Grenzüberschreitungen – Leicht gemacht

Zuallererst möchte ich mich dafür entschuldigen, dass wieder so viel Zeit zwischen Postings vergehen. Nein, weder ist World of Warcraft oder sonst ein anderes Spiel daran Schuld, sondern der leidige Umstand, dass ich beruflich stark eingespannt bin und in meiner Freizeit derzeit nicht die richtige Muße finde, um substanzielle Blogbeiträge zu verfassen, die über stumpfes Rumgenöle zu diesem oder jenem Aufregerchen hinausgehen. Wenn ich nach Hause komme, reicht es gerade mal für ein paar PvE-Quests mit meiner schnuckeligen Gnomen-Jägerin und ihrem mechanischen Hasen. Ok, WoW ist doch Schuld! 🙂

Doch zurück zum Thema …

Aktuell findet auf GOG wieder ein Sale statt.

Der Summer-Sale 2017. Viele Spiele, zu niedrigen Preisen.

Alle Spiele? Nein, nicht alle Spiele, wenn man über eine deutsche IP den Shop aufsucht. Seit zwei Jahren filtert man auch in Polen diverse Titel, um potentiellen Ärger mit deutschen Behörden aus dem Weg zu gehen. Meines Erachtens ist das zwar weder notwendig, noch würde es nachteilige Folgen haben (all die Jahre davor hat sich ja keine Sau dafür interessiert), doch da GOG.com zu CDP gehört und CDP ein börsennotiertes Unternehmen sind, muss man dort gewisse Standards einhalten, zu denen auch eine in den Augen von Normalsterblichen manchmal eher unnötig erscheinende Risikobewertung gehört.

Brutale Metzelshooter und/oder Spiele mit *hachhuch* phösen Hakenkreuzen werden für deutsche IPs nicht mehr angezeigt und können somit nicht mehr auf herkömmlichem Wege erworben werden.

Der nicht herkömmliche Weg ist aber so einfach zu beschreiten, dass man durchaus auf den Gedanken kommen könnte, dass CDP nur den Schein wahren möchte und auf striktere Regionalbeschränkungen keinen Wert legt.

Wie kaufe ich als deutscher Kunde phöse Spiele auf GOG.com, Stand Juni 2017

  1. Man installiere im Browser ein VPN-Plugin wie z.B. Zenmate.
  2. Man aktiviere das Plugin und wähle aus, über welchen Server-Standort die Browser-Daten geleitet werden sollen. Der Standort USA genügt für diesen Fall.
  3. Man öffne ein neues Browser-Fenster im Privacy-Modus.
  4. Man suche die GOG-Seite auf und wähle sich in seinen Account ein.
  5. Man lege das gewünschte Spiel, welches man mit deutscher IP nicht zu sehen bekommt, in den Warenkorb.
  6. Man wähle als Bezahlmöglichkeit Kreditkarte oder Paypal. Mangels Kreditkarte kann ich nur Paypal wählen, aber es gibt meines Wissens keinen Grund hier nicht eine Kreditkarte zu verwenden.
  7. Man bezahle.
  8. Die gekauften Spiele erscheinen im Account und können manuell oder über den Galaxy-Client heruntergeladen und installiert werden.
  9. Die gekauften Spiele BLEIBEN und ERSCHEINEN selbstverständlich im Account, gleichgültig welche IP verwendet wird.
  10. Seit gestern Abend bin ich stolzer Besitzer der beiden preislich stark gedrückten Titel „Singularity“ und „TimeShift„, die beide auf herkömmlichem Wege deutschen Internet-Nutzern nicht zur Verfügung stehen.

Beide Titel sind leider zum Zeitpunkt ihres Erscheinens total untergegangen. Vor allem Singularity litt unter einem quasi nicht vorhandenen Marketing seitens Activision und geriet auf dem heiß umkämpften Shooter-Markt zu einem Flop. TimeShift ereilte ein ähnliches Schicksal. Kaum beworben, kaum bekannt, kaum gekauft.

