No one lives until 2070?

Da gibt es in den USA ein kleines Unternehmen namens “Night Dive Studios”, das sich darauf spezialisiert hat alte, im Dschungel des Copyrights verschwundene Spiele, sprich Abandonware, der Welt wieder legal zum Kauf zur Verfügung zu stellen. Oft genug werden diese Spiele auch überarbeitet, für aktuelle Betriebssysteme angepasst, von Bugs befreit und mit all dem Schnickschnack versehen, den Plattformen wie z.B. Steam bieten können (Achievements, Trading Cards usw.).

Vor etwa zwei Jahren gelang den Herren das Kunststück sich die Rechte an “System Shock 2” zu sichern. Nach eigener Aussage hat man direkt danach begonnen ein weiteres Spiel aus den Klauen desinteressierter Majors zu befreien. Man wollte den Lizenz-Wirrwarr um “No one lives forever” und seine Ableger beenden. Ähnlich wie bei System Shock 2, so schienen die Rechte an Namen und Vertrieb zwischen drei Firmen aufgeteilt zu sein. Warner Bros. als Konzern-Mutter von Monolith, dem Entwickler. 20th Century Fox als Publisher des ersten Teils und schliesslich Activision als Rechtsnachfolger von Sierra, den Publishern von Teil 2 und dem Spin-Off “Contract JACK”.

Night Dive Studios sind mittlerweile sogar in Besitz des Sourcecodes von NOLF1 und NOLF2. Dem Release einer aufgepimpten, fehlerbereinigten HD-Version schien nichts im Wege zu stehen. Doch dann …

Laut diesem Artikel auf Kotaku.com versuchte Night Dive nach langen, ergebnislosen Recherchen und Kontaktaufnahmen bei den drei Majors eine Entscheidung zu erzwingen. Man meldete einfach Anspruch auf das Trademark “No one lives forever” an, um auf diese Weise schneller eine Klärung zu bekommen, weil JETZT der Rechteinhaber reagieren muss. Sprich, man wollte vor allem Activision und Fox dazu bringen endlich einen Praktikanten in den muffigen Keller zu schicken, wo all die Papierdokumente aus der Zeit vor der Einführung einer digitalen Doku-Verwaltung gelagert wurden. Denn mit ein Grund für das mühselige Herumkrebsen und Warten auf finale Antworten von den Majors liegt in der leeren Suchergebnis-Seite des internen Doku-Management-Systems, wenn der zuständige Sachbearbeiter herausfinden soll, ob man die Rechte an diesem oder jenem hat.

No one lives forever? => No matches found!

Diese Trademark-Anmeldung hat dann auch tatsächlich eine Reaktion hervorgerufen. Die Rechtsabteilung von Warner Bros. schickte einen bitterbösen Brief, wo man Night Dive Studios aufforderte diesen Unsinn zu unterlassen und mit entsprechenden Maßnahmen drohte, falls hier noch mal jemand … dass Night Dive seit Monaten mit Warner Bros. wegen dieser Sache in Kontakt stand, war der Rechtsabteilung nicht bekannt. Immerhin zeigte sich der WB-Anwalt nach Aufklärung des Missverständnisses und der Erklärung, warum man diese Trademark-Anmeldung unternommen hatte, recht verständig und versprach selber seine eigenen Kontakte zum Licencing-Manager zu nutzen.

Alles sah gut aus …

Anfang Februar bekamen Night Dive aber die Aussage von WB, dass man dort bis auf weiteres kein Interesse an einem Publishing-Deal oder anderer Zusammenarbeit mit Night Dive bez. des NOLF-Franchises habe. Kein Remake, keine HD-Version, keine Wiederveröffentlichung.

Ob man Night Dive die Trademark-Anmeldung doch übel nahm (vielleicht), ob man bei WB eigene Pläne mit NOLF hat (unwahrscheinlich) oder ob man einfach zu dumm ist zu erkennen, wie man hier mit minimalem eigenen Aufwand gutes Geld verdienen kann (höchstwahrscheinlich), niemand weiß es. Ob es dabei bleibt, ob man bei Night Dive einen erneuten Versuch unternimmt, ob es jemand anderes schafft? Auch das weiß derzeit niemand.

