Online-Accounts für SP-Spiele – Warum das eine tolle Idee ist!

Bleibt mir bitte vom Leib mit “Ach, scheisse, das ist aber ärgerlich!” oder “Haha!”.

Ich weiß, was ich tue und verbuche das alles unter Erfahrungen sammeln, damit man nicht nur aus dritter Hand darüber berichten kann. Damit ich sagen kann, dieses oder jenes ist MIR passiert, ist TATSÄCHLICH passiert. Keine Lügengeschichte aus dem Internet, kein “Mein Bruder sein Freund dessen Schwägerin ihre Oma”. Live Facts! Ehrlich, kritisch, Tischkantenabnagend! Ich tue das ja nur für Euch!!! *schluchz*

Ok, genug Unsinn erzählt. Um was geht es denn wieder konkret?

Nun, dem einen oder anderen mag bekannt sein, dass ich gerne World of Warcraft gespielt habe (und dies in regelmäßigen Abständen immer wieder zwischendurch tue) und dass ich (gut, vielleicht weniger bekannt) mir in einem Anfall aktuter RTS-Mangelerkrankung Starcraft II zugelegt habe. Dann habe ich noch eine Free-To-Ignore Starter-Edition von Diablo 3 am Start, weil ich schliesslich wissen wollte, ob Diablo 3 tatsächlich so wenig berauschend ist, wie es zum Release und danach hieß.

Ja, ich weiß, dass zwei von den drei Spielen SP-Inhalte haben, die nur dann ausführbar sind, wenn man online ist und die Accountdaten abgeglichen wurden. Mir ist bewusst, dass sich meine Zugänge mit einem Fingerschnippen in Luft auflösen können. Mir ist bewusst, dass mein Spielgenuß nun von ungleich mehr Faktoren abhängig ist als zur “guten, alten” Zeit, wo man sich maximal mit einem spinnerten CD-Kopierschutz oder einer unleserlichen oder gar verlorengegangenen Handbuchabfrage herumplagen musste. Doch wie bereits gesagt … eigene Erfahrungen sind tausend Mal mehr wert als jeder noch so gut gemeinte Ratschlag Dritter.

Im Lichte dieses etwas umfangreicheren Disclaimers möchte ich nun doch endlich konkret werden. Ja, versprochen! Ehrlisch!

  • Vor einigen Wochen wollte der Herr hier mit Raynor mal wieder eine Runde Zergs jagen.
  • Es wurde das SCII-Icon auf dem Desktop angeklickt.
  • Es kommt ein Hinweis, dass nun ein neuer Battle.net-Launcher installiert wird.
  • Ok, warum nicht?
  • Es wird ein neuer Battle.net-Launcher installiert der nun als zentraler Launcher für alle neueren Blizzard-Spiele dient. WoW, Starcraft II, D3 und aktuell dieses Sammelkarten-Dingenskirchen.
  • Ok, warum nicht? Läuft bei mir doch eh alles über einen einzigen Account.
  • Ich starte den neuen Launcher, wähle SCII aus und warte geduldig darauf, dass es endlich losgeht.
  • Ich starre ein klein wenig verwundert auf den Hinweis, dass ich doch jetzt die PIN meines Authentificators eingeben soll.
  • Authenti … was, wie bitte?
  • Aber … ich will doch bloß ne Runde SCII zocken. Hallo?
  • ARGHLLLLLLLLLLLLLLL!!!
  • Kurzerhand SCII deinstalliert, den Rechner vom Netz abgeklemmt, SCII von der DVD neu installiert und einen halbwegs aktuellen Crack, sowie dazu passenden Patch drübergebügelt. Jetzt kann ich zwar endlich ne Runde SCII spielen, aber eine wirkliche Lösung ist das auch nicht. Denn wie soll ich jetzt WoW oder D3 spielen?

Nach einigem Herumrecherchieren klärt sich die Situation.