Dabei sind das hochwertig und aufwendig produzierte Shooter, die mit ihren Zeitmanipulations-Features ausgetretene Pfade verlassen und sich an Neues wagen.

singularity_04

timeshift_wallpaper

Wäre doch schade, wenn sie weiterhin niemand erwirbt und spielt, nur weil eine Firma potentiellen Ärger mit deutschen Behörden vermeiden möchte, nicht wahr? 🙂

Warcraft – The Beginning

Ich spiele gerne World of Warcraft und klicke mich ab und an wiederholt durch Warcraft 3. Das eine ist ein leicht bekömmliches MMO, ideal für meinen aktuelles persönliches Zeitguthaben und das andere ist immer noch ein unterhaltsames und gutes RTS. Ich habe die Vorgänger von Warcraft 3 mit Begeisterung verschlungen und mir hätte mit Sicherheit auch das damals geplante Warcraft-Adventure gefallen, wenn es denn erschienen wäre.

Ich mag das Setting, ich mag diese Welt. Azeroth ist ein Stück Heimat geworden, weil ich mir durchaus vorstellen könnte dort in einem kleinen, schnuckeligen Häuschen zu leben, geruhsam über den grasigen Ebenen von Nagrand schwebend oder ein Stadtappartment im nie zur Ruhe kommenden Ironforge zu beziehen.

Ich bin DAS Zielpublikum für den letztes Jahr in die Kinos gekommenen Warcraft-Film.

warcraft_twoworlds_onehome

Und doch habe ich ihn nicht im Kino angeschaut, mir keine DVD besorgt. Auch wenn die Trailer ganz nett waren und ich natürlich in fast jedem Frame diverse Dinge aus den Spielen referenziert sah … ich blieb skeptisch. Wenig begeisterte Kritiken halfen nicht unerheblich beim Halten einer gewissen Distanz.

Gestern Abend überkam es mich dann. Ein ganz heftiges Schaubedürfnis, welches sofort gestillt werden musste. Weil, all diese pseudo-intellelen Kritiker haben sowieso keine Ahnung, nicht wahr?

Und wie stillt man so ein heftiges Schaubedürfnis, wenn man nicht warten will, bis Amazon im Laufe der kommenden Woche die DVD liefert oder Netflix den Film nicht im Angebot hat? Richtig, im Digitalen Zeitalter, wo alles nur einen Mausklick entfernt liegt, lag auch der XXX-HD-Stream nur einen Klick entfernt. Zwischen Eingabe grundlegender Suchbegriffe in der Suchmaschine und dem Klick auf “Play” lagen nicht einmal 60 Sekunden. Kinderleicht ist das trotzdem nicht, denn man muss schon zielsicher diverse Lockvogel- und “Lade jetzt die aktuelle Viewer-Exe herunter!” (Haha, ja klar mache ich das … NICHT!)-Angebote umschiffen, um zum Ziel zu gelangen. Man sollte wissen, worauf man klickt und wie man den Browser so verwendet, damit keine unliebsamen Gäste mit zur Party kommen. Aber wenn man dort ist … ein 1080p-Stream in astreiner Bild-, Ton- und Streamingqualität. Rein technisch können diese schmierigen Streaming-Portale jedem legalen Angebot mehr als nur das Wasser reichen. Ich gestehe ein klein wenig beeindruckt gewesen zu sein.

Doch zurück zum eigentlich Abendereignis, dem Film.

Nun, was soll ich sagen? Dass es ein hervorragend produzierter Effekt-Film war, der in Sachen Art Design und Music Score die Essenz dieser Welt treffsicher und gekonnt eingefangen hat? Dass es viele, VIELE treffende und nette Details aus den Spielen gab und man merkte, dass sich hier jemand wirklich Mühe gegeben hatte? Dass ich trotz perfekter Production Design-Orgie und blubbernden Murlocs sehr schnell nur noch mit den Augen rollen konnte und zum Schluss stark gegen den Drang kämpfen musste laut zu lachen? Weil es abgesehen vom interstellaren Production Design ein SCHRECKLICHER, PEINLICHER Film war? Ich weiß zwar, dass Duncan Jones jetzt nicht gerade ein unbegabter Regisseur ist, weil “Moon” schlichtweg phänomenal ist und da er selbst WoW spielt, scheint er DIE Traumbesetzung für diesen Posten zu sein … aber das ist ihm vollkommen entglitten. War es die Größe des Projekts? Die enorm hohe Verantwortung für irrsinnige 160 Millionen Dollar samt den noch irrsinnigeren Umsatzerwartungen? Waren es Einmischungen seitens der Produzenten oder Blizzard? Ich weiß es nicht …

