Spiel mit mir

Jetzt hat es gestern doch extra geregnet. Und sogar gewittert. Los, spiel doch mit mir. Guck doch mal …

nehrim_rain

Da regnet es auch grade. Und ist dunkel. Und sogar im Wald. Schön kühl.

Los, spiel doch mit mir …

Nö.

Wie “Nö.”?

Nö.

Aber, aber, das gefällt Dir doch. Da. Das da. Das Nehrim da.

Ja, schon. Ich will dennoch nicht.

Warum das denn? Hab ich die Krätze? Is mein Keyboard zu dreckig? Dann putz mich halt!

Nee, es liegt nicht an Dir. Ich bin es. Es liegt an mir.

Jaja … *nöhl* … das sagen sie alle. Und gleich fängst Du an mit “Lass uns doch Freunde sein!”. Du Arsch!

Es tut mir leid, ehrlich …

QUATSCH! Es tut Dir gar nicht leid! Du willst doch bloß lieber draussen mit den anderen Schlampen rumhängen und bist bloß zu feige mir die Wahrheit zu sagen. Du widerst mich an! Ich will Dich nicht mehr sehen! HAU AB!!!

*paff*

Mir die rotgefärbte Wange reibend bin ich verdammt froh, dass Computer doch nur eine seelenlose Ansammlung aus Blech, Plastik, Erden und Metallen sind. Nicht auszudenken, meine Rechenkiste hätte tatsächlich so etwas wie eine KI oder ein eigenes Bewusstsein. Der Sommer wäre die Hölle! Und ständig würde im Biergarten das Handy klingeln und mein Rechner würde wissen wollen, wo ich denn jetzt wieder stecke und warum ich nicht zu Hause bin und überhaupt …

Ey, Wichser! Denk bloß nicht dran, jetzt zu mir zu kommen und bei mir Deinen Spass zu haben. Ich hab vorhin mit Deiner Frau telefoniert und sie hat mir alles gesteckt. Du bist widerlich! Und angerührt hast Du mich im letzten Vierteljahr auch nur zum Staubabwischen. Glaub ja nicht, dass ich für Dich nochmal die Bildschirme breitmache. Du Lusche!

Awww fuck, jetzt fängt mein DS auch noch an …

Ausrüstungsmängel

Es ist peinlich zugeben zu müssen, dass sich, gerade bei mir als altem Pen&Paper-Veteran, in meinem Haushalt derzeit weder ein vernünftiger Bleistift, noch ein Radiergummi oder gar ein benutzbarer Bleistiftspitzer auftreiben lässt. Papierbögen finde ich nur im Druckerfach und Schreibutensilien nur in Form von angemackten Werbekugelschreibern und halbvertrockneten Faserstiften.

Ich habe mich zu sehr an diesen blöden Digitalkram gewöhnt. Dammich!

Vorhin bin ich also extra losgetigert, um mich im Büroartikelgeschäft meines Vertrauens mit allen Utensilien einzudecken, die man eben so braucht, um ein Spielbuch wie die Neuauflage von “Einsamer Wolf” stilvoll zelebrieren zu können.

Immerhin habe ich noch meine Würfel gefunden. Yay, back to the roots!

Und wenn ich die Muse finde, mir die Might&Magic-Collection auf GOG.com anzutun, dann hole ich mir auch extra wieder Karopapier für’s Manual-Mapping. Nicht umsonst will ich etliche Semester Kartographie (mit Abschluss) studiert haben. Hah!

MfG, ihr Dipl. Ing (FH) Kartographie

Wenn der Strom ausfällt

Wenn der Strom ausfällt, dann schauen wir Wohlstandskinder, Nerds und verweichlichten Videospieler ganz schön blöde aus der Wäsche. All unsere Rechner und Bildschirme und Konsolen und Monitore funktionieren nicht mehr. Die Netzteile unserer Gadgets und Handhelds und Handys können nicht mehr aufgeladen werden. Es ist zu spät, um sich einen Notstromgenerator zu bestellen und eine in den oberen Atmosphärenschichten detonierte Atombombe hat mit ihrem EM-Puls auch dauerhaft dafür gesorgt, dass alle nicht gut abgeschirmten elektronischen Geräte kapott gegangen sind. Alternativ könnte man auch zufällig in ein Zeitloch gefallen sein und an einer Stelle des RaumZeit-Kontinuums wieder herauskommen, wo es vielleicht elektrischen Strom geben würde, es aber noch keine Videospiele gibt. Dann stellt man aber fest, dass man (mal wieder) das Netzteil für den Handheld in der eigenen Zeit vergessen hat und zählt bibbernd die Stunden, bis zB. der DS das rote Lämpchen leuchten lässt.