  • Offenbar wurde versucht den Battle.net-Account zu entern. Gelungen ist es nicht. Warum auch immer. Passwort und Kontaktdaten wurden nicht verändert und nach Einblick über die WoW-Armory scheinen (!) meine Chars auch unverändert zu sein.
  • Im Spam-Ordner meines Postfaches für alles Online-Account-Gedönse finde ich dann Hinweise von Blizzard, dass vor einigen Wochen versucht wurde einen Char-Transfer für meine WoW-Charaktere auf irgendwelche Asia-Server anzustoßen, was aber nicht geklappt hat.
  • Vielfach wird gleich ein Authentificator mit dem kompromittierten Account verknüpft, so dass der Eigner des Accounts einem nicht in die Quere kommen kann.
  • Blizzard bietet einem Kunden die Möglichkeit einen Authentificator extern von einem Konto zu entfernen (für den Fall man verliert das Teil), so dass ich lediglich meinen Personalausweis einscannen und ein entsprechendes Support-Ticket aufmachen muss.
  • Dies hat auch alles geklappt, ich habe wieder uneingeschränkten Zugriff. Wie es meinen WoW-Chars wirklich geht, kann ich mangels Spielzeit nicht überprüfen, aber im Falle eines Falles wird hier ein simpler DB-Restore den Ausgangszustand wiederherstellen. Blizzard weiß ja alles, was auf ihren Servern passiert :)

So. Ist doch toll, auf welche Probleme man stößt, wenn man “nur” ein bisschen Zocken möchte und man dabei “nur” so ein bisschen Online-DRM hat, was ja NIEEEEEEEE Probleme bereitet und überhaupt, ich verstehe die Aufregung deswegen nicht. Ich habe doch wieder einen Zugang und falls man mir funzeliges Spielgeld oder ansonsten nutzlose Pixel-Items entwendet hat, schiebt mir Blizzard den DB-Stand VOR der Kompromittierung einfach wieder in den Account. Und falls sich irgendwelche China-Hacker davon einen runterwedeln können, weil ihr Bot bei mir Informationen im Wert von ein paar Euro (maximal) gezogen hat … mei, ich gönne ihnen die Freude. Haben eh nicht viel zu Lachen, diese kleinen, lungenverätzten, smog-grauen China-Männer und ihre durch Umweltschäden zunehmend unfruchtbar werdenden Cojones :)

Ach, Online-Welt. Du bist so toll. Alles ist gut! Jetzt muss ich nur noch schauen, dass mir Uplay den Start von “Far Cry 3 Blood Dragon” verweigert und dass mich Origin rauswirft, wenn ich meine freie Kopie von Battlefield 1942 spielen möchte. Dann habe ich sie alle komplett. Die Reiter der Digitalen Gaming Apokalypse!

Grim Dawn – Erste Eindrücke

Der Grund, warum ich vor einigen Tagen wegen Steam Gebißabdrücke in der Tischkante  hinterlassen habe, war ein angestrebter Vergleich der Laufanimationen zwischen dem aktuellen Stand der spielbaren Beta von “Grim Dawn” und dem geistigen Vorgänger “Titan Quest”. Denn ich schaue seit einer Weile immer mal wieder in “Grim Dawn” rein, sehe mit Wohlwollen das stete Voranschreiten der Entwicklung und bin der festen Überzeugung, dass wir hier ein ganz feines Hack & Slay bekommen werden.

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Gut, ich kann es mir jetzt natürlich einfach machen mit meiner Begründung und sagen, dass Grim Dawn gut wird, weil die Kernmannschaft (genauer gesagt der ehem. Lead Gameplay Designer Arthur Bruno, sowie Brian Parnell und Steve Pardo, die aus dem Art bzw. dem Sound Department von Iron Lore kommen) aus einigen wenigen Leuten besteht, die früher bei Iron Lore Studios die Spielwelt mit Titan Quest beglückt haben. Aber seit Hellgate: London wissen wir alle, was man von dieser Art Argumentationsführung halten sollte: Nicht viel!