Sicher ist hingegen nur eines: Das hier, das ist ein Griff ins Klo. Ein richtig großer Griff ins Kodo-Klo! Aber gut, als WoW-Spieler ist man es ja gewohnt in diversen Kot-Haufen herumzuwühlen 🙂

Dünne Dialoge. Viel zu viele Dialoge. Ständige Verletzung der grundlegenden Film-Regel “NICHT drüber reden, ZEIGEN!”. Charaktere ohne Biss, aber mit großen Hauern. Langweilige, oberflächliche, klischeebeladene Charaktere. Holperig inszenierte, sprunghafte Handlung. Kein Charme. Ein vollständig charmefreier Film, der von irgendeiner unsichtbaren Last niedergedrückt und fast erstickt wird. Als habe die Fel-Magie der Brennenden Legion diesem Film alles entzogen, was Duncan Jones frühere Filme so sehenswert gemacht haben.

Wow! Was für ein schrecklich schlechter Film! Ich war gestern Abend … “sprachlos” wäre zu viel, das englische “stupefied” (verblüfft, entsetzt und betäubt in einer einzigen gemeinsamen Emotion) trifft es besser.

Aber weil “Warcraft – The Beginning” international, offenbar vor allem in China, richtig viel Schotter gebracht hat ($160 Mio. Kosten, knapp $450 Mio. weltweit eingenommen, was diesen Film zur mit Abstand kommerziell erfolgreichsten Spieleverfilmung macht), wird es natürlich eine Fortsetzung geben. Dieses Geld lässt niemand in Hollywood liegen.

Ich weiß nur nicht, ob ich darüber erfreut sein soll oder eher nicht …

Wobei es mir im Grunde auch egal sein kann. Ich spiele weiterhin mit meinen Twinks, hole mir ab und an Warcraft 3 aus der Software-Gruft und wenn es mich doch packt, kann ich mir eine Fortsetzung wieder auf diesen schmierigen Streaming-Portalen anschauen.

So ist jedem geholfen 🙂

Ungefragte Videos

Es gibt nichts besseres, gut, es gibt nicht viel besseres, um sich auf den Urlaub vorzubereiten, als im quasi menschenleeren Büro die Boxen aufzudrehen und Mick Gordons Soundtrack zum Doom-Remake zu lauschen …

Und das ist nicht einfach nur ein zwei Stunden langes Video mit Standbild, sondern ein Audio-Visualizer für jede Sekunde herrlichen Ambient-Metal!

Ambient-Metal, der beinahe nicht passiert wäre, glaubt man diversen Informationen zur Entstehung des Soundtracks, die durch das Internet schwirren. Das Bethesda-Marketing soll von Gordon irgendeine öde 08/15-Mainstream-Mucke verlangt haben und nur nach langwierigen internen Auseinandersetzungen durfte er die Metal-Wurzeln des Originals fortführen. Das mit den langwierigen internen Auseinandersetzungen glaube ich gerne, denn wie man am halbgaren, nahezu ausgestorbenen Multiplayer, dem vollständig nur für MP gedachten DLC und dem verquasten, dummen Dreck sehen konnte, den die Entwickler, angefeuert durch einen Marketing-Mitarbeiter, in Interviews im Vorfeld des Releases von sich geben durften … während Doom 4, oder Doom-Remake oder Doom 2016 im Singleplayer so glänzt wie schon lange kein Titel von id Software … da gab es offenbar wirklich heftige Differenzen zwischen den Vorstellungen der Entwickler und den Vorstellungen des Marketings.

Dem Bethesda-Marketing schiebe ich auch alle Verantwortung zu, warum ich persönlich das Spiel immer noch nicht habe (obwohl die Demo letztlich schwer überzeugt hat) und warum das Spiel im Netz weiterhin auf viel grundsätzliche Ablehnung stößt.

Denn es war abstoßend, was da letztes Jahr im Frühjahr/Sommer abgefackelt wurde. Ekelhaft und abstoßend! Gäbe es nicht das Word of Mouth, welches begeistert von einem äusserst überzeugenden Singeplayer-Teil sprach, ich hätte mir die Demo nicht gegeben, ich hätte meine eigene prinzipielle Ablehnung dieses Titels nicht aufgegeben.

Aber wir haben nochmal Glück gehabt und bald verschwinde ich hier auch! Muss Planescape Torment EE spielen 🙂

planescape-torment-ee

Frohe Ostern, hrhrhrhr!