Was also tun, wenn wir nicht mehr vor der Kiste hocken können?

Stricken? Singen? In ein Kloster eintreten? Nein, soweit muss es nicht gleich gehen. Habe ich schliesslich in den 80ern auch nicht getan, als es weit und breit keine Runde mehr für ein zünftiges DSA-Abenteuer gab, andere Spiele langweilig waren und ein C64 aus finanziellen Gründen ausschied. In dieser, für dieses Alter durchaus existenziellen Notlage, stieß ich eines Tages im örtlichen Buchladen auf DAS HIER!

Joe Dever’s legendäre Spielbuch-Reihe “Einsamer Wolf”. Die nachspielbaren Abenteuer des Letzten der Kai. Rollenspiel für Solisten. So mit Charakterbogen, Inventory-Übersicht, Kampfblatt. Mit Würfeln und Lederbechern und dem wunderschön klingenden Klappern der Würfel im Lederbecher. Zwölf Bände sind damals beim Goldmann Verlag erschienen und alle zwölf befanden sich in meinem Besitz. Dazu kam die vierteilige “Silberstern”-Serie von Joe Dever. Wunderschöne Spielbücher. Schöne Illustrationen, eine überzeugende und stimmige Welt, ein simples und eingängiges Spielsystem und vor allem, eine spannende und gute Story. Andere Spielbücher, wie das nicht ganz unbekannte “Der Hexenmeister vom flammenden Berg” aus Steve Jacksons “Fighting Fantasy”-Serie konnten da nicht mithalten. Der Einsame Wolf war der König dieses Genres.

Und gleichzeitig auch Geschichte, denn Rollenspiele finden nun am Computer statt und alle paar Jahre findet sich eine Runde für einige entspannte PnP-Abende. Es reut mich zwar etwas, dass ich vor einigen Jahren alle zwölf Taschenbücher verkauft habe, doch dieses Kapitel in meinem Spiele-Lebenslauf war abgeschlossen. Bis vorgestern …

Vorgestern bin ich zufällig (wirklich, ehrlich, aufrichtig) auf den Manticor-Verlag gestoßen und habe nicht nur erfahren, dass Joe Dever die “Lone Wolf”-Serie überarbeitet und neu auflegt, sondern dass von dieser überarbeiteten Neuauflage der erste Band bereits in Deutschland erschienen ist. Spontan beschloß ich 15 Öhre zum Fenster rauszuwerfen und eben kam der Postbote vorbei.

Hrhrhrhrhr …

Großformatiges Taschenbuch, über 400 Seiten, neue Illustrationen, neue Handlungsabschnitte.

Mit dem Großformat kommt auch der Großdruck in einem angenehm zu lesenden Font.

Auf der Verlagsseite gibt es die farbige Karte Nord-Magnamunds, das Aktionsblatt und Kampfprotokoll als PDF zum Download.

Und nächsten Monat erscheint Teil 2 “Feuer über den Wassern”

Was wartet ihr noch? Los, hopphopp, aufauf. Wenn nicht für Euch, dann vielleicht für rollenspielliebende Bekannte, Freunde, Angehörige oder Lebensabschnittsgefährten. Das ideale Weihnachtsgeschenk. Zusammen mit einem repräsentativen Lederbecher und zwei schönen W10’s. So unterstützt ihr auch noch den lokalen Spieleladen!

Disclaimer:
Horsche mol, isch kenn den Verlag gar ned. Oder den Typ von dem Verlag do. Isch krieg auch koi Geld für denne Blogoitrag. Ja, isch weeß, selba Schuld! Aber so isses hald.