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Ok, da wir nicht geflagshipped werden wollen, schauen wir uns also doch die momentane Fassung der Beta an. Sind die drei Jungs und einige wenige andere Mitstreiter (deren neue Firma Crate Entertainment ist ezzet nicht gerade groß) rein zufällig die gewesen, die bei Iron Lore mitverantwortlich für das eingängige Gameplay und die wunderschönen Produktionswerte waren?

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Geht man von der mit gerade vorliegenden Versionsnummer 0.2.3.4 aus, so scheint man bei Crate Entertainment nicht gewillt zu sein den unrühmlichen Pfaden von Flagship zu folgen. Grim Dawn atmet das große Vorbild, den geistigen Vorgänger Titan Quest aus jeder Pixelpore. Und weil es Arthur Bruno war vor fünf Jahren gelungen war die Rechte an der Codebasis von Titan Quest zu bekommen, ist dieser Gleichklang in Sachen Gameplaymechanik und User Interface kein Zufall. Grim Dawn ist im Grunde nichts weiter als ein technisch etwas aufgebohrtes TQ mit neuen Art Assets. Ist das jetzt schlimm? Nein, ganz und gar nicht. Als alter Titan Quest-Fan fühlt man sich sofort wie zu Hause. Ob das Teil nun Grim Dawn oder Titan Quest 2 heißt … spielt letztendlich keine Rolle.

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In Sachen Setting verknüpft man Steampunk mit Chtulhu, lässt die Spielfigur durch düster-blutige Level hasten und stellt ihr alles entgegen, was man normalerweise in den Romanen von Lovecraft und Co. antrifft. Untote, Echsenmenschen, glibbrige Dämonen, bösartig verdrehte Tiere und was man sonst noch alles nicht unbedingt in der Realität antreffen will. Die Welt, durch die man sich bewegt, ist verrottet und krank, die verbliebenen Menschen klammern sich an verwüstete Ruinen als letzte Festungen vor den anrückenden eitrigen Horden des Verfalls.

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An Klassen gibt es derzeit nur deren drei, den klassischen Nahkämpfer, den Fernkämpfer und den Magier, die jedoch setting-typische Erweiterungen bekommen. So nennt sich der Fernkämpfer hier “Demolitionist”, der chemisch verstärkte Schußwaffen verwendet, Brandbomben aka Molotov-Cocktails wirft und sonst gerne zündelt, sprengt und alles in Asche verwandelt, was im Feuer der Inquisition nicht bestehen kann. Das ist zwar nichts weltbewegend neues, aber derzeit befindet sich Grim Dawn ja noch im Stadium einer spielbaren Beta mit einem in weiter Ferne liegenden Release-Datum.

Der Talentbaum wirkt im Gegensatz zu Titan Quest deutlich abgespeckter. Nein, keine Sorge. Das alles ist immer noch Lichtjahre weit von dem Talentbonsaibüschchen eines Diablo 3 entfernt, aber er ist spürbar kleiner geworden. Ob dieses Eindampfen dabei hilft spürbar unterschiedliche Spielweisen pro Klasse herauszubilden, ob da später doch noch mehr kommt, kann ich noch nicht sagen. Mir fehlt schlichtweg die Zeit eine Klasse unterschiedlich aufzubauen und das Spiel täglich mehrere Stunden rauf- und runter zu zocken. Schließlich *rausred* bin ich nur Backer und kein QA-Mitarbeiter :)

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Technisch gibt es einige kleine Erweiterungen der ursprünglichen Engine. So lässt sich diesmal die Kamera drehen , so dass man NIE MEHR darüber klagen muss, dass man sich nicht gescheit gegen Angriffe aus dem südlichen, “blinden” Bildschirmrand wehren kann. Wasser und Effekte sind hübscher geworden, die Gegner selbst haben mehr virtuelles Gewicht bekommen, das Ragdoll-Modell scheint man auch verfeinert zu haben, somit fallen sie noch einen Tick realistischer und überzeugender zu Boden.