Ungefragte Ratschläge: GODS Remastered

Abgesehen davon, dass ich eh immer alles besser weiß … manchmal weiß ich es tatsächlich besser. Wie im Falle des folgenden Projektes, wo man versucht dem Bitmap-Brothers-Klassiker “GODS” aus dem Jahr 1991 eine Frischzellenkur zu verpassen.

Prinzipiell habe ich gar nichts gegen Remakes und Remasters und Whatnots. Weil sie helfen alte Klassiker weiter im Bewusstsein nachfolgender Generationen zu halten und weil wir alten Säcke eh keinen Bock auf all den neuartigen, komischen Kram haben, mit dem sich heute kleine Zwuggel die Zeit vertreiben, nicht wahr?

Jetzt hat sich also jemand GODS vorgenommen und dafür, laut Beschreibung auf der oben verlinkten Steam-Greenlight-Seite, sich sogar die Unterstützung von Mike Montgomery, einem der Gründer des ehem. britischen Videospiel-Entwicklers gesichert.

Kann also nix schiefgehen, oder?

Nun, erm, also …

Meine erste Reaktion nach Anblick dieses Screenshots …

GODS_remake_01

… vor allem, wenn man ihn mit der gleichen Szene aus dem Original vergleicht …

GODS_remake_02

… heilloses Entsetzen!

Es hatte schon seinen Grund, dass sich die Bitmap Brothers Bitmap Brothers genannt haben, waren sie doch damals Meister hochwertiger, aufwendiger Pixelkunst. Der Screenshot aus dem Remaster hingegen, Jesses Maria! Ob es daran liegt, dass hier jemand ohne viel Ahnung von der Materie Texturen erstellt hat oder ob man zeitlose Pixelkunst einfach nicht verbessern kann, ich weiß es nicht. Da hilft es auch nicht, wenn man im weiteren Textverlauf erfährt, dass die Remaster-Screenshots wohl aus der Mobile-Version des Remakes stammen und die PC-Version angeblich voll viel tollere Graphik bekommen soll.

Von daher, mein ungefragter Rat der Woche:

Wenn ich für einen PC-Port werben möchte, sollte ich das idealerweise mit finaler PC-Graphik oder wenigstens einem Mockup der angedachten PC-Graphik tun. Und nicht abscheuliche Bilder aus einer Smartphone-Version verwenden, wo der kleine Bildschirm so manche optische Grausamkeit gnädiger weise im allgemeinen Gewusel verschwinden lässt.

Da ist es dann auch nicht weiter tragisch, wenn man den Soundtrack vom Dutzendware-Anbieter “Sound of Games” aus Hammurch, Djörmänie neu zusammenstellen und abmischen lässt. Zumindest den legendären Titeltrack aus der Feder von John Foxx hat man nicht vollständig gemeuchelt:

Hier das AMIGA-Original:

Als ich heute morgen die Meldung las, dass es a) überhaupt einen Remaster von GODS gibt und b) dieser sich derzeit im Steam-Greenlight-Programm befindet, war meiner erster Reflex auf den Like-Button auf der Greenlight-Seite zu klicken. Doch nachdem ich mir das verlinkte Video und die Screenshots angeschaut habe, den Text dazu gelesen habe … ich weiß ja nicht so recht. Wirklich nicht.

Obwohl ich nix grundsätzlich etwas gegen Remakes und Remasters und Whatnots habe, so habe ich auf jeden Fall etwas gegen schlechte (!) Remakes, Remasters und Whatnots. Denn das hier, das riecht förmlich danach …

Smartphone-Graphiken, sie benutzen häßliche Smartphone-Graphiken um für die PC-Version dieses Projekts zu werben.

*facepalm*

Ich rechne daher nicht wirklich damit, dass der finale Look so sehr viel besser sein wird. Gut, immerhin soll man das Teil auch mit Originaloptik und Originalsounds spielen können.

Was ich mit einem Blick auf meine DOS-Bibliothek und dem Hinweis auf etliche Dutzend Abandonware-Seiten wohl wieder tun werde. Weil das auch heute noch ein richtig geiler Plattformer ist, der solche greulichen Quickbuck-Versuche nicht verdient hat.