Die spinnen, die Russen …

Angeblich irgendwo bei Leningrad. Ein Live-Rollenspiel. Aber ohne Plastik-Ohren-Elfen und Schaumgummi-Masken-Orks. Neihein! Viel, VIEEEEEEEEEEEL besser …

Fallout 2 As A Live-Action RPG


Hell, yesssss!

Und jetzt betrinke ich mich stilvoll mit Wodka und hänge wehmütig-melancholisch Erinnerungen nach, als ich früher ebenfalls mit Gewandung auf dem Körper und Irrsinn im Blick diverse Burgruinen in Deutschland unsicher gemacht habe … *schnüff*

Anyway, meine Gratulationen an die Kreativität und die Energie derjenigen, die von solchen Dingen nicht nur träumen, sondern sie auch umsetzen!

Spielerisch Geld abbauen

Ja, ich überlege mir derzeit, ob ich mir nicht einen Ultraobermotz-Gaming-PC unter den Schreibtisch stelle. Auch überlege ich mir, ob ich diesen PC-Kack nicht einfach PC-Kack sein lassen und stattdessen einen Teil meines unverdient erworbenes Vermögens nicht in eine feine Konsole und einen vernünftigen Bildschirm stecken soll.

Aber da gestern der Herr Timberfox13 so Worte wie *kreisch*Tabletop” fallen ließ … DAS wäre auch eine durchaus überlegenswerte Alternative, um den Privatkonsum in diesem Land um einen kleinen Betrag anzuheben. Denn da mein erster Kontakt mit Computerspielen nicht so beeindruckend verlief und ich auch irgendwann begriffen hatte, dass ich für die meisten der damals vorhandenen Spiele einfach nicht die Ausdauer und Reflexe mitbrachte … hatte ich mich kurzerhand umorientiert und dieses komische Computerdingens sein lassen. Es kam eh der große Videospiel-Crash von 1983 und der Zusammenbruch des Homecomputermarktes. Blödes Elektronik-Gedaddel da!

Ich habe mich daraufhin mit anderen Spielen beschäftigt. Mit Pen&Paper-Rollenspielen. Mit sog. Briefspielen (PBMs, Play by Mail), in denen monatlich Zug um Zug an den Spielleiter geschickt wurde, während man die darauf folgende Woche nägelkauend auf die Auswertung wartete. Es wurde brettgespielt, geTrivialPursuit und gemonopoliet auf Teufel komm raus. Es wurde in die Welt der TableTops abgetaucht und erste Schritte im Warhammer-Universum unternommen. Auf Cons wurde Bloodbowl als DAS ultimate Funspiel entdeckt. Battletech machte sich zaghaft in Deutschland breit. Noch mit den schönen GUTEN Mech-Designs, die man nach der Klage der Macross-Rechteinhaber leider zugunsten dieser öden Clan-Omnimechs in die Tonne treten musste (ich will meinen Maraudeur wieder! *heul*). Und dann folgte noch sowas komisches wie Live-Rollenspiel, wo mich nur ernsthafteste finanzielle Engpässe davon abhalten konnten, hier voll einzusteigen.

Wer bitte, braucht schon diesen doofen Computer, um mit Spielen eine Menge Freude zu haben?

Doch alles kommt wie immer anders, als man denkt.

Brettspiele habe ich heute kaum noch. Das Doom-Brettspiel (basierend auf SpaceQuest , vor zwei Jahren in einem heftigen Nostalgieanfall gekauft), dümpelt auch nur eindrucksvoll im Wohnzimmerregal vor sich hin und die unzähligen Male, in denen ich mir mit einem Bloodbowl-Veteran vorgenommen habe, doch ENDLICH wieder eine Runde … *seufz*

All die anderen Brettspiele haben sich im Zuge diverser zwischenmenschlicher Verwerfungen zusammen mit der damaligen Freundin in Wohlgefallen aufgelöst. Spiele per Post gibt es nicht mehr. Hier und da dümpeln noch einige PBeMs (play by eMail) halb verfallen vor sich hin und nur wenige Anbieter und Spiele haben den Sprung in die Browsergame-Zeit geschafft. Und um das Maß voll zu machen, ist im Laufe der Jahre auch jeglicher Kontakt zur Live-Rollenspiel-Szene abgebrochen. Lebendig und vital ist sie heute immer noch … aber ich kenne dort keine Sau mehr! Immerhin gibt es derzeit wieder ein wenig Pen&Paper-Spass mit Shadowrun.