Die Spielgeschwindigkeit wirkt einen ganzen Tacken dynamischer als bei D3, ist aber noch weit von dem angereicherten Kokain auf Speed entfernt, wie man es aus Torchlight 2 kennt.

An negativen Punkten ist mir nur wenig aufgefallen. Das Savegame-System ist gegenüber TQ sogar noch ein Rückschritt. Denn es gibt keine in der Landschaft verteilten Savepoints, beim Laden eines Spielstandes steht man in der jeweils aktuellen Zuflucht der Menschen mit Quest-NPCs, Händlern usw. und darf sich wieder entweder via Rift Gate oder zu Fuß zum Ort des letzten Geschehens begeben.

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GD wirkt in einigen Bereichen selbstverständlich noch provisorisch, manche Animationen bedürfen noch diversen Feinschliffs, es gibt auf meinem System hin und wieder massive Ruckelorgien, aber alles in Allem hat GD eine sehr hohe Grundqualität. Das Spiel ist bereits jetzt so rund, dass man eigentlich “nur noch” die Inhalte für die weiteren Spielabschnitte und natürlich jede Menge Politur und Feinschliff benötigt.

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Positiv lässt sich anmerken, dass das Gameplay einfach “passt”, was auch kein Wunder ist, baut GD auf der Codebasis von Titan Quest auf, welches in dieser Hinsicht nur noch marginal zu verbessern war. Die Rückmeldungen zum Spieler sind direkt und schnell, man vergisst schnell das Interface und sieht nur noch die Umgebung und ihre zu metzelnden Bewohner. Das ist alles rund und sauber, weil man hier offenbar nur wenig am Code verändert hat. Dem Sinne nach, warum etwas ändern, was bereits funktioniert?

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In welchem Ausmaß noch zusätzliche Inhalte hinzukommen, in welchem Ausmaß Grim Dawn noch feinpoliert und geschliffen wird, ich kann es zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Auch wenn das Spiel im aktuellen Zustand bereits sehr solide und rund wirkt, getan werden muss noch einiges. Wobei … ganz ehrlich, mehr Politur und Schliff wären natürlich immer gerne gesehen, aber bis auf den Inhalt der weiteren Handlungskapitel (derzeit sind Kapitel I und II spielbar) muss man meiner Meinung nicht mehr viel tun. Auch wenn die UI und so manche Modell-Animationen um Lichtjahre weit von der Perfektion eines Blizzard-Spieles entfernt sind, mir genügt es. GD ist sehr atmosphärisch, Sound und Art Design erledigen ihren Job effizient und überzeugend, das Teil ist (fast) rund.

Grim Dawn WIRD das Boot rocken, weil es jetzt schon die ersten Planken rockt, die man nur behelfsmäßig zusammen getackert hat.

Warum Steam’s DRM toll ist …

Man stelle sich vor, man habe vor ein paar Jahren eine Nutzungslizenz über Valves Vertriebsplattform “Steam” erworben.

Man hat sich an dieser Nutzung erfreut und laut offizieller Messung weit über 200h in das zur Lizenz zugehörige Spiel versenkt.

Nun stelle man sich vor, man habe wieder Lust auf dieses Spiel. Weil es einfach gut ist. Man starte also den Steam-Client und installiere das Spiel. Es werden brav Daten heruntergeladen. Man starte das Spiel und … staune ein wenig.

Man stelle sich nämlich vor, dass sich das Spiel nicht mehr auf Englisch umstellen lässt. Die vorher bestehende Multilingualität ist irgendwann im Laufe der letzten Monate entfernt worden. Man kann das Spiel nur noch auf Deutsch spielen.

Damit nicht genug, stelle man sich vor, aus Neugier sich die Store-Seite zu diesem Spiel genauer anzuschauen. Da steht nicht nur ein neuer Eigner, sondern es steht auf einmal dort, dass man beim Erwerb einer Nutzungslizenz nur noch eine gewaltgeminderte deutsche Sprachversion erhält.