Habe ich diesen Remaster nun für mich abgeschlossen? Nun, ich warte einfach ab, was Ende des Jahres erscheint. Vielleicht wird die PC-Version optisch besser geraten sein? Man kann mich nämlich gerne positiv überraschen, ich bin da gar nicht so. Ich rechne nur nicht ernsthaft damit 🙂

Zeitenwandel

Letztlich ist beim heimwärtlichen Commuten der Akku vom Reader ausgegangen, der beim Tolino 4 übrigens verdammt lange hält, weswegen ich auch das Laden vergessen hatte. Doch zurück zum Commuten.

Da saß ich also in der Strassenbahn und richtete meinen Blick nach langen Monaten wieder aus dem Fenster anstatt auf das Reader-Display. Und was erblickten meine müden Augen? Die örtliche Gamestop-Filiale, deren Existenz ich fast schon vergessen und verdrängt hatte. Da habe ich mir in meiner gedanklichen Langweile gedenkt: „Hey, Harzzi-Baby, weisst Du, wo Du schon seit Ewigkeiten nicht mehr warst?“, habe spontan an der nächsten Haltestelle den Wagen verlassen und bin die paar Schritte zurück zu Gamestop gelaufen.

Es war eine Zeitreise zurück in die 90er, als man SELBSTVERSTÄNDLICH Spieleverpackungen aus Karton oder Plastik aus dem Regal geholt und damit zur Kasse gelaufen ist. Weil … dohh, wie soll man denn sonst Spiele kaufen?

Wahnsinn! Spieleverpackungen, die in Regalen stehen.

Ich gestehe in der ersten Minute tatsächlich etwas verwirrt gewesen zu sein. Was denn auch das aufmerksame Verkaufspersonal bemerkt hat und mich umgehend ansprach.

Meine zweite Reaktion war ein Gedanke, den ich zum Glück nicht aussprach: „Mein Kind, was willst Du, die Du meine Tochter sein könntest, von mir? Willst DU mir etwa etwas über Spiele erzählen? Weisst Du nicht, wen Du vor Dir hast, hmmm?“

Als höflicher und eigentlich recht umgänglicher Mensch habe ich diesen Gedanken natürlich nicht ausgesprochen. Die Floskel „Danke, ich schau mich nur mal um!“ kam mir aber auch nicht über die Lippen.

„Ich war schon lange nicht mehr in einem physikalischen Spieleladen!“, habe ich dann gesagt. „Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal ein Spiel auf einem physischem Datenträger gekauft habe. Ich weiß daher auch nicht genau, was ich hier eigentlich möchte.“.

Die junge Dame, noch nicht gebeugt und geknechtet von der Last vieler Lebensjahre, hat deswegen sehr pfiffig reagieren können und meinte kurzentschlossen, dass sie mich einfach rumführt, vielleicht finde ich ja etwas, damit sich mein Besuch rentiert. Nun … warum nicht? Wann hatte ich das letzte Mal eine persönliche Führung durch einen Videospieleladen? Genau, noch nie 🙂

Von der kleinen Ecke, wo 3DS und DS-Module hingen, ging es über die XBOX-, die Playstation-Abschnitte zu einem größeren Berg von Switch-Verpackungen. Angeblich alles schon verkauft, ich müsse vorbestellen (natürlich muss ich vorbestellen, weil man mir nur so zusätzliche Dienstleistungen aufschwatzen kann).

Es folgte eine sehr kümmerliche Auswahl von PC-Spielen. Nichts, aber auch gar nichts aus dieser Ecke hätte ich haben wollen. So wie ich schon aus den vorherigen Abschnitten nichts haben wollte.

Doch dann, dann kamen wir beim Merchandising vorbei. Nicht, dass ich nicht wüsste, dass es solchen Krempel haufenweise gibt, aber diese ca. handspannengroße Figur aus „Bloodborne“, neben Kerrigan (?) und noch ein paar anderen Ultrabrutal-Metzelgeschnetzel-Figuren, die sah schon recht eindrucksvoll aus. Vielleicht im Wohnzimmer neben die Collectors Edition-Kartons? Nahhh, quatsch! Auch die niedlichen Anime-Damen, die es in diversen Posen und Kostümen zu bestaunen gab, würden nicht gerade auf Gegenliebe stoßen. Zudem würde mir, ab der ersten Sekunde nach dem Aufstellen solcher Figuren zu Hause, schon selber die Frage durch den Kopf schiessen, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Die nette Verkäuferin, meine Seelenpein wahrnehmend, goß noch Öl ins Feuer, in dem sie zuckersüß verlautbarte, dass man ja noch mehr Figuren bestellen und liefern könnte und manche Figuren schon sehr selten seien und man bei Interesse doch schnell zugreifen solle.