Ja, ich könnte mir wirklich wieder ein wenig TableTop geben. Es gibt meines Wissens in Karlsruhe eine recht quirlige Szene. Ich könnte mir wieder feine Brettspiele ins Regal stellen, damit die Rollenspiel-Runde sich trotzdem treffen kann, auch wenn ein Mitglied terminlich nicht kann und das Abenteuer ausnahmsweise ruhen muss. Ich könnte mich zB. auf die Suche nach “Civilization” machen, DER großen Brettspiel-Vorlage für Sid Meiers eigenes Spiel, auch wenn er dies selbst vehement betritt. Ach, wie habe ich dieses Spiel früher geliebt. Und wie grün ärgere ich mich, weil ich vor Jahren auf einem Flohmarkt einfach daran VORBEI (!!!!) gelaufen bin, weil ich in diesem Moment kein Geld und auch kein Interesse mehr an Brettspielen hatte. Jetzt kann ich froh sein, wenn ich auf irgendwelchen Sammlerbörsen diesen Titel in leidlichem Zustand für zT. dreistellige Summen kaufen darf.

Ich glaube, ich muss mir das mit dem Ultraobermotz-Gaming-PC noch mal in aller Ruhe sorgfältig überlegen … *hmmm, so einige feine brettspiele mit immenser, tonnenschwerer ausstattung, hmmm*

L’internet? C’est tres magnifique!

Normalerweise bricht eine Rollenspielrunde auseinander, wenn das einzige Mitglied, welches ein bestimmtes System leiten kann, zB. aus beruflichen Gründen in die Ferne zieht. Die Wahrscheinlichkeit, dass man in der selben Stadt/Region einen neuen Master findet, steigt zwar mit der Beliebtheit eines bestimmten Systemes, scheitert aber oft nur daran, dass man sich mit einem neuen Spielleiter nicht versteht (und vice versa) oder man einfach keine Lust hat, diverse “Fremde und Aussenseiter” in die Runde aufzunehmen. Rollenspiel ist schliesslich ein durch und durch soziales Ereignis.

Früher (tm) bedeute so ein Wegzug also oft das Aus für eine Runde.

Heute jedoch, heute sind wir mit der wundervollen Erfindung des Internets und bezahlbarer, leistungsfähiger Flatrates gesegnet, welche es uns ermöglicht eine Live-Verbindung mit Bild und Ton über den Ärmelkanal zu legen. Skype macht’s möglich.

Gut, perfekt war das nicht, so dass wir schnell nur noch via Audio-Stream kommuniziert haben und die Kamera nur zum Verdeutlichen von zB. Spielerpositionen auf der Karte des Missionsgebietes benutzten, aber zu meiner großen Überraschung hat das alles sehr, sehr gut funktioniert. Alle haben sich etwas am Riemen gerissen und nicht (wie sonst üblich) wild durcheinander geredet, so dass der Abend zum Schluss so richtig spielerisch-produktiv verlief.

Und das Tüpfelchen auf dem I war dann noch der Umstand, dass der Spielleiter mit Hilfe von Google Maps genauere Beschreibung der tatsächlichen geographischen Gegebenheiten in Seattle machen konnte.

Ja, früher (tm) hätte es sowas nicht gegeben. Da wären wir alle traurig auseinander gegangen.

Heute jedoch, heute … :)

Schattenspiele – Intro

Folgende Zeilen können gerne übersprungen werden, wenn man sich nicht sonderlich für literarisch aufbereitete Rollenspiel-Abende interessiert, deren delikate Feinheiten doch meist nur Anwesenden voll zugänglich sind. Im Grunde nur ein kleiner Service für Urlauber und Zuspätkommer ;-P

“WAS? WAS SOLL MIT MEINER MUTTER SEIN?”