Man weiß nur eines … zwei der besten Shooter aller Zeiten sind weiterhin nur über die Bucht zu beziehen. Die eBay-Bucht oder die Pirate Bay-Bucht. Mit allem potentiellen Rumgewürge, um diese Klassiker auf aktuellen Betriebssystemen klaglos zum Laufen zu bringen.

Ja, so ist das mit dem Urheberrecht und seinen langen Schutzfristen. Ein riesengroßer Haufen von Scheiße, der nur die Gegend zustinkt und nicht einmal Bäume düngt, weil der Haufen einfach mitten auf den Asphalt gesetzt wurde. Falls sich in den kommenden Jahren nichts an den US-amerikanischen Schutzfristen ändert (also Disney im US-Kongress nicht noch eine weitere Verlängerung um weitere 50-70 Jahre kauft), werden wir schlimmstenfalls erst im Jahre 2070 einen Re-Release sehen, denn dann wird NOLF 1 gemeinfrei.

TOR!!

Nein, es geht hier nicht um das Drama wegen der angekündigten Winter-WM im Sklavenhalter-Fürstentum Katar.

Hier geht es um unsere freundlichen Nachbarn von CD Projekt, die seit heute eine deutsche GOG.com-Webseite, deutschsprachigen Support und … deutsche Jugendschutzgesetze eingeführt haben.

Jaja, deutsche Jugendschutzgesetze. Spiele, die beschlagnahmt wurden, dürfen deutschen Kunden nicht mehr zum Kauf angeboten werden. Und anstatt einfach pro forma deutsche IPs zu filtern und sich sonst einen feuchten Dreck darum zu scheren, ob da jemand tatsächlich in Rawlins, Wyoming wohnt oder via Proxy nur eine IP verwendet wird, die Einwohner von Rawlins, Wyoming verwenden würden, geht man bei CD Projekt einen Schritt weiter. Wie das technisch im Detail gelöst wird, ob man entsprechende Cookies im Browser setzt oder einfach mal eine ganze Bandbreite bekannter Proxy-IPs sperrt, das kann ich nicht sagen, aber ich kann mit den bekannten Proxy-Plugins für Firefox oder Chrome nicht auf folgende Seiten zugreifen:

www.gog.com/game/commandos_ammo_pack
www.gog.com/game/commandos_2_3

Heute Nachmittag war zudem noch das Mortal Kombat-Bundle entsprechend geblockt.

Zugriff als deutscher Bürger auf die beiden Links bekommt man meines Wissens derzeit nur mit dem TOR-Client. Die beiden Titel lassen sich via TOR kaufen und hinterher über die Library ganz normal mit einer deutschen IP herunterladen.

Ob Commandos 2 & 3 deutschen Kunden wieder zur Verfügung gestellt werden, weil hier keine Indizierung, geschweige denn Beschlagnahme vorliegt … ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß … je undurchsichtiger die Rechtslage ist, je rigider Bürgern mit fadenscheinigen Begründungen Inhalte vorenthalten werden, umso mehr wird das phöse, phöse Raubkopieren blühen, umso mehr Bürger werden sich zum ersten Mal in ihrem Leben mit Anonymisierungs-Tools auseinandersetzen. Youtube-GEMA, Steam/GOG-Jugendschutz, Netflix-regionale Verwertungsrechte. Alles Bereiche, die ganz unmittelbar mit dem Alltag der Menschen zu tun haben. Und jetzt, jetzt hat der aufrechte Bürger plötzlich doch was zu verbergen.

Seine Herkunft!

The original indie dev

Lesenswertes Interview mit Jeff Vogel

Jeff Vogel. Jeff von Spiderweb Games. Avernum, Geneforge, Avadon. Nach AAA-Standards urtümliche, fast schon prähistorische Rollenspiele. Aber diese Spiele haben was.* Mehr als man ihnen auf den ersten Blick ansieht. Interview mit einem Game Dev-Atavismus. Lesen. Bitte. Ist lehrreich.