Ha! Teufelin!! Nicht mir mir, übler Dämon und Seelenverführer!

Standhaft bleibend bedankte ich mich bei ihr, wünschte ihr noch einen schönen Abend und verließ den Laden, mit Sicherheit verfolgt von einem entnervten Kopfschütteln und diversen mentalen Stinkefingern.

Ich weiß nicht wirklich, was ich glaubte dort anzutreffen. Spiele? Spiele gab es dort schon, aber halt nur der übliche Massenmarkt-Mainstream-Rotz, den man an Eltern und junge Leute verkauft, die zwischen Schule und Fußball-Training was Zocken wollen. Was ja in Ordnung ist, wenn man die eigene Baggage ruhigstellen muss und zwischen Schule und Fußball-Training nur sinnlos die Wand anstarren kann. NATÜRLICH gab es dort keine Spiele mehr für meinen absonderlichen, eingebildeten, pseudo-elitären Hipster-Geschmack. Ich bin in solchen Läden kein Kunde mehr, gleichgültig wie viele Kerrigan-Figurinen man ins Schaufenster stellen wird. Ich bin nicht mehr Spiele-Käufer, sondern Lizenz-Käufer. Ich erwerbe Nutzungslizenzen, keine Spiele mehr.

Von daher war das insofern ein faszinierendes Erlebnis, weil mir immer noch nicht klar ist … bin ich hier das Relikt oder ist es Gamestop?

Abgehakt – Update

Am Wochenende habe ich endlich Final Fantasy 13 beendet. Vor zwei Jahren gekauft, irgendwann angefressen liegengelassen. Jetzt wieder aufgegriffen.

Mit Hilfe eines Trainers.

Weil ich keinen Bock mehr hatte Crystallarium Points zu grinden, damit meine Party wenigstens den Hauch einer Chance gegen diverse Bosse hat, deren Schwierigkeitsgrad aka Unfairness sich noch derber von den Trashmobs des restlichen Spieles unterscheidet als sonst innerhalb dieser Serie.

Wenn die Bosse nicht total stupide einfach zu besiegen sind, während man mit der einen Hand telefoniert und mit der anderen Hand am Controller eine, manchmal noch eine zweite Taste drückt. Wie ich das unter anderem mit dem da unten getan habe … ohne vorher zu grinden. Das Gespräch war gut, der Kampf irgendwann zu Ende.

barthandelus_first_incarnation

Balancing ist nicht wirklich eine Stärke von FF13.

Gut, bis auf das Art Design und den Soundtrack hat FF13 keine anderen Stärken, verdammt viele Schwächen und jede Menge nicht zu Ende gedachter Gameplay-Features, die gedankenlos im ganzen Spiel verstreut sind.

Aber selbst mit dem Trainer hat das keinen Spaß gemacht. Weil die Storypräsentation unter aller Kanone ist. Weil mir die Charaktere am Arsch vorbeigehen. Weil ich nicht wirklich wissen wollte, warum und wieso das alles überhaupt.

Ja, FF13 IST das mit Abstand schlechteste Spiel dieser Serie.

Ein anderer Grund zur Trainer-Verwendung ist der Umstand, dass Walkthroughs für dieses Spiel größtenteils nutzlos sind. Weil es nicht wirklich hilfreich ist, wenn man EXAKT das tut, was in Walkthroughs steht, nur um doch ständig ins Gras zu beißen. Wenn in Foren sich teilweise widersprechende Strategien und Vorgehensweisen stehen, die aber nicht falsch sein müssen. Denn es ist letztendlich vollkommen WURSCHT, welchen Char man mit welcher Paradigm-Kombination und Ausrüstung antreten lässt. Das lächerliche Crafting braucht man auch nicht.

Um in FF13 zu gewinnen, braucht man nur Sturheit. Um stunden-, tage- und wochenlang stupide vor sich zu grinden, CPs zu sammeln, damit bei den Charakteren die Basis-Werte in die Höhe zu jagen. Mit etlichen hundert HP mehr lassen sich ehemalige One-Hit-Kill-Attacken der Bosse locker-lässig aussitzen, während man seine Standardattacken fährt und sich gelegentlich heilt. Hmmm, war das in der Serie eigentlich je anders?