Speicheltropfen, groß wie Oliven zogen mit nahezu Überschallgeschwindigkeit an meinem Kopf vorbei. Wie durch ein Wunder bereiteten nur die kleineren Vertreter dieses besonderen Niederschlages, also erbsengroß, meinem Gesicht eine mittlere Schleimdusche. Nicht ausdenken, wenn eine der großen Fladen meine Nasenlöcher oder meinen Mund verstopfen würde.

“Neinnein, nicht Deine Mutter. Ich habe doch gar nichts von Deiner Mutter gesagt …”

“WENN DU NOCH EINMAL WAS ÜBER MEINE MUTTER SAGST, REISSE ICH DIR DEN KOPF VON DEINEM RÜCKGRAT … NACHDEM ICH BEIDE VOM REST DEINES KÖRPERS GETRENNT HABE!!!”

Diesmal gelang es mir etwas besser der Sinflut aus hochgewürgter Verdauungsflüssigkeit und Mundraumsekret auszuweichen. Dem Geruch nach in der Mittagshitze langsam verottenden Aas aus dem mit mächtigen Hauern bewehrten Mund konnte ich aber nicht so leicht entrinnen, geschweige denn noch länger meine Contenance wahren. Uralte Reflexe übernahmen die Herrschaft über meinen Körper und begannen meinen, ähm, Gesprächspartner nun seinerseits mit Flüssigkeit zu benetzen.

“HE!! ICH REDE MIT DIR … iiiiiiiiiiiiiiih!”

Wie ein kleines Mädchen kreischend versuchte der Troll meinen Magensäften auszuweichen, die in hohem Bogen seinen Overall besudelten.

Der Troll stolperte rückwärts in die hinter ihm aufgestellten Stühle und riß dabei die ganze Reihe aus der Bodenverankerung. Die Gelegenheit zu einer zünftigen Prügelei mit minderwertigen, schwächlichen Menschen nutzend, zerlegten seine beiden Kollegen kurzerhand die ganze Sitzreihe in handliche Prügelwerkzeuge, als ob die enorme Länge und Dicke der oberen Extremitäten dieses Metamenschen-Typus nicht schon alleine ausreichen würden, um den Raum und seine allmählich panisch werdenden Insaßen in handliche, kleine Fetzen zu verarbeiten. Irgendjemand stieß mich nach vorne, direkt in die Arme von Muttersöhnchen, der sich gerade aus dem Plastik- und Aluminiumtrümmern einer ehemaligen Sitzgelegenheit befreit hatte. Ok, Lothar, sagte ich mir, Du hattest ein schönes Leben. Nicht alles war perfekt, aber so im Großen und Ganzen … man sagt gerne, dass einem Menschen, in diesen Momenten kurz vor Erreichen des Ablaufdatums, das Leben in kurzen Bildern am inneren Auge vorbeizieht. Mag sein, dass dies so ist. Ich aber konnte mit meinen äusseren Augen nur noch auf die mit kleinen Bröckchen besetzte, durchnässte Brust eines Monstrums starren, welches meiner Wirbelsäule in den nächsten Sekunden Ausgang verschaffen würde …

Als die Wachmannschaften uns danach aus dem mittlerweile ausgehärteten DeMobilizer-Schaum geschält hatten, den der Seminarleiter wohl zum x-ten Male …

“Viermal. Viermal hatte ich heute Schaum vor dem Mund, hehehe!”

“Ja, danke Brain, danke …”

… nachdem der Seminarleiter im Laufe der heutigen Sitzung bereits zum vierten Male den Panik-Button auslösen musste, wurde der Termin dann doch auf Übermorgen verschoben. Wahrscheinlich musste man erst wieder die Tanks der Pacifier-Anlage auffüllen. Oder neues Mobiliar heranschaffen. Oder beides.

“Hehe, viermal heute, hehe. Schaum vor dem Mund, hehe!”

