlos nicht nur auf die Versprechungen der Videospielindustrie hereinfallen. Es braucht einfach eine Weile, bis man sich bestimmte Verhaltensweisen angeeignet hat, bis der rationale Denkprozess „Muss das jetzt unter diesen Rahmenbedingungen sein?“ das rein emotionale „HABEN WILL! JETZT!“ dominieren kann und nicht umgekehrt. Bis man sich der Dinge und ihrer Einflüsse bewusst ist, die einen tagtäglich umgeben und bewusst entscheiden kann, in welchem Maße welcher Einfluss wirken darf und welcher Einfluss rigoros abgeblockt wird.

Bis dahin muss man aber Lehrgeld bezahlen. Denn Lernen ist kein sofortiges, binäres Ereignis, sondern ein Prozess. Der dauern kann.

Das erste Lehrgeld in Sachen „Bist Du Dir sicher, dass Du dieses Spiel jetzt haben, bzw. überhaupt haben musst?“ habe ich, wie bereits gesagt, vor etwa 22 Jahren gemacht.

1994 habe ich mich stolzer Besitzer eines DoubleSpeed-CD-ROM-Laufwerks nennen dürfen. Mein erstes CD-ROM-Spiel war Doom 2. Hrmpf! Nicht *hrmpf* bezogen auf Doom 2, dessen Großartigkeit auch heute noch die Spielelandschaft überstrahlt, sondern *hrmpf* in Bezug auf 640 MB Speicherkapazität. Und mein erstes Spiel auf diesem neuen Medium ist ein Spiel ohne Multimedia-Schnickschnack, welches auf der Festplatte ca. 20 (?) MB belegt hatte. Zwar war es schon toll, nicht mehr gefühlt Hunderte von Disketten durch die Gegend zu jonglieren, aber da geht doch noch was, nicht?

Und ob da was geht! Mein zweites Spiel auf CD-ROM war nämlich „Rebel Assault„. Legendäres Rebel Assault!

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Multimedia-Extravaganza mit Tie Fightern, X-Wings und Sternzerstörern.

Star Wars in gefühlter Kinoqualität (!) für den heimischen Rechenknecht zu Zeiten, in denen VGA mit 320x200x256 die Regel und SVGA mit 800x600x16 die Ausnahme war. Deswegen natürlich viel tollerer und besserer und schönerer als „X-Wing„, welches mich nur ein Jahr zuvor weggeblasen hatte.

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Und weil man mich damals noch ziemlich einfach wegblasen konnte, war das „Rebel Assault“ ein Traum, der einfach zur Erfüllung gebracht werden musste. Ich mein, schaut Euch mal die Graphik an? Keine blöden Polygone, sondern Filmsequenzen. ORIGINALE FILMSEQUENZEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! *röchel*

Dementsprechend gab es auch jubilierende Tests von nicht minder berauschten Redakteuren. “Rebel Assault” war Multimedia-Gott und Multimedia war der neue Götze der Unterhaltungswelt zu Beginn der 90er. Niemals, auch nicht einmal ansatzweise, kam mir der Gedanke, dass “Rebel Assault” vielleicht doch nicht so toll sein könnte. Diese Möglichkeit passte einfach nicht in meine damalige gedankliche Welt. Multimedia war toll, Star Wars war toll, CD-ROM-Spiele waren toll und die Kritiken in PC Games und Power Play waren Leuchttürme der journalistischen Unbestechlichkeit und Objektivität. Wenn da ein Redakteur sagte, dass Spiel X toll ist, dann war Spiel X toll. Keine Diskussion!

Und so kam es, dass ich für meine damaligen Verhältnisse nicht wenig Geld zur Hand nahm, in den örtlichen Karstadt latschte (als dieser noch eine eigene Software/Spieleabteilung hatte) und jenes nicht wenige Geld für “Rebel Assault” auf den Tisch legte. Yay!