Das man vor Jahren eine multilinguale, unzensierte Lizenz erworben hat, interessiert dabei keine Sau.

Man hat jetzt im Account ungefragt eine andere Version.

Toll, nicht?

Nun stelle man sich vor, man komme sich besonders schlau vor und restore die vor Jahren gesicherten Steam-Archive zu diesem Titel. Man stelle sich weiterhin vor, dass man das kalte Kotzen bekommt, weil Steam nach dem erfolgreichen Restore sofort einen Download startet, der die Multilingualität und so einiges an Pixelblut entfernt.

Zum Schluß stelle man sich vor, wie Klein-Harzzach wutentbrannt in die Software-Gruft hinabsteigt und die DVDs mit den Warez-Versionen herausholt, um genau die Version zu installieren, die er vor Jahren auf Steam erworben hat.

Ach ja, beim Spiel handelt es sich um “Titan Quest” mit Addon und beim neuen Rechteverwerter handelt es sich um keinen anderen als Nordic Games, wo die letzten Reste vom Jowood’schen Personalschützenfest untergekommen sind.

Jungs, ganz ehrlich … ihr habt doch alle den Arsch offen!!

HD für (Sch)lau(e)

Da sich die Neuauflage von Age of Empires 2 offenbar ganz ordentlich verkauft, steht nun höchstwahrscheinlich eine Neuauflage von Age of Mythology an.

So wirklich viel Sinn macht das in meinen Augen nicht, schließlich läuft AoM auch auf aktuellen Windows-Betriebssystemen und sogar mit frei definierbarer Widescreen-Auflösung klaglos und ohne Probleme. Und wie im Falle von AoE 2 oder Baldurs Gate, so gibt es auch hier jede Menge User-Mods, die das Originalspiel in z.T. weitaus größerem und besserem Ausmaß verbessern als die kostenpflichtigen “HD”-Versionen der sog. Profis.

Für Age of Mythology gibt es z.B. die Gold Supplements, die das Spiel nicht nur optisch auffrischen, sondern auch einige nette Änderungen und Verbesserungen am Interface und Editor mitbringen.

aom_org
Das unveränderte Original-Spiel.

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Mit installierten Gold Supplements.

Zum Schluss noch mein Lieblingsbeispiel für einen User-Mod, der die kostenpflichtige Neuauflage der Entwickler so dermaßen alt aussehen lässt, dass …

Doom_3_sikk_01Doom_3_sikk_02

… man nur noch mitleidig den Kopf schütteln kann. Doom 3 + Sikkmod + neues Texturepack. Und für diese lächerliche BFG-Edition, mit der zusammen weiterhin kaum ein Mod funktioniert, wo man nach meinen Infos nicht einmal User-Maps für die inkludierten Doom 1 und Doom 2 starten kann, verlangt id Software immer noch 29.99 €.

Aber gut, muss jeder selber wissen, aus welchem Fenster er sein Geld werfen will.

Suchspiel

Yay, heute ist Kack-Sonntag!

Man schaue sich zuerst bitte dieses Video an …

Dann lese man diese Ankündigung auf GOG.com (wer möchte, auch gerne die dann folgenden, über 100 Seiten Diskussion aka Shitstorm).

Wer findet den Fehler?

UPlay – Ein Erfahrungsbericht

Eben kam ein Kommentar zu einem älteren Beitrag herein, der so treffend diesen ganzen DRM-Hirnfick beschreibt, dass ich ihn Euch nicht vorenthalten möchte:

Leser arillo kommentierte Klüger als der Rest:

UPlay – Ein Erfahrungsbericht

Sonntag, 7:30 Uhr

Habe mir gestern auf Steam die Deluxe Edition von FarCry3 gekauft. Bei einem Rabatt von 75% kann man nichts falsch machen, dachte ich mir. Auch mit doppeltem DRM durch Steam und UPlay. Über letzteres muss das Spiel schließlich gestartet werden. Es nervt, das wusste ich vorher, da ich bereits Assassins Creed: Revelations über Steam gekauft habe, das Außmaß der sinnlosen Umständlichkeit war mir aber wohl entfallen.