Vollkommen begeistert von seinem eigenen Witz und Charme würde Brain wohl erst wieder damit aufhören, wenn er von sich selbst genug hatte. Was länger dauern kann. Aber ich will mich nicht beschweren. Der stämmige, dezent übergewichtige Ork hatte mir bereits am ersten Tag des Seminars das Leben gerettet, als er meinen Kopf aus der ballistischen Flugbahn einer sehr, sehr zornigen Trollfaust gerissen hatte. Wer auch immer in der Bürokratenriege der Sozialbehörde von Seattle die Idee hatte, ein gemischt-rassiges Anti-Aggressionstraining unter Einbeziehung von Trollen zu veranstalten, hatte entweder noch nie einen Troll mit eigenen Augen gesehen oder war ein ausgemachter Sadist. Oder hatte einen Deal mit dem Lieferanten von Tagungsmobiliar und DeMobilizer-Schaum, was wohl der wahrscheinlichste Grund war.

Einen letzten Blick in die Verwüstung werfend, die einst, in glücklicheren Zeiten, Raum 211/2. Stock, Psychotherapie-Zentrum Auburn/North, Seattle darstellte, sah ich, dass wenigstens die Trolle eine Art Fortschritt erzielt hatten. Einem der drei wandelnden Kleiderschränke war es noch gelungen den Wandbildschirm, über den der Seminarleiter mit uns kommunizierte, aus seinen Fassungen zu reissen und in unansehnlichen Schrott zu verwandeln, bevor der Schaum aushärten konnte. Man muss alles positiv sehen, wie mein Vater, Gott habe ihn selig, Hohenzoll Senior immer zu sagen pflegte. Denn mehr als nur gute Miene zum bösen Spiel des Lebens zu machen, blieb uns Hohenzolls auch nicht mehr übrig, nachdem wir zuerst unseren Adelstitel, unseren vollen Namen an dreisten Geldadel, dann unser Vermögen und unseren Besitz in den Wirren des Erwachens, des Aufkommens der Meta-Menschen und der Rückkehr der Magie verloren hatten.

Immer alles positiv sehen! Auch wenn man kein Geld mehr hat, keinen Job mehr hat und bald auch keine Wohnung mehr hat, wenn nicht bald ein Deal über den Weg läuft. Gut, vielleicht hätte ich diesen Typen aus dem mittleren Management von Saeder-Krupp nicht die Nase brechen und ihn zusammen mit dem Mobiliar DURCH das Mobiliar seines Büros schleifen sollen … aber wer so dumm ist und seine Absicht, sich vor der Zahlung eines Kopfgeldes zu drücken, in dem man den Mietling an die Bullen verpfeifft, über eine ungeschützte Leitung an Gott und die Welt weitertratscht … ok, vielleicht habe ich überreagiert. Aber nur etwas. Immer alles positiv sehen!

So wie Schramath, den scheinbar nichts erschüttern kann. Der in aller Ruhe dasitzt und es über ganz drei Sitzungen vermeiden konnte die Trolle zu provozieren. Ich habe mich anfangs ernsthaft gefragt, warum er eigentlich an dem Seminar teilnehmen musste. Bis ich letztlich etwas genauer hingeschaut habe. Ständig in Bewegung. Seine Finger. Ständig. Immer etwas, was er auseinandernimmt. Oder zusammenbaut. Um es wieder auseinanderzunehmen. Und wieder zusammenbaut. Manisch! Bekloppt! Durch den Wind! Dennoch, er nahm mich bereitwillig in seinem Auto mit, als ich kaum noch Geld für einen Bus hatte. Fuhr sogar Umwege, um mich dort abzusetzen, wo ich wollte. Ich beschwere mich nicht. Könnte alles schlimmer kommen.

Heute abend treffe ich mich mit ihm und Brain in der Lieblingskneipe des Orks, im “Devils Head”, einer mit Sicherheit höchst eleganten Lokalität in den Redmond Barrens. Ich stelle vorsichtshalber die Akustikfilter meiner Audiotek-Implants nach und lade einen leichten Wagner -Remix in den Kopfspeicher. Wer weiß, welche Mißhandlungen dort aus den Boxen dröhnen …

to be continued … (keine sorge, Gekko wird schon noch passend eingebaut ^^)