Yay my ass! Ein zwar optisch unglaublich aufgebretzelter, aber technisch miserabler und spielerisch sehr dünner Rail-Shooter, dem es dennoch gelang mit StarWars-Lackierung Leute wie mich davon zu überzeugen, das geilste Spiel seit der Erfindung geschnittenen Brotes vor sich zu haben.

Nach einem Tag mühseligen Rumgewürges hatte ich endlich das Ende der ersten Story-Mission erreicht, nachdem ich zuvor Stunden damit verbracht hatte im “Tutorial” mit meiner T-16 NICHT ständig gegen Canyon-Wände zu fliegen. Das Spiel mit der Tastatur richtig zu steuern war fast nicht möglich, das Spiel mit dem Joystick zu steuern war fast nicht möglich. Die Steuerung war ein Graus. Und das ist noch höflich umschrieben. Schwammig, unpräzise, mit gerade in einem Action-Spiel fatalen Verzögerungen, manchmal wurden Joystick-Bewegung oder Tastendruck überhaupt nicht erkannt. Jeder heutige miese Konsolenport ist ein Ausbund an kristallklarer Präzision gegenüber diesem Dreck!

Noch Wochen später war ich nicht über die zweite Story-Mission hinausgekommen. Weil es nicht ging. Ständig knallte mein A-Wing gegen Hindernisse, die zwar klar als Hindernis erkennbar waren, deren Umfliegen auf Grund der ungenauen und schwammigen Steuerung eine extreme Prüfung meiner Frustrationstoleranz war. Eine Prüfung, der ich nach einem letzten Versuch überdeutlich den Stinkefinger gezeigt hatte. Indem ich den Joystick, der das gefühlt am wenigsten schlimme Steuerungsmittel war, ansatzlos in Richtung Bildschirm geworfen habe. Zum Glück für den Bildschirm und den Joystick wurde nur der Monitorrahmen getroffen. Nicht einmal hier konnte ich richtig zielen. Ich habe das Spiel danach vergraben. In meiner Erinnerung und in meiner Software-Gruft. Seit etwa 22 Jahren liegt da ein Karton im Regal, den ich das letzte Mal beim Umzug angefasst hatte. Ich habe “Rebel Assault” seit 22 Jahren nicht wieder gespielt und werde das auch nicht mehr tun, so lange ich auf diesem Erdenball verweilen werde.

Warum habe ich überhaupt so lange ausgeharrt? Wieso bin ich nicht am nächsten Tag zurück in den Karstadt und habe mein Geld zurückgefordert? Das wäre sogar recht gut gegangen, weil a) ich mit meinen Spielen pfleglich umgehe und b) der eine Verkäufer in der Abteilung sehr kulant war. Nun, die Gründe sind einfach zu benennen:

  1. Star Wars. Damals war ich noch ein beinharter 3000%-Fan dieses Franchises. ALLES, was mit Star Wars zu tun hatte war geil. Gut, bis auf Bettwäsche und anderer sinnloser Merchandise. Aber Filme, Bücher, Spiele? ALLES!
  2. Multimedia. *blitzblendvorgaukel* M-U-L-T-I-M-E-D-I-A! *noch mehr blitzend blendende vorgaukelei*
  3. LucasArts. Alle Spiele, die mir damals von LucasArts bekannt waren, waren erstklassig. Maniac Mansion. Zak McKracken. The Last Crusade. Finest Hour. Loom. Secret of Monkey Island 1& 2. Secret Weapons of the Luftwaffe. Fate of Atlantis. Day of the Tentacle. Sam & Max. X-Wing. Wie konnte “Rebel Assault” denn anders sein als nicht ebenfalls erstklassig? Hmmm? Wie?