Das ist keine Kunst, das erfordert kein Können, das erfordert nur stures Ausharren. Deswegen … Trainer!

Aber egal. Jetzt kann ich dieses Spiel endlich vom Pile of Shame nehmen und ins „Abgehakt“-Regal stellen. Nicht aus Spaß und mit Freude, sondern wegen Trotz und LeckMichDochAmArsch-Haltung.

Ok! *seufz*

One down, a LOT more to go 🙂

Update: So, nach ca. vier Stunden mit FFXIII-2 kann ich nur eines sagen … warum zur Hölle nicht gleich so? Das ist nicht mehr eine dezent interaktive Graphik-Demo, sondern ein vollwertiges FF-Spiel mit allem Drum und Dran, was man von einem FF-Spiel der Hauptserie erwartet. Schneller Einstieg, es geht ruckzuck zur Sache, man quatscht wieder haufenweise NPCs an, man erkundet, man erfüllt Nebenquests. Das macht aus dem Spiel zwar bei weitem kein The Witcher, aber es ist so unglaublich viel besser als der Vorgänger. Und Dank eines exzellenten Soundtracks macht sogar das unvermeidliche Grinden Spaß, weil man den begleitenden Ohrwurm im positiven Sinne nicht aus dem Gehörgang bekommt.

Classy

Normalerweise kann ich mit dem kulturellen Phänomen von Let’s Plays und schnappatmenden Jungspunden, die voller Energie und Leidenschaft und oft genug in direkt umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrem Wissen über Videospiele im Allgemeinen wie im Besonderen ihre Videos produzieren, nur wenig anfangen.

Sonderlich stören tut mich das aber auch nicht, weil … äh, wieso sollte es?

Von daher ignoriere ich der Einfachheit halber diesen Bereich unseres umfangreichen Hobbies. Bis auf die wenigen Ausnahmen, welche üblicherweise die Regel bestätigen. Keine Regel ohne Ausnahme und wenn eine Regel keine Ausnahme kennt, ist es logischerweise keine Regel 🙂

Eine dieser Ausnahmen ist Jim Fucking Sterling Son, Jim Sterling. Seines Zeichens lang gedienter Spiele-Journalist, Ex-Redaktionsleiter bei Destructoid, Freelancer für The Escapist und Kämpfer für eine bessere, schönere Spielewelt. Wider die Gier und Skrupellosigkeit der großen Majors, wider die Gier und schier unfassbare Inkompetenz kleingeistiger Küchentisch-Entwickler, für gute Spiele und faire Anbieter.

Jim Sterling befand sich seit über einem Jahr in juristischen Auseinandersetzungen mit einem Indie-Entwickler, der sein kümmerliches Brot damit verdient hatte billig zusammengeschluderte, abscheuliche Asset-Flips auf Steam einzustellen, deren Qualität in direkt umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Streitlust und Unfähigkeit mit Kritik umzugehen, einher ging. „Ging“, weil Valve alle Spiele dieses Entwicklers aus dem Katalog entfernt hatte, nachdem der Entwickler meinte über 100 Steam-User verklagen zu müssen, die sich erdreistet hatten selbigen Entwickler für seine abscheulichen, greuslichen Asset-Flips zu kritisieren.

Der Rechtsstreit Romine (so heisst der Entwickler) vs. Jim Stanton (das ist Herr Sterlings bürgerlicher Name) ist gestern aussergerichtlich beigelegt worden. Der Kläger nimmt alle Vorwürfe zurück und verpflichtet sich, diese Vorwürfe auch nicht mehr in einem anderen Kontext gegen den Angeklagten vorzubringen.

Das ist ein Grund zur Freude, weil es nicht angehen kann, dass schmierlappige, charakterlich unterentwickelte Entwickler meinen mit der juristischen Keule jedwede Kritik an ihren üblen Machwerken kleinhalten zu können.

Aber weil Jim Fucking Sterling Son das hat, was viele seiner Branchen-Kollegen nicht haben, nämlich Class & Style, zelebriert er in seiner Stellungnahme zum Ende der Rechtsstreitigkeit keinen Freudentanz inklusive Häme und Schadenfreude in Richtung des Klägers, sondern … ja, lest es selbst:

A Statement Regarding Romine v. Stanton’s Dismissal With Prejudice

Thank God for him!