Zu Beginn möchte ich mich vielmals beim CEO von SEGA entschuldigen:
*30° verbeugung hinleg*
“Gomen nasai, Satomi-san!
Bedauerlicherweise habe ich in den letzten Tagen angenommen, Ihre ehrenwerte Firma sei der Alleinschuldige beim aktuellen Desaster-Release von “Aliens: Colonial Marines”. Das tut mir ganz aufrichtig leid! Dieser Unwürdige hier ist es nicht weiter wert in Ihrer Gegenwart zu verweilen!”
*30° verbeugung aufrechterhalt, sich rückwärts aus dem raum entfern*
Ich muss zugeben, dass ich die Entwicklung dieses Spieles nach dem Abbruch des Aliens-RPGs von Obsidian nicht weiter verfolgt habe. Aber schon in Vorfeld sind Gerüchte aufgekommen, dass A:CM sich anscheinend in der Developement Hell befindet und das bislang erreichte Ergebnis qualitativ keinen Ansprüchen genügen würde. Nun, die Monate verstrichen und angesichts der Qualität eines Borderlands und Borderlands 2 sah man A:CM bei Gearbox in guten Händen. Über DNF sah man gnädig hinweg, war ja die Schuld von Broussard & 3DRealms. Der Herr Pitchford hat dann auch kräftig die Werbetrommel für A:CM gerührt, es wurden schicke Trailer gezeigt und die Gamer konnten erfolgreich aufgehyped werden. A:CM belegte auf Steam schon im Vorverkauf hohe Chartplätze.
Nun, was dann vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, war scheinbar Mist. Schrott. Schrunz. Ein Metascore von mittlerweile deutlich unter 50%, was angesichts des Genres und des Settings und der Vorherrschaft von US-Magazinen und dem Geschmack der US-Gamer eigentlich nur heissen kann, dass A:CM eine Katastrophe auch für die Leute ist, die sonst *hüstel* andere Maßstäbe an ein Spiel legen.
Wer war Schuld? Vorschnell schob ich SEGA den Schwarzen Peter zu, weil SEGAs ständige Einmischungen Mitschuld am kruden Stückwerk eines ansonsten vielversprechenden Alpha Protocol sein sollen. Auch weil AvP3 dumpfe Grütze war, die ich nach nur wenigen Minuten Antesten der Antestversion mit hochgezogener Augenbraue und herabgezogenen Mundwinkeln de-installiert hatte. Diese Vorverurteilung war ein Fehler. Mea culpa!
Aliens: Colonial Marines – Was lief hinter den Kulissen?
Es sind mittlerweile genug Berichte aus verschiedenen Quellen aufgetaucht, welche das im obigen Artikel beschriebene Geschehen glaubhaft machen.
Mich erinnert die nun folgende Schlammschlacht an das Debakel um “Breed“, das ich selber teilweise hinter den Kulissen verfolgen durfte. Auch hier gab es einen vielversprechenden Prototypen, der sogar diverse Vorab-Awards abgeräumt hatte. Es gab einen zahlungswilligen Publisher, es gab einen engagierten Entwickler. Fast vier Jahre später gab es ein Desaster von Spiel, einen unzufriedenen Publisher, einen Amok laufenden Entwickler. Die von Brat Design abgelieferte Version war so übel, dass CDV damals mit Hilfe eigener Kräfte versucht hat noch zu retten, was zu retten war. Texturen wurden überarbeitet und neu erstellt, die SP-Kampagne überarbeitet und meines Wissens wuren auch etliche Sounds entweder neu erstellt oder massiv überarbeitet. In der Zeit, in der Brat Design eigentlich an der Fertigstellung des Spieles hätte arbeiten sollen, hat man mit dem Geld der letzten Milestone-Zahlung an einem Prototypen für einen anderen Publisher gearbeitet. Nach dem Release behauptete Brat Design, CDV habe eine qualitativ minderwertige Version veröffentlicht, weil die Goldmaster von Brat Design viel besser gewesen sei. CDV antwortete darauf, dass Brat Design gerne Ausschnitte aus dieser angeblich besseren Version veröffentlichen kann. Die Schlammschlacht in den User-Foren entpuppte sich schnell als Neuauflage des 2. Weltkrieges, weil Brat Design sich nicht zu schade waren, übelste Klischees und Nationalismen zu verwenden um als englisches Bulldog-Studio Stimmung gegen den deutschen Nazi-Publisher CDV zu machen. Was nicht verwundert, hat man den von CDV hingeschickten Producer bereits im Vorfeld mit übelstem Nazi-Mobbing fast weichgekocht.
Da ich nicht annehme, dass Gearbox aus finanziellen Gründen dichtmachen muss, kann es gut sein, dass hier noch ein gerichtliches Nachspiel kommt, welches im Falle Brat Design vs. CDV leider ausgefallen war.
Ich schimpfe ja gerne auf idiotische Publisher. Dabei sollte man aber nie ausser Acht lassen, dass es Entwickler gibt, deren Geschäftsgebahren und Verhalten noch übler ist. Randy Pitchford von Gearbox habe ich schon vorher in eine Reihe mit Cevat Yerli und andere Dampfplauderern gestellt. Nun bin ich fast geneigt ihn in einer Reihe mit Katastrophen-Entwicklern wie Brat Design zu stellen. Doch lieber nehme ich mir noch etwas Popcorn und schaue zu, wie sich das alles weiterentwickelt. Denn ein Nachspiel hat die ganze Sache noch. Garantiert!
Und ein Gutes hat die Sache auch. Erneut haben einige Leute gelernt, dass man Spiele nicht pre-ordern sollte
Übrigens, am Wochenende werde ich einige nette Dinge über “Krater” schreiben. Die Spielewelt besteht zum Glück nicht nur aus Flitzpiepen und Vollidioten.