Sprich, ich habe mir über Wochen erfolgreich einreden können, dass nicht das Spiel hemmungslose Grütze war, sondern ich einfach nicht gut genug für das Spiel war. Selbst als ich “Rebel Assault” endlich aufgegeben hatte, konnte ich mir selbst gegenüber nicht eingestehen, einer Mogelpackung aufgesessen zu sein. Man hat mich erfolgreich über den Tisch gezogen. Nicht nur, dass ich all die tollen Zwischensequenzen und Spielgraphik der nächsten 50 Minuten nie zu Gesicht bekam, wegen denen ich mir den Titel eigentlich gekauft hatte. Die 100 DM, die ich damals aus dem Geldbeutel gezogen habe, die haben mir RICHTIG weh getan. Das war VERDAMMT VIEL GELD! Für den Arsch. Komplett für den Arsch! LucasArts hat mich verarscht. Die Spielemagazine haben mich verarscht. Ich habe mich selber verarscht. Die Heilige Triade der Umsatzmaximierung. Geld für unbenutzbare Scheisse, die einem als goldene Eier legendes Huhn angepriesen wird, nicht nur verlangen, sondern auch BEKOMMEN!!!

Es hat eine Weile gebraucht, um dies zu realisieren. Und daraus zu lernen.

  1. Hype … ist shice.
  2. Spiele ohne Infos blind zum Vollpreis kaufen … ist shice!
  3. Spielen, bzw. Firmen grobe Fehler & Mängel zu vergeben, weil man auf Grund emotionaler Abhängigkeit sich lieber mit rostigen Nagelstöcken gesäßpenetrieren lässt … ist shice!!
  4. “Fan” sein ist keine Rechtfertigung seinen gottgegebenen Verstand mit dem Badewasser in die Kanalisation zu kippen. Vor allem, wenn man “Fan” eines Kommerz-Produktes ist, wo es nicht darauf ankommt, Dich als Fan zu bespassen, sondern nur darauf, dass Du als Fan ablatzt, was das Konto nur so hergibt.

Aber ich will mich nicht beschweren. Ich habe daraus gelernt.

Andere hingegen scheinen immer noch die naive Glückseligkeit einer Traumblase zu bevorzugen, wo alles toll ist, weil nichts nicht toll sein darf!

Christian Schneider von der Gamestar in einer Kolumne vom letzten Jahr:

“Star Wars: Rebel Assault war 1993 unfair, ließ sich miserabel steuern und bot nur eine Stunde an Spielinhalten – zum Vollpreis. Und trotzdem: Fans und Kritiker liebten den Rail-Shooter. Heute wäre das wohl leider undenkbar, glaubt Christian Schneider.”

“Ich fürchte, dass das Medium Spiel schon zu etabliert und abgeklärt ist, um nochmal eine dermaßen verklärte Euphorie zu beschwören. Vielleicht geht es aber jüngeren Spielern, die nicht die Erfahrung von über 30 Jahren Spielegeschichte mitschleppen, heute doch noch manchmal so. Ich würde es ihnen wünschen. Schließlich muss es doch Liebe sein, wenn man gegen jede Vernunft wie Feuer und Flamme für ein Spiel ist. Und so geht es mir bei Rebel Assault – zum Glück.”

*facepalm*

Da hat jemand noch eine ganz bestimmte Reise vor sich. So er sie denn überhaupt unternehmen möchte …

Auf die Schnelle – Shadow Warrior 2

Gestern abend doch spontan zugeschlagen.

Ein kurzer Blick in die Steam-Foren (weil da schnell die kritische Masse an Käufern erreicht wird, um ein halbwegs repräsentatives Bild zu bekommen) zeigten technische Probleme im vertretbaren Rahmen. Nichts, was an Arkham Knight, FF 13 oder andere glorreiche Veröffentlichungen bar jeglichen Qualitätsanspruches heranreichen würde. Nicklichkeiten scheint es wohl beim Laden von Savegames zu geben, wo man zwar nach Abschluss des Ladeprozesses das Audio der Map hört, aber nur das Start-Menü zu sehen bekommt. Bis auf dieses Problem abgesehen, scheint SW2 ein solides, recht sauberes Release zu sein.