*Mit Avadon 1 hatte ich längeren Kontakt. Ja, ist total prähistorisch alles. Aber es hat irgendwas. Kann den Finger nicht drauflegen und es genau benennen. Aber es hat was. Sobald ich es benennen kann, schreibe ich endlich was über “das”.

Es bist nicht Du, es liegt an mir

Man kennt das vielleicht. Die langjährige Beziehung neigt sich einem bitteren Ende zu, das Date stellt sich als nicht wirklich prickelnd heraus. Man sucht Worte, findet meist nicht die richtigen und gibt dann gequirlten Mist von sich wie “Du bist ein feiner Mensch und ein toller Mensch und Du hast was Besseres als mich verdient. Es liegt nicht an Dir, ich bin es, der nicht kann. Its-a not you, its-a me, Mario!”

So ging es mir mit Might & Magic X Legacy.

Ich könnte hier jetzt seitenweise auflisten, was mir alles an dem Spiel gefallen hat. Was es gut gemacht hat, was es richtig gemacht hat. MM X ist gelungen. Es ist, was es sein möchte. Eine modernisierte Fassung der alten Dungeon-Crawler von New World Computing. Ich kloppe mich schrittweise durch die hübsche Landschaft und durch atmosphärische Dungeons. Ich levele meine Party hoch und hoffe, dass ich nicht in irgendeine Talent-Sackgasse tappe. Äxte werden geschwungen, Pfeile schneiden durch die Luft und die Zauberin schleudert mit Blitzen um sich, dass man halb Baden damit erhellen könnte. Quest werden erledigt, es wird in Schmieden und Bibliotheken eingekauft, Händlern wird der Loot rucksackweise aufgedrückt. Fallen werden entschärft, Fässer entleert und Schlüssel gesucht. Gegner werden im Karree gescheucht oder sorgen für einen Instant-Wipe, wenn man mal wieder nicht aufgepasst hat. MM X ist zwar spielerisch nicht so schwer wie ein Legend of Grimrock und es müssen auch keine Kopfnüsse von vergleichbaren Dimensionen geknackt werden, leicht wie “Press a button and something awesome happens” ist es nicht einmal ansatzweise. Kluge Auswahl und Einsatz von Zaubern, sinnvolles Aufleveln von Waffen- und Rüstungsfähigkeiten sind ratsam und wenn man in einem Dungeon auf einen scheinbar unüberwindlichen Gegner stößt, sollte man vielleicht vorher noch etwas aufleveln oder sich doch für die friedliche Questlösung entscheiden?

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Ich kann bis auf die zwangsweise Implementierung von Uplay nichts wirklich Negatives über Might & Magic X Legacy sagen. Ich kann dafür jede Menge an positiven Dingen über dieses Retro-RPG sagen. Gutes Retro. Wie in Legend of Grimrock. Kein schlechtes Retro wie bei Die Schicksalsklinge HD.

Dennoch …

Mittendrin höre ich auf. Von einem Schritt zum anderen. Ich weiß nicht, warum. Es muss an mir liegen, denn das Spiel ist ja immer noch das gleiche wie am Abend zuvor. Nur dass ich schlagartig jede Motivation zum Weiterspielen verloren habe.

Macht das aus MM X ein schlechtes Spiel? Nein, ganz und gar nicht. Würde ich es weiterempfehlen? Ja, warum nicht? Wer diese Art Retro-RPG mag, der wird hier vieles finden, was ihn glücklich macht. Für ein paar Euro, um Ubisoft klar zu machen, dass mit Uplay verdongelte Spiele keinen müden Cent mehr wert sind, ein ganz klare Empfehlung. Ohne Uplay wären auch 20-25 Euro mehr als angemessen gewesen.

Nur … bei mir ist schlagartig die Luft raus.

Schade eigentlich!

