Isses mal wieder soweit.
Die Monate huschten nur so an uns vorüber und war es nicht erst gestern, als wir beim Aufräumen der Silvesterpartyreste gleich all den Weihnachtsabend-Kram mit entsorgt haben?
Nein, das war nicht gestern, das war letztes Jahr. Du weißt doch, diese eine Jahr da, welches man nach christlicher Zeitrechnung gemeinhin als Jahr 2010 nach Christi Geburt bezeichnet hat.
Ach, DAS Jahr meinst Du? Hmm, stimmt, da war noch was. 2011 war da noch …
Wenn man mich fragen würde, was mein "Spiel des Jahres 2011" wäre, ich würde diesmal nicht erst großartig mit dem Überlegen anfangen müssen, gab es da doch nur deren zwei, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Das eine Spiel ist “Unepic” und das andere Spiel ist "Harveys Neue Augen". Keines von beiden ein typisches “Spiel des Jahres”, aber beide spaßig und gut genug, dass ich von vorne bis hinten damit meinen Spaß hatte und habe. Das neue “Deus Ex – Human Revolution” wäre zwar ein sicherer Kandidat für mein Spiel des Jahres gewesen, doch leider ist es dank Steamworks ein sicherer Kandidat für einen Kaufpreis unter 10 Euro geworden. Was es vielleicht zu meinem Spiel des Jahres 2012 oder 20123 macht. Geduld ist bekanntlich eine Tugend.
Der Rest des diesjährigen Neuangebotes besteht deswegen nicht zwangsläufig aus belanglosen Pixelhaufen, aber da ich dieses Jahr die Zockerei zum Teil ganz gewaltig nach hinten geschoben habe, kann ich nur zu den Spielen aus dem Jahr 2011 Stellung nehmen, die ich tatsächlich gespielt habe. Wobei ich auch nicht sagen würde, dass ich grundsätzlich keine aktuellen Spielen mehr spielen möchte (also nicht mehr NICHT als in den letzten Jahren), sondern dass mir in diesem Jahr die nötige innere Ruhe, Ausgeglichenheit und Muße gefehlt hat, um mich Spielen in dem Ausmaß zu widmen, welches Spiele eben erfordern. Weil Spiele != TV glotzen!
Es gibt auch nur wenig Spiele des Jahres 2012, auf die ich besonders gespannt bin. Konkret fallen mir nur ein: Torchlight 2, Legend of Grimrock, Grim Dawn (falls es zu einem 2012er-Release kommt) und ja, sogar auf Diablo 3 bin ich gespannt. Selbstverständlich rein platonisch, auf einer ausschließlich intellektuellen, professionellen Ebene natürlich *hust*. Was auch hier nichts direkt mit dem Rest des kommenden Angebotes zu tun hat, sondern mit meinen immer größer werdenden Wissenslücken über den aktuellen Stand kommender Projekte. Schlimm finde ich das nicht, da ich auf diese Weise immer angenehm überrascht werden kann, wenn dann doch ein Spiel auf Erden aufschlägt, welches ich gar nicht auf der Rechnung hatte. Unwissenheit kann (aber auch nur manchmal) ein Segen sein!
Von daher empfand ich den Rest des sonstigen Geschehens im Spielejahr 2011 auch als nicht weiter aufregend. Manches auf jeden Fall erwähnenswert, aber aufregen? Why? Ein wenig erstaunt war ich zB. als sich ein “CoD Modern Warfare 3” SCHON WIEDER besser verkaufte als der Vorgänger und mittlerweile die Milliarden-Umsatzgrenze geknackt hat. Nicht wirklich überrascht mich der enorme Erfolg eines “Skyrim”, wobei mir das Spiel zwar immer noch am Allerwertesten vorbeigeht, dieser Erfolg aber GUT ist, da Skyrim klar das kommerzielle Potential aufwendig produzierter, reiner SP-Spiele aufzeigt. Zugegeben, dass alle RPGs nach Skyrim wie Skyrim aussehen müssen, weil Skyrim sich ja so gut verkauft hat, ist dann die Kehrseite der Medaille, aber man kann von den Majors schließlich nicht erwarten, dass dort angefangen wird selber zu denken. Ein DRM für Gameplay-Modelle/Genres wäre der sichere Tod dieser Copycat-Branche.