Blöderweise habe ich, tranig und müde wie ich gestern abend war, nicht wirklich dabei aufgepasst WO ich SW 2 erwerbe. Denn was macht der Herr hier, als er mit dem Lesen der Foren fertig war? Er klickt auf „Store“, legt das Spiel in den Warenkorb, klickt auf „Buy“ und vergräbt wenige Sekunden später sein Gesicht in beiden Händen. Gut, jetzt war der Herr hier wieder wach und hat sich ein wenig grün und blau geärgert, weil er SW2 über GOG und nicht als Steam-Titel erwerben wollte. Merke: Nicht shoppen, wenn man eigentlich ins Bett gehört🙂

Egal, gibt Schlimmeres. Jetzt war ich ja wieder wach und habe die Gelegenheit genutzt um kurz reinzuschauen.

Performance:

Wie schon beim Vorgänger, Hard Reset (Original wie Redux) so zeigen die Fliegenden Wildsäue auch hier, wie man eine technisch anspruchsvolle Engine und eine optisch höchst beeindruckende Darstellung mit flüssiger Darstellung selbst auf Mittelklasse-Hardware verknüpft. Mein Rechner ist mittlerweile Mitelklasse. Ich habe das Preset „High“ auf 1080p gewählt und es flutscht nur so über den Bildschirm. Sieht dabei prächtig aus! Fein! „Ultra“ (bei gleicher Auflösung) schaue ich mir am Wochenende an. Ich vermute, dass die optische Darstellung dabei kaum merkbar besser wird (es werkelt hier ja keine DX12-GPU im Gehäuse), die Frameraten aber weiterhin hoch bleiben werden, weil ich einige der ressourcenfressenden Graphik-Features gar nicht nutzen kann.

Gameplay:

Schnell! SW2 ist schnell. Rasend schnell! Lo Wang flitzt wie ein Irrer durch die Map und zerschnetztelt dabei Dämonen wie Umgebung. Man erleidet beim Fallen von hohen Vorsprüngen, Dächern und Mauern keinen Schaden, rollt ninja-mäßig ab und weiter geht es. Die Shift-Taste löst ein schnelles Huschen in die von der gleichzeitig gedrückten Richtungstaste aus, so dass man wie der Blitz vorpreschen, ein oder zwei Katana-Hiebe austeilen und sich gleich wieder zurückziehen kann, um der Attacke des Gegners auszuweichen. Wer nur Konsolenshooter kennt, könnte hier ein wenig ausser Atem geraten.

Und wenn sich niemand mehr rührt, sammelt man all den Müll (Loot) ein, den die Leute ohne Rücksicht auf die Umwelt einfach so fallenlassen, wenn sie zerschnetztelt werden.

Dieser Loot kann benutzt werden um Waffen oder sich selbst aufzurüsten, Schadensarten zu definieren oder sich vor spezifischen Schadensarten besser zu schützen.

SW2 verwandelt sich hier fast in ein RPG, wo man minutenlang im Charakter- und Inventory-Menü verbringt, um all das gesammelte Zeugs sinnbringend zu verwerten.

User-Interface:

Spezial-Attacken et all. laufen wie gewohnt flüssig von der Hand. Doppeltap hier + Mausklick dort und Lo Wang wirft den Häcksler an oder heilt sich, wenn es opportun erscheint. Kein schwammiges, lahmes Rumgemähre, direkte und präzise Steuerung, fein!

Das Options-Menü ist … ausführlich. Wie gewohnt ausführlich, wenn man sich Flying Wild Hog-Spiele anschaut. Jedes Fitzelchen nicht nur in Sachen Graphik, sondern auch in Sachen Gameplay und HUD kann man einstellen. So muss das sein.

Ein wenig verwundert bin ich dann doch, dass eine in meinen Augen entscheidente Optionalität in Sachen User-Interface offenbar ersatzlos weggefallen ist: Es gibt kein freies Speichern!