Wie man sich vor Jugendschützern schützt

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat erneut zugeschlagen und “Dying Light” mit einer vorläufigen Indizierung bedacht, bis man das Spiel, welches seitens des Publisher sowieso nicht im deutschen Handel angeboten wurde, entsprechend beurteilt hat. Und aller Wahrscheinlichkeit nach aus einer vorläufigen Indizierung eine dauerhafte Indizierung macht, weil der geistige Vorläufer, Dead Island samt Addons und Fortsetzungen, ebenfalls von diesem Schicksal ereilt wurde.

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(Bildquelle: PCGames.de)

Nun, was kümmert uns Erwachsene das? Können wir nicht einfach über die Grenze fahren oder uns bei entsprechenden ausländischen Shops bedienen? Sicher, das könnten wir. Doch die Kenntnis über Rechtslage und Verfügbarkeit entsprechender Bezugsquellen ist dünn und widersprüchlich. Viel Hörensagen, Gerüchte und Mutmaßungen machen die Runde.

Nun, zur Rechtslage sei meinen Lesern dieser Link empfohlen.

Executive Summary:
Du darfst importieren böses Splatter-Spiel aus Ausland. Du besser importieren aus Österreich, weil blöder Zoll Pakete aus Nicht-EU-Ländern nicht mag.

Schön. Das giltet jetzt aber nur für den Kauf, Import und Besitz physischer Waren. Wenn ich solche Spiele auf meiner Horstbox spielen will, dann kaufe ich solche Spiele in einem Schluchtenscheißer-Webshop und alles ist gut. Ich frage mich, ob diese Shop-Betreiber regelmäßig Blumen und Pralinen nach Bonn schicken, ist man dort doch für einen nicht geringen Teil des Umsatzes verantwortlich.

Executive Question:
Wie ist es aber als PC-User, wenn ich das via Steam erledigen möchte?

Nun, das Besorgen ist nicht das Problem. Auch wenn der Steam-Client und die Steam-Webseite Besucher mit deutscher IP entsprechend filtert, so kann man mit einem Proxy, wie z.B. Zenmate, über den Browser den Steam-Shop aufsuchen, das Spiel erwerben und dann über den Account, über den man das Spiel erworben hat, mit dem Client herunterladen. Das klappt wunderbar, wie es der Herr hier selber mit z.B. der F.E.A.R-Serie, Bioshock 1 oder Bulletstorm getan hat, welches vor einer Weile im Sale erhältlich war, aber deutschen Kunden nur die traditionelle Glücksbärchi-Version offeriert wurde. Man registriert den nicht-deutschen Key in seinem deutschen Konto und gut ist. Die Registrierung der HumbleBundle-Keys erfolgte sogar über eine deutsche IP, so dass man sich hier wirklich nicht unnötig verrenken muss. Nur der Kauf direkt bei Steam benötigt eine nicht-deutsche IP.

bulletstormTSCHAKKAAAAAAAAAAAAAAAA! (via Gamestar.de)

Ja, aber, sperrt Steam das nicht, weil doch verboten?

Da der Kauf, Import und Besitz indizierter Spiele eben NICHT verboten ist (nur das Bewerben, die öffentliche Aufführung, der Weiterverkauf und die Weitergabe innerhalb Deutschlands), passiert auch bei Steam nichts. Wenn Keys nachträglich gesperrt werden, dann sind das in der Regel nur Keys, die z.B. mit Kreditkartenbetrug oder anderen kriminellen Methoden erworben wurden. Valve sperrt keine Keys, nur weil ein Spiel irgendwo indiziert wurde. Valve filtert von sich aus auch keine Spiele oder bietet nur zensierte Versionen von Spielen an, die irgendwo auf der Welt indiziert wurden. Das passiert nur auf Zuruf des Publishers. Deswegen können deutsche Kunden auch problemlos die ultragefährlichen US-Splatter-Versionen von Painkiller, Bloodrayne und anderen Brutalo-Spielen erwerben. Weil es den Publisher dieser Spiele nicht interessiert, was deutsche Behörden entschieden haben.  Wenn der Publisher sich für einen Geo-Lock entscheidet, wie das Bethesda mit Wolfenstein – TNO getan hat, dann wird das in der Regel VORHER kommuniziert. Ich habe Dead Island und DL – Riptide in meinem Steam-Konto. Erworben NACH der deutschen Indizierung, über ein HumbleBundle. Interessiert Koch Media nicht die Bohne. Dementsprechend interessiert es auch Valve nicht.