Das Spiel ist schon installiert, also heruntergeladen, ich muss nur noch auf den “spielen”-Button klicken. Ich klicke auf den “spielen”-Button. Steam installiert erstmal 9 Updates für DirectX, Visual C+ und das UPlay-Programm. Das dauert nicht lange. UPlay wird gestartet und fordert zum Login auf.

Zwischendurch fragt meine Firewall mehrmals nach Erlaubnis, ausgehende Verbindungen durch UPlay und Steam zuzulassen.

7:39 Uhr
Als ich eingeloggt bin, fragt UPlay nach dem Produktschlüssel für FarCry3, den ich nun via Copy&Paste eingebe. Das Spiel ist freigeschaltet. Ich bin verwirrt, denn ich sehe im UPlay Interface nirgends einen Button zum Spielstart. Versuche das Spiel nochmals über den Button in meiner Steam Library zu starten. Steam meldet, das Spiel liefe bereits.

Meine Firewall fragt weiterhin in unregelmäßigen Abständen nach Erlaubnis für ausgehende Verbindungen. Ich erlaube diese weiterhin nur temporär.

7:46 Uhr

Ich suche immer noch nach einem spielen-Button auf der verwirrenden UPlay-Oberfläche, klicke mich durch irgendwelche Menüs. Die FarCry 3 Seite hat drei Reiter: Overview, Actions and Rewards und Achievements. Gewinne keine neuen Erkenntnisse, außer dass ich einige Solo- und Koop-Missionen erst mit UPlay-Punkten freischalten muss, die ich durch das Erreichen von Achievements im Spiel erhalte. Finde das albern und doof.

7:52 Uhr

Beschließe, UPlay neu zu starten. Als UPlay neu gestartet ist, sehe ich auf der FarCry3 Seite, über den Reitern einen riesigen Button: “PLAY”. Der war vorher nicht da. Die Firewall nervt weiterhin. Sie fragt auch nach Verbindungen zwischen Steam und UPlay. Ich erlaube diese weiterhin nur temporär, da ich die Vorstellung zweier DRM-Programme, die sich untereinander unaufgefordert austauschen, gruselig finde. Warum weiß ich nicht. Kenne mich nicht so gut aus. Stelle mir Leute vor, die sich gar nicht auskennen oder sich keine Gedanken machen. Entscheide, dass diese es unbestreitbar besser haben.

7:54 Uhr

Klicke auf den riesigen PLAY-Button. UPlay erzählt mir, dass jetzt Steam gestartet wird, um das Spiel zu starten. Ich sage dem Bildschirm dass Steam bereits läuft. Der Bildschirm reagiert nicht. Aber die Firewall ballert mich weiter mit Anfragen zu. Steam sagt mir nochmal, dass das Spiel bereits läuft. Werde langsam sauer.

8:00 Uhr

Schließe UPlay und Steam. Starte dann UPlay und klicke auf den PLAY-Button. Die Firewall beschießt, mich wieder mit Anfragen zum Austausch zwischen UPlay und Steam und ausgehenden Verbindungen. Klicke überall auf “Temorär erlauben”.

8:06 Uhr

Die Firewall gibt keine Ruhe. Klaue meiner Freundin eine Zigarette, rauche diese und mache Tee. Stelle mich auf eine längere Auseinandersetzung mit dieser Müllsoftware ein. Beschließe, die Auseinandersetzung schriftlich festzuhalten und starte den Texteditor.

8:17 Uhr

Die Zigarette ist geraucht, der Darjeeling gekocht. Schreibe erstmal ein bisschen.