*dohhhhh*

Jepp, kein freies Speichern. Es gibt Checkpoints, auf die man zurückgeworfen wird, wenn man stirbt oder ein Savegame lädt. Verlässt man das Spiel, wird zwar der aktuelle Status des Chars UND der Map gespeichert, man steht dennoch wieder am letzten Checkpoint und läuft durch leere (!) Level bis zu dem Ort, wo man das letzte Mal das Spiel beendet hat, wo sich dann wieder Gegner tummeln. Eine selten dämlichere Kombination aus simplen Checkpoints und einer Komplettspeicherung des Spielzustandes habe ich nur selten gesehen. Weil … rein technisch wird der komplette Zustand des Spieles bereits gesichert. Es ist alles da, was man braucht. Warum gibt es dann keine Tastaturbelegung für die bereits vorhandene Funktionalität, die Vorraussetzung für F6/F9 ist?

*grmpf*

Anyway … bis auf diese eher unverständliche Designentscheidung macht SW2 Laune. Verdammich viel Laune. Bin schon gespannt, wie „organisch“ und abwechlungsreich die prozeduralen Level sind, die im späteren Spielabschnitt eine frei begehbare, offene Welt mit Sidequests und Pipapo bilden.

DRM:

Ich habe gestern Abend nicht mehr geschaut, ob sich Steam-SW2 auch ohne Steam starten lässt. Weil so die Entwickler da gesagt haben, SW2 habe kein DRM. Ich wage zu vermuten, dass das nur eine Aussage a la „SW2 hat kein Denuvo oder anderen zusätzlichen (!) Crap.“

Photo-Mode:

Janz verjessen, Verzeihung!

SW2 hat einen speziellen Photo-Mode, den man als überkandideltes Screenshot-Tool bezeichnen kann. Drückt man auf F9, selbst in den wildesten Fights, wechselt das Spiel in den sog. Photo-Mode. Hierbei pausiert das Spiel und man bekommt die Gelegenheit nebst einer im Level frei platzierbaren Kamera auch jede Menge Filter und DX-Features hinzu oder hinweg zuschalten. Man kann das Bild kurz weiterlaufen lassen, falls die gerade pausierte Animation nicht cool genug ist. Mit dem Photo-Mode gibt es nur noch eine einzige Entschuldigung für miese Screenshots: Die Faulheit sich erst minutenlang durch graphische Einstellungen und Kamerapositionen zu kämpfen, bis man den PERFEKTEN Screenshot hat. Nice!

Ja, wie bereits gesagt, bis auf das hohlbirnige Savegame-System wirkt SW2  vielversprechend. Macht Lust auf mehr!

Gutes Spiel!

Noch kein herrausragendes Spiel🙂

  • Update DRM:
    Ok, das mit dem „Ey, wir sind voll gegen DRM und so!“ war natürlich wieder wohlfeiles Geschwätz. NATÜRLICH startet die Steam-Version zunächst den Client, prüft die Account-Registrierung (sofern kein Offline-Mode aktiviert) und startet erst dann das Spiel.
  • Update Performance:
    • Nochmal zum Mitschreiben meine Konfiguration:
      Intel iCore i5-4570, 8GB
      MSI Z87-G45 Gaming
      Gigabyte NVidia 750 760 GTX
      (installiert auf) Seagate ST4000DM000 4 TB, SATA
    • Einstellungen SW2_01:
      2x Supersamling (2715 x 1527)
      High-Settings
      *flutsch* *sauß* *husch*
      Sieht gut aus, schneller und direkter Bildaufbau, bestes Spielgefühl.
    • Einstellungen SW2_02:
      2x Supersamling (2715 x 1527)
      Ultra-Settings ohne Bloom, Motion Blur und Depth of Field
      Angenehmes Spielen, kein Geruckel, gegenüber Setting SW2_01 vielleicht einen Tacken schwammiger.
      Optisch leicht besser (?) als Setting SW2_02. Auf jeden Fall doch bemerkbar anders. Nicht viel, aber bemerkbar.
    • Einstellungen SW2_03:
      2x Supersamling (2715 x 1527)
      Ultra-Settings
      Gutes Spielen möglich, weiterhin kein Geruckel, gegenüber Setting SW2_02 noch einen Tacken schwammiger. Spürbar schwammiger gegenüber Setting SW2_01. Alles verfügbare Gezimbel ist jetzt aktiviert und mir wird vor lauter Unschärfe und Bloom-Vaseline fast wieder übel. Von der Framerate und dem Spielgefühl zwar akzeptabel, aber das ist mir zu viel des Guten an Effekten.
  • Update Savepoints:
    Ich verstehe es wirklich nicht. Verlasse ich das Spiel in Richtung Hauptmenü, wird der Spielfortschritt exakt so gespeichert wie beim handelsüblichen freien Speichern, nur dass ich beim Laden des Spielstandes wieder am Checkpoint stehe anstatt dort, wo ich das Spiel beendet habe. Was jederzeit möglich wäre, weil ja auch der Map- und Levelstatus gespeichert wird. Nein, ich verstehe das nicht. Was soll das?