Ja, aber, Steam KÖNNTE das doch alles sperren, oder?

Richtig. Valve hat die Möglichkeit jeden Eintrag in der Kunden-DB entsprechend zu verändern. Valve kann mir auf Knopfdruck alles wegnehmen, was in meinem Konto registriert ist. Sei es wegen eines dummen Zufalls, wenn der Admin versehentlich DROP TABLE steam_customer ausführt, sei es weil beim Publisher die Idioten Amok laufen oder weil Valve eines Tages pleite ist und die Server abgeschaltet werden. Von daher empfiehlt es sich immer ein Backup anzulegen und sich den entsprechenden Crack zu besorgen, so dass man sein ultragefährliches Brutalo-Splatter-Spiel frei von den Einmischungen deutscher Behörden und Missgeschicken technischer wie wirtschaftlicher Natur zudem vollkommen legal genießen kann, denn nicht nur darf ich solche Spiele als Erwachsener erwerben und besitzen, nein, ich darf zum Zwecke eines Backups einer Software ausdrücklich alle Kopierschutzmaßnahmen umgehen, mit denen diese Software versehen wurde.

Von daher … ist doch nicht so schlimm, das mit diesem Jugendschutz, oder? Gibt doch genug Möglichkeiten für Erwachsene an das Zeugs zu kommen, wenn man denn auf sowas steht.

Ja, es gibt Möglichkeiten. Der Aufwand hält sich sogar in Grenzen. Ein paar Minuten mit Steam, die übliche Lieferfrist von 2-3 Tagen, wenn man sich das Spiel als physikalische Kopie aus Österreich bestellt. Wen die politisch-gesellschaftlichen Implikationen dieser Jugendschutz-Manie nicht stören, der kann sich seine Spiele holen und keinen Gedanken mehr daran verschwenden. Alle anderen können die Sinnlosigkeit und Doppelmoral dieser Bemühungen beklagen und sich auf den Tag vorbereiten, an dem Jugendschützer sich weit genug in deutsche Ministerien vorgearbeitet haben, um auch solche Schlupflöcher schließen zu lassen. Denn wer glaubt ernsthaft, dass die aktuellen Maßnahmen tatsächlich verhindern, dass solche Spiele in die Hände von Kindern und Jugendlichen gelangen? Ganz abgesehen vom Download von Schwarzkopien, so ist es fast noch leichter sich eine Kopie vom großen Bruder, dem Zocker-Onkel zu besorgen oder die unwissende Oma zu missbrauchen, die dem Enkel NATÜRLICH dieses Spiel da kauft.

Von daher … nutzlos, sinnlos und eigentlich nur unter dem Aspekt halbwegs akzeptierbar, dass doch jemand mal an die Kinder der Angestellten bei der BPjM denken soll, die ohne den Job ihrer Eltern sonst unter der Brücke schlafen müssen!

Ja, ok. Aber, mal so zum Schluss gefragt, darfst Du dann eigentlich noch über Dying Light oder Dead Island berichten und Screenshots von diesen Spielen veröffentlichen?

He, gute Frage. So explizit ist das im Gesetz nämlich nicht geklärt. Aber weil die Presse keine Lust hat es darauf ankommen und die Sache gerichtlich klären zu lassen, werden sofort nach Bekanntgabe einer Indizierung alle Berichte auf den Webseiten gelöscht und sich verkniffen künftig über diese Inhalte zu berichten. Nicht, weil man das explizit nicht darf, sondern nur, weil die Verlage keine Lust auf eine gerichtliche Auseinandersetzung haben. Es gilt das Gesetz der Schere im Kopf und nicht das Gesetz, welches im BGB oder gar StGB steht. Die rechtliche Lage ist hier nicht geklärt. Grauzone. Wohoooo!

Ja, hmm, darfst Du jetzt oder darfst Du nicht?