Weniger schön war das Jahr 2011 für etliche Ex-Mitarbeiter von zb. Gameforge und anderer Studios, die nicht gehen mussten, weil sich ihre Spiele so schlecht verkauft haben, sondern weil das Management entweder planlos herumdilletierte oder ganz eiskalt Arbeitskräfte wie seelenloses Werkzeug behandelte, welches man in die Schublade packt, wenn man es gerade nicht braucht. Wir haben erlebt, wie ein Rumpf-Team von Bioware den "Awesome-Button" für “Dragon Age 2” erfand, um sich nicht mehr der Mühe hingeben zu müssen gescheite Spiele zu produzieren und wir haben erlebt, wie auf dem PC die Indies auch Dank der großen Hilfe von Valve ihren Aufstieg festigen und fortsetzen konnten. Wir haben erlebt, wie EA gerne Valve kopieren möchte und wir haben erlebt, warum das wohl funktionieren wird, weil es genug Kunden scheissegal ist, unter welchen Rahmenbedingungen sie zocken, Hauptsache sie können zocken. Denn bei EA hat man während des Theaters um Origin wohl nur mantra-artig wiederholt: "Sie haben Steam auch zuerst gehasst wie die Pest und nun beschimpfen sie uns, weil wir Battlefield 3 nicht auf Steam verkaufen. Origin kann nichts anderes als ein Erfolg werden!". Ich muss EA hier leider Recht geben … Gamer sind größtenteils willenlose Konsumsklaven, emotional abhängige Spiele-Junkies, die für ihren Fix alles tun, auch wenn sie sich insgeheim vor sich selbst ekeln, weil sie ganz genau wissen, wie falsch ihr Handeln ist.
Das ist auch teilweise der Grund, warum ich bei Nachrichten von beinahe pleitegehenden Browserspiel-Herstellern wie Gameforge nur formales Mitleid empfinde. Denn richtig Kohle kann man bei diesen Spielen nur machen, indem man die Spieler anfixt und sie dann gnadenlos mit Micropayment und Item-Shops ausnimmt. Gamedesigner gibt es bei diesen Herstellern nur noch dem Namen nach, in Wirklichkeit sind es Geld-Akkumulierungs-Optimierer, die mit Hilfe psychologischer Fachkenntnisse so gezielt menschliche Belohnungsmechanismen ansprechen und ausreizen, dass ich persönlich keinen Unterschied mehr zwischen Drogendealer und Spielehersteller sehe. Man macht den Spieler süchtig, um ihm Geld aus der Tasche zu ziehen. Man lockt ihn mit F2P an (Ey, willse mal ‘n Schuß?) und führt ihn dann durch verschiedene Formen des Abgezocktwerdens. Je unauffälliger, desto besser, desto gewinnbringender. Und spricht man diese Leute auf die nicht nur möglichen, sondern tatsächlichen Folgen solcher Sucht-Spiele für Jugendliche und Erwachsene an, verbünden sich skrupellose Spiele-Hersteller und ihre Drogenkundschaft, um jede Form der Mitverantwortung vehement von sich zu weisen. Die einen wollen nicht zugeben, dass sie die Spieler absichtlich süchtig machen und die anderen wollen nicht zugeben, dass sie abhängig sind. Was mir in diesem Jahr so deutlich wie nie zuvor aufgefallen ist.
Was wünsche ich mir dann für nächstes Jahr?
Weltfrieden? Occupy Activision? Endlich den ganz großen Videospielcrash?
Das erstere immer, das mittlere ist unnötig, weil das letztere auch ohne meine Wünsche heimlich, still und leise über die Bühne gehen wird. Denn was glaubt ihr, was sagt die Konkurrenz über den Erfolg eines MW3 oder Skyrim? "SCHEISSE!" sagt man da, weil der Markt mittlerweile seine Wachstumsgrenze erreicht hat und sich immer mehr Kunden auf immer weniger Spiele verteilen. Jeder kommerziell erfolgreiche Titel kannibalisiert direkt und unmittelbar die Konkurrenz. Wir werden in den nächsten Jahren erleben, wie eine Reihe heute noch großer und bekannter Majors den Bach runtergehen werden, nicht auf Grund eines klassischen Crash, sondern als Folge einer stetig voranschreitenden Marktkonzentration.
Also, was wünsche ich mir WIRKLICH für nächstes Jahr?
Weltfrieden! *michael jackson_heal the world_gezimbel* Und dann etwas mehr entspannte Muße und Ruhe, damit ich mich wieder besser den Spielen widmen kann, die es wert sind, dass man sich ihnen widmet. Vielleicht nicht mehr mit so vielen Titeln wie das früher noch der Fall war, aber hoffentlich bei einigen wenigen umso ausführlicher.
Und Euch, Euch wünsch ich auch was. Aber so was von!