Wenn Erdnüsse zu wenig sind …

Gut, ich habe zum Glück nicht 20 Euro ausgegeben. Mir hat man als Bereits-Besitzer von Bioshock und Bioshock 2 die Remastered-Editions für umme ins Steam-Konto gelegt.

Wenn man sich aber den technischen Zustand anschaut, mit dem die beiden Remasters auf dem PC veröffentlicht wurden und wenn man sich bewusst macht, dass die beiden Spiele nach dem ersten Patch teilweise noch mehr Probleme bekommen haben …

Ich kann die beiden Remastered-Version nur noch im Windowed-Mode spielen. Fullscreen funktioniert nicht mehr, die Einstellung in den Optionen wird schlichtweg ignoriert. Selbst wenn ich das Spiel überliste und die Frage nach Übernahme der neuen Einstellungen nur mit der Enter-Taste und NICHT mit einem Mausklick bestätige, springt das Spiel nach dem Laden eines Savegames wieder in den Fenster-Modus. Der, wenn ich das Teil wenigstens als “borderless windowed fullscreen” spielen will, weiteres Gefrickel mit Third-Party-Tools erforderlich macht.

Was vielleicht noch akzeptabel wäre, wenn Bioshock 1 und 2 nicht seit dem Patch beginnen würden auf (grob geschätzt) sieben von zehn Versuche die Belegung der Plasmide oder Tonics zu verändern oder etwas zu hacken, mit ansatzlosen Back to Desktop-Crashes zu reagieren. Gut, immerhin ist es vom Fenster-Modus zum Desktop kein weiter Weg …

Von all den anderen Problemen, die diese Remastered-Versionen technisch und inhaltlich plagen, will ich hier gar nicht erst anfangen.

Vielleicht hätte Take2 keine blinden Eichhörnchen (so der Name des hauptverantwortlichen Entwicklers) engagieren sollen. Aber das kommt eben davon, wenn man glaubt nur Peanuts zahlen zu wollen. Dann bekommt man keine Fachkräfte, die wissen, was sie da tun, sondern lediglich Affen, die willen- und planlos auf Tastaturen herumdrücken, bis nach X Milliarden Versuchen vielleicht ein halbwegs benutzbares Stück Code bei herauskommt.

Mein Vorwurf gilt dabei nicht Blind Squirrel, dem Entwickler.

Mein Vorwurf richtet sich an Take2, die meinen mit dem Äquivalent einer miefigen, löchrigen Wollsocke die beiden Klassiker in ein neues, schickeres Gewand zu hüllen zu können. Nein, meine sehr verehrten Vorstände, das hier ist eine Wollsocke und kein Seidengewand und die Socke ist zudem miefig und sie ist löchrig.

Derzeit kann man nur sagen: Wer auf dem PC Bioshock 1 und/oder 2 spielen will, sollte das in Form der Releases aus dem Jahr 2007 und 2010 tun.

Die Neuveröffentlichungen stinken. Gewaltig! Und nein, ich freue mich nicht, wenn man mir miefige, löchrige Wollsocken schenkt. Soll ich dafür dankbar sein? Was soll ich mit dem Scheiß in seinem aktuellen Zustand?