Keine Ahnung! Es ist nicht geklärt. Ich nehme mir lediglich die Freiheit heraus diese unklare Lage als “nicht ausdrücklich verboten, ergo erlaubt” zu interpretieren :)

Armselig

Stundenlang sitzt man vor dem Bildschirm und verliert sich in virtuellen Welten. Man ist begeistert, man spielt sich einen Wolf ab. Doch alles muss zu Ende gehen, auch das allerbeste Spiel auf der ganzen weiten Welt. Man freut sich auf das Ende. Weil das Ende bestimmt einen würdigen Abschluss hat. Einen epischen Schluß für das epische Rollenspiel. Eine geile Rendersequenz für den Shooter, wo die Basis der bösen Obermotzes in einem pyrotechnischen Meisterwerk vernichtet wird. Ein witziger und lustiger Endscreen für das Jump’n Run.

Und dann geht den Entwicklern das Geld aus! Oder die Ideen. Meistens beides. Weil man mit guten Ideen auch knappe Budgets halbwegs ausgleichen kann. Als Folge davon haben wir im Laufe der Jahre jede Menge Spiele erlebt, die gegen Ende hin nicht nur stark abbauen, bei denen man manchmal den Eindruck hat, dass sie Teil eines anderen Spieles sind, weil sie so gar nicht zum Rest passen.

Divine Divinity. Das bessere Diablo 2. Und dann prügelt man sich im letzten Abschnitt von oben links nach rechts unten durch eine riesengroße Map, die bezeichnenderweise auch noch “Wasteland” heißt, weil sich eben so gut wie nichts darin befindet. Da ist Larian so ziemlich alles ausgegangen. Geld, Kraft und Durchhaltevermögen.

Oder Red Faction 1. Nach dem der letzte Boss gelegt wurde kommt nicht der Abspann. Nein, es kommt ein Schiebepuzzel-Logikrätsel, welches man erfolgreich abschließen muss, um eine Bombe zu entschärfen. Unter Zeitdruck! Ich saß damals fassungslos vor dem Bildschirm und habe den Timer einfach auslaufen lassen.

Oder der Klassiker schlechthin. “Thank you Mario! But our princess is in another castle!” aus Super Mario Bros. auf dem NES.

Ein aktuelles Beispiel aus der Kategorie “Wie gestalte ich ein Ende NICHT!” ist Dying Light, das neue Zombie-Schnetzelgemetzel von Techland. Schon in Dead Island soll der Endboss-Kampf nicht so wirklich dolle gewesen sein, aber der Endboss-Kampf in Dying Light setzt dem ganzen noch die Krone auf:

 

Ein Quick Time Event. Ein lahmer Quick Time Event, in dem der Spieler auf einmal den dressierten Affen geben muss, nachdem man ihn zuvor einen großen Sandkasten zum Herumspielen gegeben hat. Ein lahmer Quick Time Event als Abschluß eines Spieles, in dem Spieler seinen Charakter nach Gusto aus einer Vielzahl von möglichen Fähigkeiten ausbauen und aufleveln konnte. Wo all das, was der Spieler zuvor getan hat, überhaupt keine Rolle mehr spielt, weil er jetzt den dressierten Affen machen soll. Drücke A, drücke X, drücke A. Und zwar gefälligst dann, wenn wir Dir das sagen und NUR dann. Wenn Du das nicht tust … Fuck you! No Abspann for you! Out!

Auch wenn ich mir im Laufe der Jahre eine Familienpackung Gelassenheit zugelegt habe und mich vieles, was so tagtäglich in diesem unseren Hobby an Hirnfick zelebriert wird (EA: Unsere Spiele sind zu kompliziert!, Nintendo: Wir haben Kontrollparanoia und brauchen eigentlich psychatrische Behandlung!) nur noch peripher tangiert … sowas, sowas treibt mir immer noch zumindest für ein paar Minuten den Blutdruck in die Höhe. Lange genug um diesen Rant zu verfassen und lange genug, um solchen Entwicklern nichts Schlechtes zu wünschen. Allerdings auch nicht ausdrücklich etwas Gutes!