8:25 Uhr

Schreibe weiter. Die Firewall machts mir nicht leicht. Alle 15 (!) Sekunden spuckt sie weitere Anfragen aus. Frage mich ob die Programme sich immer noch streiten, ob das Spiel nun gestartet werden darf. Trinke meinen Tee, während ich zwischen Textprogramm und Firewallmeldungen hin- und herspringen muss.

9:00 Uhr

Höre das meine Freundin wach geworden ist. Mache schnell Kaffee. Hab bisher gefühlte 70 Anfragen meiner Firewall temporär zugelassen. Kein Ende in Sicht. Weiß aber auch nicht in welcher Richtung das zu sehen sein sollte. Die Anfragen kommen weiterhin in kurzen und regelmäßigen Abständen. Bereue den Kauf des Spiels.

9:09 Uhr

Gebe auf und beantworte die Anfragen mit “Immer erlauben”. Bin gespannt was passiert. Sehe jetzt erst, dass Steam gar nicht läuft. UPlay hat versagt. (siehe 7:54 Uhr)

9:10 Uhr

Klicke nochmal auf den PLAY-Button. Nichts passiert. Kein Steam. Keine Firewall. Kein FarCry3. Schließe UPlay nochmal und starte es neu…entscheide mich um und starte gleich den ganzen Rechner neu. Speichere aber erstmal den Text. Als ich alle Fenster geschlossen habe, sehe ich ein kleines Steam-Fenster. “Verbindungsfehler: Verbindung zum Steam Netztwerk nicht möglich. Sie sind momentan nicht mit dem Internet verbunden oder Ihre Internetverbindung ist…blablabla.” Optionen: Erneut versuchen, Offline-Modus oder Beenden. Das kommt davon, wenn man versucht die Durchlässigkeit der Firewall geringstmöglich zu halten.

9:14 Uhr

Entscheide mich für Beenden und starte den Rechner neu.

FALSCH! Mache nämlich gar nichts. Außer zu staunen!
Statt sich zu beenden startet Steam sich im Offline Modus, geht dann wieder aus. Stattdessen startet UPlay wieder. Die Firewall meldet sicHALTDIEFRESSE! – klicke auf “Immer erlauben”. Kaum ist UPlay an, startet FarCry3. Das Spiel läuft. Die Firewall minimiert das Spiel – Immer erlauben!
Aber meine Freundin will Frühstücken. Beende das Spiel. UPlay ploppt auf und informiert mich über den Ubisoft-YouTube-Channel, meine Spielzeit und wieviele Achievements ich erreicht habe. Bilanz: 5 Minuten und kein Achievement. Bin enttäuscht. Finde, dass ich für die Aktion hier einige Achievements und UPlay-Punkte für neue Missionen verdient hätte. Andererseits hab ich wahrscheinlich genau das bekommen, was man verdient, wenn man DRM-belastete Titel kauft.

9:23 Uhr

Mache Frühstück.
Wünsche allen einen schönen Sonntag.

Bremen, den 23.02.2014

Letztlich habe ich übrigens mal wieder versucht “Far Cry – Blood Dragon” zu starten. Eigentlich ein geiler Retro-Shooter, der jedoch mit Steam und UPlay derart vernagelt wurde, dass ich auf Grund der Mühen, denen man sich beim Spielstart unterziehen muss, nach irgendwann erfolgtem Spielstart eigentlich keinen Bock mehr hat. Ich finde es einfach faszinierend, dass man tatsächlich zwingend BEIDE Clients starten muss und man über Steam erworbene UPlay-Titel nicht einfach über UPlay, ohne Steam, starten kann. Nein, UPlay ruft tatsächlich dann Steam auf. Was, wenn es zu Problemen wie oben beschrieben kommt, zu einer Endlosschleife führt, wo sich beide Clients beim gegenseitigen Aufrufen in die Haare bekommen. Auch wenn es nur ein paar Euro waren, ich bereue es zutiefst dafür Geld ausgegeben zu haben. Immerhin, die Warez-Version startet dafür ratzfatz. Ohne Steam, ohne UPlay.