PS: Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass ich QTE eigentlich nur in Tanz- und Musikspielen für sinnvoll halte, weil das der zentrale Kern der Gameplay-Mechanik ist und ansonsten die Verwendung von QTE ausserhalb dieser Genres für einen Straftatbestand halte … Techland, das ist einfach nur armselig!

PSS: Es ist zwar noch nicht erschienen, aber für The Witcher 3 versprach CD Projekt keine QTE mehr zu verwenden. Von Warschau bis Ostrów Wielkopolski sind es nur knapp 300 km und eine Fahrt von zweieinhalb Stunden. Vielleicht wäre ein Besuch angebracht?

Ist es denn möglich?

Es sind jetzt fast vier Jahre vergangen, als ich diesen Beitrag als Teil einer dringend notwendigen Frustbewältigung veröffentlichen musste. Vier Jahre, in denen ich klug genug war diese Serie und speziell den ersten Teil nie wieder anzurühren.

Bis gestern. Da hat es mich an einer ganz speziellen Stelle gejuckt. Diese Stelle, die mich dazu bringt spontan in Spiele reinzuschauen, die ich beim ersten Kontakt aus diversen Gründen hellentsetzt und alle fünf Arme über dem Kopf zusammenschlagend wieder von der Festplatte geworfen habe. Manchmal passieren wundersame Dinge und ich finde endlich den Zugang zu einem Spiel, verbringe damit etliche vergnügliche Stunden. Manchmal merke ich aber nach nur wenigen Minuten, dass da definitiv nichts funkt. Zwischen mir und diesem Lebensabschnittsspiel. Dann entsorge ich dieses Werk in der Regel endgültig und verkaufe es. Auf dass es vielleicht jemand anderen glücklich macht.

Mit der Zunahme rein digitaler Erwerbungen, die zudem account-gebunden sein können, kann ich diesen Weg jedoch immer seltener beschreiten. Ich bin dann auf alle Ewigkeiten mit einem Spiel geschlagen, welches in einer dunklen, staubigen Ecke der Software-Gruft darauf wartet, dass wieder diese Stelle juckt. Denn man kann nie wissen, was die Zukunft bringt. Plötzliche Erleuchtung? Spontaner Spielspaß? Alles schon passiert!

So begab es sich, dass Harzzach, getrieben von den Stimmen in seinem Kopf, in die Tiefen hinabstieg, um jenes Spiel ausfindig zu machen, welches ihn um seinen wohlverdienten Schönheitsschlaf brachte.

Hach, da lag es unschuldig in der schattigen Nische. “Age of Wonders“.

Age_of_Wonders

Keiner Seele ein Härchen krümmend. Unschuldig wie am Tage des Erwerbs. Doch ich wusste es besser. Ein bösartiges Monstrum lauerte hier im Verborgenen. Eines dieser Spiele, die selbst in ihren besten Momenten ihren Rezipienten nur mit einem ratlosen “What the fuck?” zurücklassen. Und in den schlechtesten Momenten durchgebissene Tischkanten, ruinierte Gebisse und eiliges Absenden drängender Notrufe zum nächstgelegenen Chapter der Adeptus Astartes zur Folge haben.

Es gab kein Zurück. Es juckte unter dem Haaransatz. Es rief. Und lockte.

Los, trau Dich. Spiel mich. Feigling, Feigling. Installiere mich. Starte mich. Und verzweifle an mir. Erneut!! *mwahahahahaha*

Es kam, wie es kommen musste. Der Dämon in Spielegestalt schlägt seine eiternden Klauen in meine Seele. Das “Game Over” flimmerte flimmerfrei über den LCD-Monitor schneller als selbst meinen übelsten Visionen nicht vorhersehen konnten. Nicht einmal zehn Runden überstanden. Paff. Aus.

Ok, das war es. Ich streiche dieses Spiel endgültig aus dem Gedächtnis. Das hämische Kichern und Keckern des Dämons wird leiser und leiser, während ich die schattige Nische wieder verlasse und mich niedergeschlagen hinauf in heimelige Wärme meiner Wohnräume begebe. Doch halt … da juckt es immer noch. Warum juckt es immer noch? Was soll ich denn noch tun? Welche Opfer will dieser Quälgeist mir denn noch abringen? Ich drehe auf dem Treppenabsatz um. Das war nicht das Ende. Das konnte noch nicht das Ende sein.

Mit zusammengebissenen Zähnen vollführe ich erneut die notwendigen Installationsriten. Der Dämon lacht und lacht und lacht. Immer lauter. Die Nische erbebt von seiner Präsenz. Die Schatten sammeln sich. Bald ist er körperlich. Bald wird er sich nicht mehr mit den Emotionen frustrierter Spieler begnügen. Imperator sei mir gnädig! Was habe ich getan? Was habe ich nur getan? Normalerweise wäre dies der Moment, in dem ein Droppod der Ultramarines durch die Decke des Gewölbes bricht und diese Ausgeburt des Chaos bolternd und kettensägend wieder in den Warp geschleudert wird. Doch da kommt nichts. Ich bin alleine.

Und im Augenblick seines größten Triumphes, im Augenblick meiner größten Schwäche wird mir die Gnade des Imperators zuteil. Ich weiß jetzt endlich, was ich tun muss. Ich spiele AoW auf Leicht.

Auf Normal zerlegt es mich ratzfatz. Ich habe keine Chance auf Normal. Keine der in Foren vorgeschlagenen Strategien funktioniert. Denn kaum jemand in den einschlägigen Foren spielt die Kampagne. Alle durchaus sinnvoll klingenden Strategien versagen in der Kampagne, weil diese fast ausschließlich skriptgesteuert abläuft und man auf Normal und höher nur dann den Hauch einer Chance hat, wenn man zum einen die Karte in- und auswendig kennt und zum anderen durch unzählige Trial & Error-Versuche herausgefunden hat, wodurch welche Skriptereignisse ausgelöst werden, bzw. was sich der Missionsdesigner in seinem slaneesh-verseuchten Gehirn ausgedacht hat. Es existiert in der Kampagne keine Strategie. Deswegen bin ich während aller früheren vergeblichen Versuche auch nie “besser” geworden. Weil da nichts war, von dem man hätte lernen können.

Auf Leicht hingegen muss man lediglich seine Städte mit ein paar Einheiten absichern und Mauern bauen. Die KI scharwenzelt dann mit ein paar kümmerlichen Raiding-Truppen durch die Gegend, anstatt wie auf Normal mit einer übergroßen Armee aus schnellen und starken Einheiten den Spieler in den Wahnsinn zu treiben. Meist verhält sie sich vollkommen passiv und lässt mich anstrengungslos von Sieg zu Sieg marschieren. Das ist fast schon CoD-Gameplay.

Jetzt, wo der Dämon besiegt wurde, jetzt könnte ich mir Age of Wonders geben. Denn die Trugbilder, welche mir das Chaos vorgaukelt, die sind so schlecht nicht. Für ein fünfzehn Jahre altes Spiel hat sich AoW sehr gut gehalten. Widescreenauflösung sind problemlos bis in beliebige Höhe einstellbar. Zwar skaliert das UI größenmäßig nicht mit, so dass man spätestens ab 1080p eine Lupe benötigt, aber ansonsten wird das Spiel auch noch die nächsten fünfzehn Jahre gut überdauern.

Age_of_Wonders_high

Aber es ist jetzt so derart leicht, dass ich mir vergackeiert vorkomme. Arghlll!

“Age of Wonders 1” ist kein schlechtes Spiel. Auch wenn die Kampagne vom Chaos korrumpiert wurde und ein Exterminatus für den Sitz der Triumph Studios mehr als überfällig ist … es ist kein schlechtes Spiel. Es hat nur eine miserabel entworfene und balancierte SP-Kampagne. Vielleicht sollte ich die Nachfolger näher begutachten. Wenn es mich wieder juckt. Wenn sich das Auge des Chaos wieder öffnet. Und keinen Tag früher.